Wien:

Gastro und Friseur nur noch geimpft oder genesen

Bürgermeister Michael Ludwig kündigte am Donnerstag an, dass ab Ende nächster Woche auch in der Gastronomie, bei körpernahen Dienstleistungen und bei Zusammenankünften ab 25 Personen 2G gilt. Auch ein Impfangebot für 5-12-Jährige kommt.

 

Wien, 04. November 2021 | Wien macht in Sachen Corona-Maßnahmen ernst. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kündigte am Donnerstag nach einem Gespräch mit Experten an, dass ab Ende nächster Woche der Zutritt zu Gastronomie, körpernahen Dienstleistungen (wie Friseuren) und Zusammenankünften ab 25 Personen nur noch geimpft oder genesen möglich sein wird.

Ludwig: “Situation ist ernst”

Ludwig sprach nach der Runde mit den Fachleuten von einer “sehr ernsten Situation”. Eine Prognose habe ihn besonders betroffen gemacht, berichtete er – nämlich dass es nicht ausgeschlossen scheint, dass die Bettenbelegung in Österreich demnächst auf einen Allzeit-Höchststand klettern könnte. Die Bundeshauptstadt zieht damit Stufe 4 des fünfteiligen Plans, der abhängig von der Auslastung der Intensivbetten in den österreichischen Krankenhäusern ist, vor. Ludwig wünscht sich die Verschärfungen auch für ganz Österreich, dafür wolle er sich auch beim morgigen Zusammentreffen von Regierung und Landeshauptleuten einsetzen.

Auch der medizinische Leiter des Gesundheitsverbunds, Michael Binder, ortete Handlungsbedarf, auch wenn sich die Zunahme der Fallzahlen in Wien vergleichsweise “verhalten” darstelle, wie er berichtete. Binder machte dafür die in Wien rascher vorgenommenen Verschärfungen in den vergangenen Wochen verantwortlich. Trotzdem liege man derzeit bei der Belegung der Intensivbetten nur rund zehn Fälle unter dem Vorjahr, gab er zu bedenken. “Also durchaus eine bedrohliche Entwicklung.”

Ludwig thematisierte den Ernst der Lage auch auf Twitter:

Auch “2G+” steht im Raum

Details zur neuen 2G-Regelung würden noch ausgearbeitet, hieß es. Hier wolle man auch noch die Ergebnisse des morgigen Gipfels mit dem Bund abwarten. Ludwig skizzierte jedoch bereits mögliche weitere “Eskalationsstufen”. So sei etwa “2G Plus”, also die Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene, möglich, falls die Situation sich weiter derart dramatisch entwickle. Jedenfalls verhindert werden solle aber ein weiterer Lockdown, betonte der Stadtchef.

Impfangebot für 5-12-Jährige

Ludwig will zudem nun auch Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren die Corona-Impfung ermöglichen. Voraussetzung dafür sei natürlich, dass auch die Eltern damit enverstanden sind. Vier Stellen würde es in Wien bereits geben, die Impfungen für Kinder anbieten. Doch es herrsche eine hohe Nachfrage, meinte der Bürgermeister, weshalb man das Angebot weiter ausbauen will. Schon wenige Tage nach Inkrafttreten der heute verkündeten Maßnahmen soll eine Teststraße für Kinder ab sechs Jahren eingerichtet werden.

Ludwig forderte den Bund zudem auf, eine Infokampagne für den dritten Stich zu initiieren. Eine Impflotterie wie im Burgenland – und nun auch in Oberösterreich – werde es in Wien aber nicht geben, bekräftigte Ludwig.

Doskozil lehnt Verschärfungen für Burgenland ab

Apropos Burgenland: Wenige Minuten nach Bürgermeister Michael Ludwig äußerte sich auch Burgenlands Landeschef Hans Peter Doskozil (SPÖ) zur aktuellen Situation. Im östlichsten Bundesland würden sich die Spitalszahlen auf konstant gleichem Niveau bewegen. Am Donnerstag waren drei Betten belegt. Einen De-facto-Lockdown für Ungeimpfte, wie Wien es plant, lehnt er ab: “Ich sehe keine Notwendigkeit, im Burgenland Maßnahmen zu setzen. Wenn die Spitalsbelegungen steigen, dann müssen wir gegensteuern. Aus heutiger Sicht sehe ich das aber nicht”, so Doskozil.

Nepp kritisiert “Freizeit-Lockdown” für Ungeimpfte

Die nun in Wien gültige 2G-Regel würde alle Nicht-Geimpften “komplett aus dem sozialen Leben” ausschließen, hält der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp in einer Aussendung fest. “Wer sich der Impfdiktatur nicht unterwirft, für den heißt es nun ‚du darfst nicht herein‘. Dieses Vorgehen von Bürgermeister Ludwig ist ein weiterer Spaltpilz in unserer Gesellschaft und aufs schärfste abzulehnen.”

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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