Rechtsextremer vor Gericht

Häf’n oder Shakespeare lesen

Ein rechtsextremer Student hatte vor Gericht die Wahl: entweder 15 Jahre Gefängnis oder klassische Lektüre lesen.

London, 02. September 2021 | Der 21-jährige Ben John wurde schuldig gesprochen, 70.000 Dokumente mit rassistischen Inhalten, darunter Anleitungen zum Bombenbau, in Besitz gebracht zu haben. Unterlagen, die „nützlich sein könnten, einen Terroranschlag auszuführen“, heißt es da. Der Strafrahmen dafür beträgt bis zu 15 Jahre Gefängnis – oder einfach Lektüre von William Shakespeare lesen, wie der Guardian berichtet.

Neonazi ist dem Gericht bekannt

Das Gericht bewertete Johns Tat als „Akt jugendlicher Torheit“. Den Behörden ist er schon seit 2018 bekannt, als er online gegen Minderheiten gehetzt hatte. Er muss nun alle vier Monate das Gericht über seine Fortschritte bei der Lektüre vorweisen.

Die Polizei von Lincolnshire sagte, John sei Teil des extremen rechten Flügels (XRW) geworden – ein Begriff für Rechtsextreme, die kriminelle Aktivitäten begehen, die durch Rassismus oder extremen Nationalismus motiviert sind. Bereits nach seinem 18. Geburtstag war John als Terrorrisiko identifiziert und an das “Prevent”-Programm verwiesen worden, eine Anti-Terrorismus-Strategie in Großbritannien. John lud jedoch weiterhin “abstoßende” rechte Dokumente herunter, berichtete der lokale Nachrichtensender “Leicester Mercury”. Er schrieb auch einen Brief, in dem er gegen Schwule, Einwanderer und Liberale wütete.

Von Hitler inspirierte Ideologie

Der rechtsextreme Straftäter John sammelte 67.788 Dokumente, die eine Fülle von weißer Vorherrschaft und antisemitischen Material enthielten. „Dieser Inhalt ist für jeden richtig denkenden Menschen abstoßend. Dieses Material bezieht sich weitgehend auf die Nazi-, faschistsiche und von Adolf Hitler inspirierte Ideologie“, sagte Richter Timothy Spencer.

Johns Verteidiger entgegnete, John sei ein junger Mann, der mit Emotionen kämpfe, er sei jedoch „eindeutig ein intelligenter junger Mann und hat jetzt größere Einsicht“.

“Wenn du mich belügst, wirst du leiden”

Nachdem John dem Gericht das Verrspechen gegeben hatte, kein rechtsextremes Material mehr zu recherchieren, fuhr der Richter fort: „Hast du Dickens gelesen? Austen? Beginnen Sie mit ‘Stolz und Vorurteil’. Dickens‘ ‚A Tale of Two Cities‘. Shakespeares ‚Zwölfte Nacht‘. Denken Sie an Hardy. Denken Sie an Trollope. Am 4. Januar erzählst du mir, was du gelesen hast und ich teste dich darauf. Und wenn ich denke, dass du mich belügst, wirst du leiden.“

Neben der Freiheitsstrafe auf Bewährung wurde John eine fünfjährige Anordnung zur Prävention schwerer Kriminalität auferlegt.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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