29 Tonnen Müll aus dem Pazifik gefischt

So will eine Organisation das Meer aufräumen

Kann man das Meer noch retten? Eine Organisation hat sich das zum Ziel gemacht. Ganze 29 Tonnen Plastikmüll wurden mit „The Ocean Cleanup“ aus dem Pazifik gefischt. Und das ist erst der Anfang.

Wien, 23. Oktober 2021 | “Es funktioniert!” In einer mehrwöchigen Testphase hat der Plastikmüll-Fänger der Organisation “The Ocean Cleanup” im Pazifik erste Erfolge erzielt. Bei neun Einsätzen habe das System knapp 29 Tonnen Plastikmüll auf der Meeresoberfläche eingesammelt, teilte die Organisation am Mittwoch im kanadischen Victoria mit. Für den 27-jährigen Initiator und Leiter der Organisation, Boyan Slat, sei dieser erfolgreiche Test der Beweis, dass die Technologie funktioniert.

1,8 Billionen Plastikteile

“Ich denke, dies ist wirklich ein Erfolg für die Menschheit”, erklärte der Niederländer. Ende Juli war das überarbeitete „System 002“ mit dem Spitznamen “Jenny” von Kanadas Westküste zum sogenannten Great Pacific Garbage Patch (dt. Großer Pazifischer Müllteppich) ausgelaufen. In diesem Strömungswirbel im Pazifik sollen sich nach Schätzungen von Wissenschaftlern 1,8 Billionen Plastikteile sammeln.

Der Müllfänger von “The Ocean Cleanup” ist eine 800 Meter lange Netzkonstruktion, die von zwei Schleppern in U-Form langsam durchs Wasser gezogen wird. Der Kunststoffabfall, der sich darin sammelt, wird auf die Schiffe geladen und an Land recycelt.

Fotos: © The Ocean Cleanup

Müllteppich abbauen

Nach Ende der Testphase sollte „System 002“ schon am Donnerstag wieder in See stechen, teilte das Unternehmen mit. Nach den Plänen von “The Ocean Cleanup” soll langfristig eine Flotte von zehn Reinigungssystemen mit einer Länge von je 2.500 Metern im Einsatz sein. Alle fünf Jahre soll damit die Menge von Müll im Great Pacific Garbage Patch um die Hälfte abgebaut werden.

Der erste Müllfänger war im September 2018 von San Francisco aus gestartet. Die Anlage wurde jedoch bei ihrem Testeinsatz beschädigt und konnte den Müll nicht wie geplant festhalten. Bei der Entwicklung des Projekts, das von Unternehmen und Universitäten unterstützt wird, gab es viele Fehlschläge. Zudem gibt es Kritik an der Effektivität und der Nachhaltigkeit des Systems. “Technologien, wie vom Projekt ‘Ocean Cleanup’ vorgeschlagen, werden uns nicht dabei helfen, das Plastikproblem zu lösen”, sagte Agostino Merico vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung Ende August in Bremen. Dennoch: es ist einmal ein Anfang.

20. Oktober 21: CEO und Gründer von Ocean Cleanup Boyan Slat bei einer Ansprache über „System 002″ / Foto: © The Ocean Cleanup

“Nur gemeinsam können wir das Meer retten”

Jedes Jahr gelangen Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane, von denen der Großteil aus Flüssen austritt. Ein Teil dieses Plastiks wandert zu Müllplätzen im Meer und verfängt sich in einem Wirbel zirkulierender Strömungen. „Wenn nichts unternommen wird, wird der Kunststoff zunehmend unsere Ökosysteme, unsere Gesundheit und unsere Wirtschaft beeinträchtigen”.

“The Ocean Cleanup” hat sich zum Ziel gesetzt, 90 Prozent der im Wasser schwimmenden Plastikverschmutzung aus den Weltmeeren zu holen. “Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir an einer Kombination aus dem Schließen der Quelle und der Reinigung dessen arbeiten, was sich bereits im Meer angesammelt hat und nicht mehr von selbst verschwindet”, erklärt Axel Peytavin, Computermodellierer bei ” The Ocean Cleanup”. “Wenn das Problem von allen besser verstanden wird, hilft es den Menschen, die Schwere des Problems vollständig zu erfassen, um zu begreifen, dass wir einzeln und gemeinsam etwas tun müssen, um das Meer entgültig vom Plastik zu befreien”.

(jz)

Titelbild: © The Ocean Cleanup

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