Notstandssituation:

Salzburger Landeskliniken melden völlige Überlastung

Mit einer “Überlastungsanzeige” wandte sich die Geschäftsführung der Salzburger Landeskliniken an die Politik. Die Behandlung von Patienten sei nach geltenden medizinischen Grundsätzen nicht mehr garantiert.

Salzburg, 16. November 2021 | Die Geschäftsführung der Salzburger Landeskliniken (SALK) hat sich nun mit einem dramatischen Hilferuf an das Land Salzburg als Spitalserhalter gewandt: Die Spitäler seien an den Grenzen ihrer Kapazitäten angelangt.

Wie die “Salzburger Nachrichten” am Dienstag berichten, könne in den Kliniken die Behandlung weiterer Patienten nach geltenden medizinischen Standards und Sorgfaltsmaßstäben bald nicht mehr garantiert werden. Es drohe eine Notstandssituation einzutreten, in der intensivmedizinische Triagierung, also die Kategorisierung der Dringlichkeit bei Notfall- und Akutpatienten, vorgenommen werden muss. Das habe es in der Geschichte der Gesundheitsversorgung in Salzburg bisher in dieser Dimension noch nicht gegeben, wie “SN” berichtet.

Paul Sungler, Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken. / Foto: APA

Kein ausreichendes Personal

Aufgrund der derzeitigen Lage sei zu befürchten, dass die gesetzliche Verpflichtung, “Patienten nur nach den Grundsätzen und anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft ärztlich zu behandeln, trotz aller gesetzten Maßnahmen nicht mehr durchgängig und vollinhaltlich erfüllt werden kann”, schreibt SALK-Geschäftsführer Paul Sungler in der der Zeitung vorliegenden “Überlastungsanzeige”.

In der bereits erreichten Eskalationsstufe 12 würden derzeit 272 Betten im Non-Covid-Bereich fehlen, ab der nächsten Stufe “steht bisher kein ausreichendes ärztliches Personal zur Verfügung”. Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen rechnete zuletzt auch das Land Salzburg mit einem weiteren Anstieg der Covid-Patienten. “Wir appellieren daher dringend an die politischen Verantwortlichen, die erforderlichen Maßnahmen zur deutlichen Reduktion des Infektionsgeschehens zu setzen”, so Sungler.

“Menschenunwürdiger Streit, wer zuerst operiert wird”

Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) bestätigte am Montagabend den “SN”, dass er und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) die Überlastungsanzeige bekommen haben. Sie sei formaljuristisch wichtig und richtig, weil es dabei auch um elementare Haftungsfragen der Ärzte und der Krankenanstalten gehe, wenn keine Patienten mehr aufgenommen oder entsprechend den medizinischen Erfordernissen behandelt werden können.

Als Sofortmaßnahmen sollen nun etwa Reha-Einrichtungen geschlossen werden und vor allem mit Patienten aus Nicht-Covid-Bereichen belegt werden, die nicht mehr im Krankenhaus versorgt werden müssten, für die aber zum Beispiel Pflegebetten fehlten. Auch mit den Privatspitälern werde verhandelt, um Operationen zu übernehmen. Entlastung soll auch eine sogenannte Covid-Transferstation für Corona-Patienten bringen, die noch positiv seien, aber nicht mehr so umfassend gepflegt werden müssten.

Wie dramatisch die Lage ist, schilderte den “SN” auch ein Spitalsarzt. “Es herrscht jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit, wessen Patient zuerst operiert werden könne. Der mit dem Tumor oder der mit dem kaputten Herz.”

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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