ÖVP verbreitet Impfdosen-Falschmeldung

Nur vorgezogen, nicht zusätzlich

Die Lobeshymnen der ÖVP-Minister auf Sebastian Kurz, aufgrund der „zusätzlichen“ Impfdosen fanden kein Halten. Einziges Problem: Es gibt weder zusätzliche Dosen, noch kann Kurz etwas dafür.

 

Wien, 15. April 2021 | „Edtstadler zu Impfstoffbeschaffung: Hartnäckigkeit von Kanzler Kurz macht sich bezahlt“, Köstinger auf oe24: “Da ist dem Kanzler ein großer Wurf gelungen, eine Million zusätzliche Impfdosen von Pfizer”, eigene Nachrichten an die ÖVP-Wähler mit dem Erfolg des Kanzlers wurden per Messengerdienst ausgeschickt: Die Lobeshymnen von ÖVP-Ministerinnen am Mittwoch auf den Bundeskanzler Sebastian Kurz fanden kein Ende.

“Eine Million zusätzlich” – Falsch

Was die ÖVP allerdings in ihrer Kommunikation an die Bevölkerung vergaß: die Information stimmte einfach nicht. Der Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer verkündete am Mittwoch, dass der Europäischen Union 50 Millionen Impfdosen bereits bis Ende Juni zur Verfügung gestellt werden – früher als geplant, nicht zusätzlich. Österreich bekommt laut Bevölkerungsschlüssel zwei Prozent dieses Kontingents – eine Million Impfdosen. Statt wie geplant im vierten Quartal wird der Impfstoff vom Hersteller nun bereits im Zweiten an die EU-Länder geliefert.

Impfstoffhersteller muss ÖVP-Falschmeldungen entgegenwirken

Pfizer sah sich nach der durch die ÖVP verbreiteten Falschinformation gezwungen, das Prozedere über den Kurznachrichtendienst Twitter nochmals zu erklären.

ÖVP-Abgeordneter Andreas Hanger räumte am Donnerstag am Rande einer Sitzung im Parlament ein, dass es sich bei den Impfdosen von Biontech/Pfizer um vorgezogene und nicht um zusätzlichen Dosen handelt. Kurz sah das im kleinen Untersuchungsausschuss am Donnerstag aber anders. Zum Vorhalt der Opposition, diese Dosen würden lediglich vorgezogen, sagte Kurz, dies sei eine akademische Diskussion. “Ich spreche gerne von zusätzlichen Dosen”, so der Kanzler. Im Gegensatz zur Kurz-Partei, die die vorgezogenen Impfdosen dem EU-Kurs des Kanzlers zuschrieben, bedankten sich andere Regierungschefs bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

In einer Aussendung freut sich Österreichs EU-Ministerin Karoline Edtstadler, dass die Lieferungen des vorgezogenen Impfstoffes nach dem pro rata zur Bevölkerung Verhältnis ausgeliefert werden. Der Dank geht wieder einmal an Bundeskanzler Sebastian Kurz. “In der Frage der Impfstoff-Verteilung hat Österreich auf EU-Ebene darauf gepocht, die von den Staats- und Regierungschefs vereinbarte, gerechte und gleichmäßige Auslieferung pro rata zur Bevölkerung einzuhalten.” Unerwähnt ließ Ministerin, dass die ungleiche Verteilung der Impfstoffe im Frühjahr 2021 nur zu Stande kam, weil die österreichische Regierung weniger von Biontech/Pfizer bestellte, als eigentlich möglich gewesen wäre.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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