Handschellen für kritische Reporter in Katar

Kein Blick hinter die Kulissen

In Katar wurden gestern zwei norwegische Journalisten festgenommen, weil sie die Zustände von Arbeitsmigranten ein Jahr vor der Fußball-WM ans Licht bringen wollten.

 

Doha, 24. November 2021 | Zwei Journalisten des norwegischen Staatsfernsehens NRK sind in Katar von Sicherheitskräften über 30 Stunden lang festgehalten worden. Zudem wurde Filmmaterial gelöscht, das sie in einem Arbeitsmigrantenlager aufgenommen hatten, wie die norwegischen Behörden am Mittwoch mitteilten. Berichten zufolge wurden die beiden Reporter festgenommen, nachdem sie während einer Live-Reportage über die Lage von Gastarbeitern vor der Fußball-WM 2022 berichtet hatten.

Imagepolitur Fußball-WM

Für Katar geht es um sehr viel. Die Fußballweltmeisterschaft, die nächstes Jahr dort ausgetragen wird, soll das schmuddelige Image des Emirats international aufpolieren. Weil das Scheich-Paradies aber nicht über die nötige Infrastruktur verfügt, werden aus dem Nichts Prestige-Stadien im Wüstensand hochgezogen. Seit Jahren schwitzen unterbezahlte Arbeitskräfte aus dem Ausland in der katarischen Sandhölle.

Katars Regierung teilte mit, die beiden norwegischen Journalisten seien am Montagmorgen in Gewahrsam genommen worden, weil sie ein privates Grundstück unerlaubt betreten und dort gefilmt hätten. Die Festnahme sei nach einer Beschwerde des Grundstücksbesitzers erfolgt. Die beiden seien nach Abschluss der juristischen Maßnahmen ohne Anklage wieder freigelassen worden. Sie hätten das Gesetz „wissentlich und absichtlich“ verletzt.

Am Mittwochmorgen landeten die Reporter wieder in Norwegen. „Es ist sehr gut, wieder zu Hause zu sein”, sagte einer von ihnen. „Die Tage waren herausfordernd, aber wir wussten, dass sich viele für uns einsetzen.”

Verstöße haben System

Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre erklärte, die Verhaftung der beiden sei „inakzeptabel. Eine freie Presse ist entscheidend für eine funktionierende Demokratie”, schrieb Støre auf Twitter und vergaß dabei offenbar, dass Katar keine Demokratie, sondern eine absolute Monarchie ist. Sowohl die norwegische Journalistengewerkschaft als auch der norwegische Fußballverband kritisierten die Verhaftung der Journalisten.

Amnesty International hatte in einem in der Vorwoche veröffentlichten Bericht erneut weit verbreitete Verstöße gegen die Rechte von Arbeitsmigranten ein Jahr vor Beginn der Fußball-WM kritisiert. Katar setze Reformen nicht rigoros um, überwache ihre Umsetzung nicht und ziehe Verantwortliche für Verstöße nicht zur Rechenschaft. So seien Arbeitsmigranten weiterhin skrupellosen Arbeitgebern ausgeliefert. Im vergangenen Jahrzehnt waren Tausende von ihnen auf den Baustellen Katars ausgebeutet worden und gestorben.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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