Mittwoch, Juni 19, 2024

Urteil: Johnny Depp gewinnt gegen Amber Heard in würdelosem Schauspiel

Urteil:

Die ganze Welt sah zu, wie im Verleumdungsprozess zwischen den beiden Schauspielern Johnny Depp und Amber Heard brutale, intime und schreckliche Beziehungsdetails seziert wurden. Jetzt ist das Urteil gefallen. Für Opfer häuslicher Gewalt könnte die Wirkung verheerend sein.

Fairfax (Virginia), 2. Juni 2022 | Im Verleumdungsprozess zwischen Hollywood-Star Johnny Depp und dessen Ex-Frau Amber Heard haben die Geschworenen beide Seiten wegen Verleumdung schuldig gesprochen. Heard müsse ihrem Ex-Mann 15 Millionen Dollar (14 Millionen Euro) Schadenersatz zahlen, während Depp seiner früheren Frau zwei Millionen Dollar zahlen müsse, entschieden die Geschworenen in ihrer am Mittwochabend im Prozess in Fairfax im US-Staat Virginia verkündeten Entscheidung.

Heard hatte ihrem Ex-Mann in einem Zeitungsartikel häusliche Gewalt vorgeworfen, Depp wiederum beschuldigte sie, immer wieder gewalttätig geworden zu sein. Heard verfolgte die Urteilsverkündung ganz in Schwarz gekleidet vor Gericht, sie war in Begleitung ihrer Schwester gekommen, Depp zeigte sich nicht. Vor dem Gericht hatten sich zahlreiche Schaulustige und Fans vor allem von Depp versammelt, die nach dem Urteil in Jubel ausbrachen und “Johnny, Johnny” riefen.

Jury-Fauxpas

Die Verkündung des Urteils hatte sich verzögert, weil die Jury den von ihr als angemessen betrachteten Schadenersatz nicht auf dem entsprechenden Formular eingetragen hatte. “Diese Jury hat mir mein Leben zurückgegeben”, teilte Depp anschließend mit – und bedankte sich bei der Jury und auch bei seinem Anwaltsteam und seinen Unterstützern. “Das Ziel, diesen Prozess voranzubringen, war von Anfang an, die Wahrheit ans Licht zu bringen – egal, wie es ausgehen würde. Die Wahrheit zu sagen war etwas, was ich meinen Kindern und all denjenigen, die mich immer unterstützt haben, geschuldet habe. Jetzt wo ich das geschafft habe, fühle ich einen inneren Frieden in mir.”

Heard: “Rückschritt”

Heard zeigte sich hingegen zutiefst enttäuscht.  Sie hörte mit gesenktem Blick zu, als das Urteil verlesen wurde. “Die Enttäuschung, die ich heute fühle, kann man nicht in Worte fassen”, schrieb die Schauspielerin via Kurznachrichtendienst Twitter. Dass die Jury ihr trotz eines “Bergs an Beweisen” größtenteils nicht geglaubt habe, breche ihr Herz. Zudem sehe sie das Urteil als einen “Rückschritt” für andere Frauen in ähnlicher Situation. “Ich bin traurig, dass ich den Prozess verloren habe. Aber ich bin noch trauriger, dass ich anscheinend ein Recht verloren habe, von dem ich davon ausgegangen war, dass ich es als Amerikanerin habe – frei und offen zu sprechen.”

https://twitter.com/realamberheard/status/1532083776741842945?s=20&t=mso0rkXmXle_vHtj7WObgQ

Depp (58) und Heard (36) hatten sich in dem Verleumdungsprozess sechs Wochen lang gegenseitig mit schweren Vorwürfen überzogen – über Kameras wurde dieses Schauspiel per Livestream in alle Welt verbreitet. In ihren Abschlussplädoyers am vergangenen Freitag hatten die Anwälte beider Seiten dann noch einmal heftige Anschuldigungen von sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt, Lügen und Drogenexzessen vorgebracht.

Der “Fluch der Karibik”-Star hatte Heard in seiner Zivilklage beschuldigt, in einem 2018 von der “Washington Post” veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies hätte seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung hatte er 50 Millionen Dollar (gut 46 Millionen Euro) Schadenersatz gefordert. Heard pochte in ihrer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar. Sie machte geltend, dass Depps Ex-Anwalt Adam Waldman mit einer Schmutzkampagne ihrem Ansehen geschadet habe.

Die wahre Problematik

2016 hatte Heard nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht. Sie warf dem Hollywood-Star häusliche Gewalt vor. Und diese Thematik dürfte auch als große Verliererin des Prozesses gelten. Die Diskussion darüber verhallte zusehends im Hintergrund, während sich die Protagonisten mit den Abgründen ihrer toxischen Beziehung bewarfen. So standen Fotos mit Fäkalien im Bett, höchst private Tonaufnahmen und skurrile Zeugeneinvernahmen im Zentrum, während die Problematik um häusliche Gewalt unterging.

Häusliche Gewalt nahm während Corona weiter zu

Dabei hat das Phänomen gerade während der Corona-Pandemie wieder stark zugenommen. Vergangenes Jahr wurden in Österreich 31 Frauen getötet, die Täter stammten zum überwiegenden Teil aus dem Familienkreis. Auch heuer wurden bereits 12 Femizide sowie 17 Mordversuche an Frauen verzeichnet. Etwa jede vierte Frau ist zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens häuslicher Gewalt ausgesetzt. Experten warnen schon seit Beginn des Promi-Prozesses in Virginia vor möglichen einschüchternden Auswirkungen für Opfer durch die Art der Berichterstattung über die Causa. Allerdings: Auch die andere Seite, Partnergewalt gegen Männer, wurde am Ende öffentlich viel zu wenig diskutiert.

“Frauenschläger”

Vor rund zwei Jahren hatte Depp in London mit einer Klage gegen die Boulevardzeitung “Sun” eine Niederlage einstecken müssen. Es ging um einen Artikel, in dem behauptet wurde, Depp habe als Frauenschläger (“wife beater”) Heard körperlich misshandelt. Nach einem Prozess mit heftigen Vorwürfen wies der High Court die Klage am Ende ab.

(apa/am)

Titelbild: APA Picturedesk

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