Widerruf Benko

Rabensteiner:

Gas! Gas! Gas!

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner heute mit dem Thema “aktive Neutralität” – zum vorerst letzten Mal für längere Zeit.

Fritz Rabensteiner

Wien, 06. August 2022 | Bitte verzeihen Sie, dass der Text heute etwas länger geraten ist. Es ist mein letzter für geraume Zeit. Als ich mit Motorsport begann, absolvierte ich unter anderem ein Fahrtechniktraining am Salzburgring. Der Instruktor saß neben mir und schrie „Gas! Gas! Gas!“, während wir mit 130 km/h auf eine langgezogene Kurve zurasten. Ich war mir sicher, dass sich das niemals ausgehen würde. Jahre später fuhr ich im Rennen an dieser Stelle über 200 km/h. Man gewöhnt sich daran. Das war echt spannend. Und 2022 höre ich jetzt wieder Gas! Gas! Gas!

Wissen Sie, was auch spannend werden könnte? Wenn es mit den Teuerungen so weitergeht und die ersten Heizungen kalt bleiben. Daran würden wir uns nicht so schnell gewöhnen. Da hat man Nord Stream 1 und 2 und dann kommt da wenig oder gar kein Gas. Den Politikern geht der Arsch auf Grundeis, denn die Bevölkerung murrt. Nicht so die Manager der OMV, denn die verdient aufgrund der hohen Energiepreise so viel, dass im März zusätzliche Boni in Höhe von 6,2 Millionen ausbezahlt werden konnten. Jetzt nur kein Neid. Diese Menschen arbeiten hart für ihr Geld. Andere haben sich eben nicht so angestrengt und müssen jetzt eine Niere verkaufen, um über die Runden zu kommen. Deshalb hat man auch zwei. Die Politik hat sich jedenfalls darauf eingestellt, dass dieser Krieg erst dann endet, wenn Putin tot ist oder seine Armee so geschwächt, dass er verhandeln muss. Bis dahin heißt es geschmeidig bleiben nach allen Seiten. Aber letztlich doch dem Stärkeren zugeneigt. Nur ein bisschen. Fast unmerklich. Der alten Zeiten wegen.

Österreichs großer Philosoph Sigi Wolf hat ebenfalls Fairness für Putin und die Oligarchen eingemahnt. Das ist keine Fahnenflucht oder Verrat an der Ukraine, nein, nein, auf gar keinen Fall. Das ist Diplomatie. In Österreich nennt man das „aktive Neutralität“. Die immerwährende. Absolut neutral sind wir natürlich nicht. Denn wenn man Putin und seine Mörderbande völlig zurecht hart kritisiert und die Sanktionen mitträgt, dann ist man nicht mehr neutral. Absolut neutral wäre man, wenn man sagt: „Krieg? Welcher Krieg? Echt? Seit wann?“ Also sind wir aktiv neutral. „Mir ist egal, wer den Krieg gewinnt. Hauptsache, die Ukraine.“ Deshalb war Karl Nehammer aktiv bei Putin, der ihm als Dank dafür Versorgungssicherheit garantiert hat. Also für uns. Aber irgendwie ist das untergegangen. Wahrscheinlich wurde es nicht verschriftlicht. Und jetzt hat es der Wladimir vergessen. Na ja, das kann passieren. Ist aber nicht so schlimm. Schließlich hat Pamela Rendi-Wagner schon angekündigt, dass sie im Fall der Fälle mit Putin und Selenskyj Tacheles reden würde. Da wäre der Krieg im Nu vorbei. Mit den beiden würde sie Schlitten fahren. Aber so richtig. Wie sie das machen will, hat sie nicht gesagt. Geheimsache.

Vor allem die Grünen sind brutal am Boden der Realität gelandet. Und nicht nur in der Wählergunst. Atomstrom ist jetzt grün und mit Erdöl darf wieder geheizt werden. Aber von den Russen kaufen wir kein Öl mehr. Ganz bestimmt nicht. Das haben schon Saudi-Arabien und Indien in großem Stil getan, die es nun ihrerseits mit fettem Aufschlag weiterverkaufen. Und so schließt sich der Kreis und die Sanktionen wirken. Zumindest bei uns.

Wenn Sie im Herbst die Fenster öffnen, werden Sie vom Bodensee bis zum Neusiedlersee folgendes Lied hören: „Was geht uns eigentlich die Ukraine an? Dieser korrupte Selenskyj hat uns gerade noch gefehlt. Der will uns doch nur in diesen Krieg hineinziehen. Und so einer will in die EU? Niemals. Nicht mit uns. So Unrecht hat Putin doch gar nicht. Der holt sich nur zurück, was ihm gehört. Das ist ein lupenreiner Demokrat. Mit den Sanktionen muss endlich Schluss sein.“ Und wenn Sie dann ganz genau hinhören, werden Sie im Hintergrund Putin lachen hören. Und Erdoğan. Und wahrscheinlich auch diesen Dings… diesen Raisi aus dem Iran. Den Orbán auch. Aber man kann die Stimmen kaum auseinanderhalten. Die vier sind sich so ähnlich.

Apropos Orbán. Der Gulasch-Putin hat sich mit unserem Karli Nehammer getroffen. Angeliefert wurde der füllige Magyare mit einem VW-Bus. Mehr darf ich über sein Gewicht nicht schreiben, sonst heißt es gleich wieder: Bodyshaming! Früher gab es diese politische Korrektheit nicht. Das war viel angenehmer. In meiner Jugend sagte man beim Fußball: „Der Blade steht im Tor.“ Und dem Bladen war das recht, weil er sich wenig bewegen musste. Aber lassen wir das. Der große Denker Harald Vilimsky sagt über Ungarns Diktator: „Orbán ist einer der Helden Europas.“ Hary hat sich einmal mit einem Taser niederstrecken lassen. Mehr muss man über ihn nicht wissen. Und was seinen rundlichen Freund mit den offenen Taschen, den Orbán Wickerl anbelangt, der ist nicht der Held Europas, sondern das Geschwür der EU. Ob sich Orbán auch mit Sobotka getroffen hat, ist nicht bekannt. Die beiden telefonieren aber oft miteinander. Befreundet sind sie schon seit der Zeit, als der Soberl noch Innenminister war. Damals hat er den Wickerl angerufen und gesagt: „Der Christian Kern kommt bei dir vorbei. Ein lieber Kerl. Und so tüchtig. Gib ihm ein Zwickerbusserl von mir.“ Offiziell ging es bei dem Treffen in Wien um die Bekämpfung illegaler Migration und um Paprika.

Aber ich weiß aus vertraulicher Quelle, dass etwas noch viel Wichtigeres besprochen wurde: In Wien und Budapest soll ein Film gedreht werden. Sissi – Die Wechseljahre einer Kaiserin. Ein paar Rollen sind schon besetzt. Orbán spielt Graf Andrássy, Johanna Mikl-Leitner ist die alte Sissi und der Karli Nehammer gibt den Oberst Böckl. Und wie in ‚Sissi – Die junge Kaiserin‘ sagt er auch diesmal: „Wenn sie mich ansieht, dann setzt mein Gehirn aus. Wenn sie mit mir spricht, dann fang ich an zu stottern. Und wenn sie mich anlächelt, dann bin ich einer Ohnmacht nahe.“ Das wird der Karli auch nach der niederösterreichischen Landtagswahl sagen, falls Sissi, also die Hanni, die absolute Mehrheit verliert. Aber wahrscheinlich ist dann ohnehin schon Magnus Brunner Bundeskanzler, weil die Tiroler ÖVP unter 30 Prozent gefallen ist. Bekannt wurde Magnus Brunner als Mitglied des Schlager-Duos Brunner & Brunner. Heute tritt er gemeinsam mit der Sängerin Simone Stelzer auf. In einer Show von Florian Silbereisen gestanden die beiden sich auch ihre Liebe.

Meine Frau, der Hund und ich hauen uns jetzt über die Häuser. Wir sind in Zukunft immer wieder für längere Zeit weg. Auch, um Abstand zu gewinnen vom oben beschriebenen Irrsinn. Geschätzte Leserinnen und Leser, herzlichen Dank für Ihre Kritik, Ihr Lob und Ihre Treue. Vielleicht lesen Sie wieder von mir. Irgendwann. Alles Gute und bleiben Sie gesund!

Titelbild: ZackZack/Othmar Wicke

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16 Kommentare
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Oarscherkoarl
6. 08. 2022 22:31

Bitte Hr. Rabensteiner! Sie nicht auch noch! Verlassen sie die Plattform nicht. Ich- wir brauchen ihren Humor. Gerade als Couch(!) der Huren der Reichen waren und sind sie ein Fixpunkt.
Tun sie uns das nicht an.
Wir mussten ohnehin schon den Abgang von Dr. Walach verkraften…

amour
6. 08. 2022 20:49

Eine schöne Auszeit wünsch ich Ihnen, Herr Rabensteiner, der Frau Gemahlin und dem Vierbeiner – aber bitte nicht vergessen – wir brauchen Sie hier!

nikita
6. 08. 2022 17:44

Alles Gute Herr Rabensteinerund vergessen Sie uns nicht.
Wie ich ohne Ihre Medizin jetzt auskommen soll weiß ich noch nicht. Ich hoffe Sie kommen bald zurück.

Danilo
6. 08. 2022 11:47

Applaus, Applaus! Applaus!

Rendi sollte Mann nicht unterschätzen mit ihrer
aufreizenden Art könnte sie nicht nur mich sondern
auch Putin vergraulen! Putin zittert schon vor einem
möglichen Besuch. „Tausche Neutralität gegen Gas!“
Immerhin Putin wird ihr seine Stimme nicht geben!

Im Winter wird bei geöffneten Fenstern wieder
zustimmender und tosender Sanktions-Applaus
zu hören sein.

Bei den Österreichern bin ich mir ziemlich sicher,
daß sie sich mit ihrem Applaus wenigstens die Hände
wärmen werden, mangels Gas, mangels ausbleibender
Koalitions-Almosen und mangels politischer Alternativen
werden sie mit ebendiesem Applaus leider
auch Rendi beklatschen!
Es wird kälter, noch perspektivloser, korrupter
und noch dunkler werden!
Applaus, Applaus, Applaus!

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von Danilo
hagerhard
6. 08. 2022 11:37

jenen, denen das lachen bisher noch nicht vergangen ist, wird es auch noch vergehen.
ich schätz einmal, das wird ein heisser winter in kalten wohnungen.

https://www.hagerhard.at/echt-rot/2022/08/finde-den-fehler/

Sinclai
6. 08. 2022 10:21

Ein Jammer. Immer gehen die Guten. Bleiben Sie wie sie sind…..

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von Sinclai
Kritiker123
6. 08. 2022 9:19

Herr Rabensteiner, sie verlassen Zackzack jetzt auch noch?

Worauf soll man sich dann auf den Samstag Humor mäßig freuen?

Die Fangemeinde von Zackzack würde sich freuen, doch wieder von ihnen zu lesen.

Schöne Zeit für sie, ihre Frau und den Hund.

baer
6. 08. 2022 9:18

😂😂😂😂Mit Rabensteiner schmeckt das Frühstück nochmal so gut….man muss nur aufpassen, dass man sich nicht verschluckt….freue mich auf ein Wiederlesen hier auf Z.Z.

Peshmerga_X_Jagdkommando
6. 08. 2022 9:14

Selbst in einer Neutralität gibt es offensichtlich gewisse Allianzen mit freundlich gesinnten Ländern und Organisationen.

So hat Österreich die albanische UCK (mehr oder weniger offiziell) unterstützt.

Es gibt einen sehr empfehlenswerten Film dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Pr8Kp5FB6h4
Er heißt Kosovar Sniper und man sieht dort die Zusammenarbeit zwischen Albanien und Österreich gegen Serbien. Es gibt deutsche Untertitel falls es jemanden interessiert. 🙂

Neutralität hat Grenzen, wenn großes Unrecht geschieht wie jetzt in der Ukraine oder damals im Kosovo. Was mich schockiert ist, dass man in Palästina so offen auf der Seite des Aggressors ist, wohl hat man historisch bedingt Angst ein falsches Wort zu sagen, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Schönes Wochenende. 🙂

Bastelfan
6. 08. 2022 9:01

Lieber herr rabensteiner, sie haben mich eingestimmt auf die samstage. Auf agrodolce weise.
Ich werde sie vermissen, leider kann ich ihnen, und auch herrn walach, nicht mehr antworten auf twitter.
Man hat mich nämlich auf permanenz hinausgeschmissen, weil ich mir die aussage erlaubte: trump is a moron in chief. Und ich dachte immer, die wahrheit dürfe man sagen.
Nun sind wir beide draussen, der donald und ich.
Vielleicht kann mir jemand einen tipp geben, wie ich mich wieder hineinschwindeln kann.
Kommen sie wieder auf zz, eine schöne zeit ihnen, ihrer frau und dem hund.

Lojzek
6. 08. 2022 9:24
Antworte auf  Bastelfan

‘Vielleicht kann mir jemand einen tipp geben, wie ich mich wieder hineinschwindeln kann.’

Pfuh, hurcht si kritisch an …
Musst halt statt ana Stangan Chick, zwa pro Tag vahazn …
PS. vagiss ned den Sicherheitschicktiagl.

Bastelfan
6. 08. 2022 11:25
Antworte auf  Lojzek

nichtraucher, antialkoholiker, u auch keine psychopharmaka oder andere drogen… wies der koarl gern hätte.

Matchless
6. 08. 2022 18:17
Antworte auf  Bastelfan

Die nicht singen, trinken, rauchen
Sind auch sonst kaum zu gebrauchen..

Lojzek
6. 08. 2022 12:30
Antworte auf  Bastelfan

Wenigstens bleibt Da da Verlust des Twitter-Spleens ..

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von Lojzek
Bastelfan
6. 08. 2022 15:29
Antworte auf  Lojzek

wieso spleen, sie sollten einmal hineinlesen
sind sie immer derart frustriert,?

Lojzek
7. 08. 2022 9:27
Antworte auf  Bastelfan

Di lassns ja nimma bei Twitter zuwe, des frustriert mi wohl am wenigsten, manst ned ah …