Magistrat sperrt Küche zu – Martin Ho kocht weiter

Während für sechs Betriebe des Kanzler-Gastronomen Martin Ho knapp 1,3 Mio. an Coronahilfen flossen, wurde die Küche seines Lokals Newman behördlich geschlossen. Grund: Es liegt keine Betriebsanlagengenehmigung vor. Ho kündigt für heute dennoch ein „Great Comeback“ an.

 

Wien, 19. Mai 2021 | Martin Ho kündigt für den heutigen Öffnungs-Mittwoch ein „Great Comeback“ seines Restaurants Newman – Negroni & Schnitzel an. Problem: der Wirt, der Sebastian Kurz (ÖVP) in der Coronakrise zu Fragen der Nachtgastro berät, hat dafür keine Erlaubnis.

Ignoriert Bescheid

Wie ZackZack erfuhr, hat die Stadt Wien die Küche des besagten Lokals zugesperrt. Ho kann gegen den Bescheid Rechtsmittel einlegen, das Restaurant allerdings erst mit einer aufrechten Genehmigung öffnen. Unbekannt ist, ob er bereits Beschwerde eingelegt hat.

„Die Stadt Wien bestätigt, dass für ein Lokal von Martin Ho nach §360 der Gewerbeordnung ein entsprechender Bescheid erlassen wurde“,

so die Antwort auf eine ZackZack-Anfrage (Stand Dienstag, 18. Mai). Über einstweilige Zwangsmaßnahmen wird per Bescheid verfügt, wenn ein Verdacht der Übertretung nach §366 GewO besteht. So heißt es in §360: „Kommt der Gewerbeausübende bzw. der Anlageninhaber dieser Aufforderung innerhalb der gesetzten Frist nicht nach, so hat die Behörde mit Bescheid die zur Herstellung des der Rechtsordnung entsprechenden Zustandes jeweils notwendigen Maßnahmen, wie die Stilllegung von Maschinen oder die Schließung von Teilen des Betriebes oder die Schließung des gesamten Betriebes zu verfügen.“

Das heißt auch, dass Ho trotz eines laufenden Verwaltungsstrafverfahrens und mehrmaligen Mahnungen das Ersuchen der Stadtverwaltung offensichtlich ignoriert hat – und das seit mehr als einem Jahr Bestehen des Newman. Am 12. Mai 2020 hatte Ho im „Falstaff“-Magazin vom ÖVP-nahen Berater Wolfgang Rosam angekündigt: „Der COVID-19-Shutdown hat uns die Möglichkeit gegeben, freie Ressourcen zu nutzen und das ‚Newman‘ früher als geplant umzusetzen.“

Kassierte 1,3 Mio. Coronagelder

Der Betrieb des Newman ohne Genehmigung überrascht umso mehr, als dass Ho für insgesamt sechs Unternehmen seiner Dots-Gruppe üppige Coronahilfen ausgezahlt bekommen hat. Das ergaben Recherchen des „Standard“, der zunächst von zwei begünstigten Unternehmen berichtet hatte. Laut den veröffentlichten Daten der EU-Kommission haben die sechs Unternehmen der Gruppe insgesamt knapp 1,3 Mio. Euro an staatlichen Krisenzuschüssen von der Cofag erhalten. Darunter auch die Chin Chin Gastronomie GmbH, die eine gleichnamige Bar in der Seilerstätte 16 im 1. Wiener Gemeindebezirk betreibt, an der auch das derzeit genehmigungslose Schnitzellokal residiert. An selbiger Adresse handelt Ho seit kurzem auch mit teuren Uhren.

Eines der begünstigten Unternehmen, die Dots Mariahilf GmbH, kann man im Firmenbuch laut „Zoom“ nicht mehr finden. Die Gesellschaft firmiert seit März 2021 unter dem Namen Ling Nails GmbH und wurde offenbar vom Gastrobetrieb zum Nagelstudio umfunktioniert.

Wo werden die Schnitzel jetzt geklopft?

Weil er die Küche des Newman nicht nutzen darf, wollte ZackZack wissen, ob Ho eine andere, genehmigte Küche nützt, um legal bewirten zu können. Ho wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Screenshot Facebook: Ho lädt zum „Great Comeback”. Reservierungen waren schon Tage zuvor möglich.

Das Impressum der Newman-Website war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht aufrufbar. Die HoGallery GmbH ist laut Angaben des Lieferservice Mjam Eigentümerin des Newman. Das verwundert, ist das Hauptgeschäft der Galerie doch die Kunstbranche. Die HoGallery hat insgesamt drei Gewerbeberechtigungen: für einen Barbetrieb, für ein Hotel in Niederösterreich sowie für „Handel mit Antiquitäten“ an der Adresse des Nachtclubs Pratersauna. Auffällig bei den Geschäften von Ho (Gastronomie, Kunst, Uhren- und Antiquitätenhandel) ist, dass diese naturgemäß sehr bargeldlastig sind.

Loyaler Kurz-Freund mit „bedingungslosem Zusammenhalt“

Dass Ho sich selbst als Kunstliebhaber ansieht, ist nicht erst mit seiner laut “Kurier” fixen Pacht des ehemaligen Novomatic-Forums am Wiener Naschmarkt bekannt, wo ein “Kleines Haus der Kunst” entstehen soll (Der “Standard” berichtete zuerst darüber). So beschrieb er in einem Interview mit dem ORF Wien sein Verhältnis zu Kanzler Kurz auch mit Gesprächen über Kunst: „Wir sprechen darüber, wie es unseren Frauen geht, über Sport und Kunst. Wir reden nicht über Politik.“ Gegenüber dem ORF sagte Ho weiters, er sei mit Kurz befreundet und in einer Freundschaft würden „Loyalität, Ehre, Stolz, bedingungsloser Zusammenhalt“ zählen. Das angebliche Desinteresse an Politik überrascht, denn in einem „Kurier“-Interview behauptete Ho, Teil einer Expertengruppe „mit anderen Nachtgastronomen“ zu sein.

Auch Belege, die ZackZack vorliegen, bestätigen Hos Rolle als Kurz-Berater. Einen Tag nach der Corona-Drogen-Party am 1. Mai 2020 in Hos Lokal „Dots im Brunnerhof“ hatte Ho den Kanzler angerufen, um die mediale Aufregung zu besprechen. Die illegale Runde in seinem Lokal war durch eine Razzia aufgelöst worden. Davon unbeeindruckt hatte Kurz seinen Freund Ho gebeten, ein Konzept für das Hochfahren der Nachtgastro vorzubereiten. Dazu hatte der Kanzler den Gastronomen höchstpersönlich ins Bundeskanzleramt eingeladen. Ob Ho dieser Einladung folgte, ist nicht bekannt.

Auf ZackZack-Anfrage wollte sich Ho dazu nicht äußern, dementierte aber im Interview mit „Wien Heute“ fast ein Jahr später immer noch, von der Party gewusst zu haben. Belege verraten Gegenteiliges: Ho hatte die Preise für die illegale Feier, bei der Drogen beschlagnahmt worden waren, festgesetzt und sich noch zu später Stunde über deren Verlauf erkundigt. In offiziellen Statements war allerdings ein Koch für die Party verantwortlich gemacht worden, während Ho beteuert hatte, sich ab 20 Uhr ins Reich der Träume verabschiedet zu haben.

(wb)

Update am 20.05. um 13:00 Uhr: “Der Standard berichtete zuerst darüber” wurde eingefügt, “Rechtsmittel” statt “Rechtsmittelverfahren” adaptiert.

Titelbild: APA Picturedesk

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