Rabensteiner – Der Leistungsträger

Das geht ganz tief. Was geht in ihm vor, ihm, dem besten Kanzler der Zweiten Republik?

Wien, 28. August 2021 | Die von den Grünen prophezeite Klimaerwärmung war ausgeblieben. Der 9. Jänner 2025 war der kälteste Tag seit 50 Jahren. Sebastian Kurz zählte fünf Eisblumen am Fenster. Er hatte den Hokuspokus mit dem Klimawandel ohnehin nie geglaubt. Was wohl aus dieser Greta Thunberg geworden war? Man hörte so gar nichts mehr von ihr. Wahrscheinlich ein Karriereknick.

Überall auf der Welt wurden neue Flughäfen gebaut und die Werften kamen mit der Auslieferung neuer Supertanker und Containerschiffe nicht mehr hinterher. Wachstum bedeutete Arbeitsplätze und Arbeitsplätze bedeutete Wohlstand. So einfach war das. Wäre es nach den Grünen gegangen, dann wäre Österreich wieder in der Steinzeit gelandet und die Amazon-Pakete würden jetzt mit Lastenfahrrädern transportiert werden. Das hätte ihm die Transport-Lobby niemals verziehen.

Aber er hatte schnell gelernt, dass die Grünen in allen Bereichen für Tauschgeschäfte empfänglich waren. „Ich sorge dafür, dass es bei uns nur mehr glückliche Hühner gibt, aber dafür nehmen wir keine weiteren Flüchtlinge auf.“ Und zack, schon waren die Grünen eingeknickt.

Und er war Vater geworden. Eine Leistung, die ihm nur wenige zugetraut hatten. Alles war auf Schiene. Es lief prächtig. Beruflich wie privat. Mit seiner Arbeit war er heute ausnahmsweise früher fertig geworden und er freute sich schon auf Frau und Kind, als unvermittelt sein Handy klingelte. Er kannte die Nummer. „Selbstverständlich” sagte er knapp. „Geben sie mir 15 Minuten.” Speed kills. Das hatte er von Wolfgang Schüssel gelernt. Einmal mehr war er jetzt als Krisenmanager gefragt.

Die Zahl seiner Verdienste war Legion. Zuerst hatte er Reinhold Mitterlehner einen würdevollen Abgang ermöglicht und danach um den Fortbestand der Regierung gekämpft. Aber die SPÖ verweigerte die Zusammenarbeit. Bei der Wahl 2017 triumphierte er dann mit 31,47%. Mit jugendlichem Charme zwang er die Roten in die Knie, worauf sich die machtgeilen Blauen sofort als Koalitionspartner angeboten hatten. Er wusste, dass deren Personal nicht regierungsfähig war, aber die Intelligenz seiner Mannschaft würde das Manko ausgleichen. Nach dem Ankauf von zwölf Polizeipferden war er Bundeskanzler.

Und dann kam die Sache mit Ibiza. Es war nicht seine Schuld gewesen, dass daraufhin die Regierung neuerlich den Bach hinuntergegangen war, aber er trug es mit Fassung, dass ihm Gott eine weitere Prüfung auferlegt hatte. Selbst als ihm die Mehrheit der Parlamentarier das Misstrauen ausgesprochen hatte war er felsenfest davon überzeugt, auch aus dieser Krise wie Phoenix aus der Asche aufzusteigen. Und so war es auch. Die Österreicher waren klug genug, ihn auch 2019 mit einer relativen Mehrheit auszustatten. Mit dem geringsten Wahlkampfbudget aller Parteien schaffte er diesmal sogar 37,46%. Für eine westliche Demokratie war das geradezu ein weißrussisches Wahlergebnis. Die Blauen saßen noch auf der Wuttreppe, aber mit den Grünen war schnell ein Ersatz gefunden, worauf er sie jahrelang am Nasenring durch die Manege zog. Er hätte sich das niemals gefallen lassen, aber Kogler war damit zufrieden, eine neuerliche ÖVP/FPÖ-Koalition verhindert zu haben. Als ob das einen Unterschied gemacht hätte.

Als bester Bundeskanzler der Zweiten Republik würde er in die Geschichte eingehen. Selbst im sonst so kritischen Kurier konnte man das lesen. Schließlich hatte er die Balkanroute geschlossen, die klügsten Köpfe ins Kabinett geholt, Corona besiegt und die wichtigsten Posten des Landes mit fähigen Leuten besetzt. Sebastian Kurz zog seinen Mantel an, als das Handy neuerlich klingelte. Er drückte den Anrufer weg. Der alte Khol hätte ihm heute gerade noch gefehlt. Wie alt war der mittlerweile? 100? Der sollte längst auf einer Antidekubitusmatratze seinen Lebensabend genießen, aber manche wussten einfach nicht, wann es genug war.

Kurz trat hinaus in die eisige Kälte. Große Ohren waren gut bei Hitze, jedenfalls für Elefanten, aber bei Minustemperaturen waren sie eher suboptimal. Zum Glück hatte ihm seine Mutter eine Haube gestrickt, die er jetzt tief ins Gesicht zog. Er blickte in die Gesichter der Passanten, die an ihm vorbei gingen. Manche lächelten ihn an, andere warfen ihm eisige Blicke zu, die offensichtlich der Kälte geschuldet waren. Wie auch immer, er war ein Siegertyp. Ein Gewinner. Als unermüdlicher Leistungsträger würde er auch dieses Problem zum Wohle seiner Mitmenschen lösen. Nichtsdestotrotz hatte er sich den Job als Hauszusteller der Kronen Zeitung einfacher vorgestellt.

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Titelbild: APA Picturedesk

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