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Staat hilft bei Energiekosten-Schulden

„Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen!“, so Sozialminister Rauch. Alle, die ihre Energiekosten alleine nicht mehr stemmen können, werden künftig staatlich unterstützt.

Wien, 16. Jänner 2023 | Der Wohnschirm des Sozialministeriums hilft nun auch jenen, die die Energiekosten nicht mehr alleine stemmen können. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montagmorgen haben Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) und Vertreter der in die Entwicklung involvierten NGOs Volkshilfe, Diakonie, Caritas Österreich und Rotes Kreuz das neue Instrument vorgestellt. Der Wohnschirm ergänze die bisherigen Maßnahmen der Regierung perfekt, meinte Rauch: „Er ist zielgerichtet, punktgenau und treffsicher.“

500.000 Menschen in Österreich hätten aktuell Schwierigkeiten, die Wohnung angemessen warm zu halten, so Rauch. Die Dunkelziffer dürfte allerdings viel höher sein, weil das Thema Armut sehr schambehaftet ist, wie die Anwesenden feststellten. Dass jemand wegen Zahlungsschwierigkeiten aus der Wohnung fliege oder Strom oder Heizung abgedreht bekäme, könne in einem Staat wie Österreich nicht sein. Der Sozialminister appellierte an die Menschen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen: „Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen!“

NGOs loben Niedrigschwelligkeit …

Die NGO-Vertreter zeigten sich gegenüber Rauch zufrieden über die Zusammenarbeit und betonten den niederschwelligen Zugang zum Hilfsangebot. Das Ziel sei, eine „solidarische Gesellschaft, die die Schwächsten nicht vergisst, in guten Zeiten wie auch in Krisenzeiten“, sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.

Die Einmalzahlungen der Regierung hätten „temporär gut geholfen“, so Opriesnig. Aus Sicht der NGOs braucht es aber weitere Maßnahmen. Erich Fenninger dankte Rauch für dessen Arbeit und lobte, dieser setze sich in der Regierung für zielgerichtete Maßnahmen ein.

… fordern aber weitere Maßnahmen

Die Inflation ist so hoch wie seit 1974 nicht mehr. Die steigenden Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten hätten dazu geführt, dass auch Menschen im unteren Einkommensdrittel von Armut bedroht seien, berichteten die NGO-Vertreter. In den vergangenen Monaten seien die Hilfsanfragen gestiegen und die Schlangen vor den Lebensmittelausgaben länger geworden. Opriesnig appellierte an alle Energieunternehmen, Ombudsstellen einzurichten, sofern sie das noch nicht gemacht hätten. Damit hätte es bisher gute Erfahrungen gegeben.

Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser forderte, die derzeitigen Maßnahmen in Richtung einer Energiegrundversorgung weiterzuentwickeln. Man dürfe nicht den Denkfehler machen, nur Lücken zu füllen und nicht auch die generelle Armutsprävention mitzudenken, so Moser. Sie forderte auch eine Reform der Sozialhilfe, etwa dahingehend, dass die Wohnbeihilfe nicht mehr auf diese angerechnet wird.

Sozialminister Rauch gestand ein, dass man bei den Regierungsverhandlungen zur Anpassung von Sozialleistungen ein paar wichtige Punkte noch nicht ausverhandelt worden seien. Das sei zugegebenermaßen ein Handicap, so Rauch.

Großer Alleinerzieherinnen-Anteil

Der Wohnschirm war im März 2022 eingerichtet worden, um Menschen zu unterstützen, die ihre Mietschulden nicht bewältigen können. Laut Sozialminister Rauch sind damit 5.200 Menschen abgefangen worden. Ursprüngliche waren für den Wohnschirm 24 Millionen Euro eingeplant, letztlich der Betrag auf 34 Millionen aufgestockt worden.

Eine Einschätzung, wie viele Menschen Hilfe mit den Energiekosten in Anspruch nehmen wird, wollte Rauch nicht geben: „Es ist spekulativ, jetzt Einschätzungen abzugeben.“ Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger berichtete, dass besonders Alleinerzieherinnen einen großen Anteil der Hilfesuchenden ausmachen.

Schulden bis 2021 berücksichtigt

Die Unterstützung bei den Energiekosten kann nur für Hauptwohnsitze beantragt werden und nur, wenn man nachweislich ein geringes Einkommen hat. Sie wird, wie auch schon der Energiebonus, unabhängig von der Staatsbürgerschaft ausbezahlt. Rückstände können bis zum 1. Juli 2021 berücksichtigt werden, auch Schulden, die man zur Bewältigung angehäuft hat, etwa Kredite. Aber nicht bei Energiekostenrückständen, auch Vorauszahlungen kann um Hilfe gebeten werden. Es werden allerdings alle bereits bezogenen Hilfsleistungen gegengerechnet.

Zahlung direkt an Energieversorger

Die Zahlung ergeht dann direkt an den Energieversorger und nur, wenn das nicht möglich ist, an die Person, die sie beantragt hat. Es können übrigens auch Kosten für Pellets oder Holz eingereicht werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie selbst verwendet worden sind. Auf der Wohnschirm-Website werden einige grundlegende Fragen bereits beantwortet. Über ein Suchfeld findet man die nächste zuständige Beratungsstelle und kann dort einen kostenlosen Beratungstermin vereinbaren.

(pma)

Titelbild: ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com

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Pia Miller-Aichholz
Pia Miller-Aichholz
Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich
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14 Kommentare

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nikita
17. 01. 2023 1:12

Ui toll, wiedereinmal ordentlich selbstberäuchert und die Bevölkerung gedemütigt und zu Bittsteller und Bettler gemacht. Wo ist jetzt das Steuergeld, daß diese Bagage beim Fenster hinausgeschmissen und den Konzernen in den Allerwertesten gestopft haben. Leute müssen nachweisen, daß sie Pellets und Holz auch selbst verheizt haben. Ein Teil meiner Medikamente die ich immer benötige sind nicht lieferbar Herr Gesundheitsminister von allen anderen Missständen in ihrem Ressort ganz zu schweigen.

16. 01. 2023 19:25

Rauch hat sich am 21.09.2022 im Standard echauffiert, dass “wir auf hohem Niveau jammern” und Antiteuerungsmassnahmen nicht notwendig seien. Jetzt werden plötzlich wieder ein paar Hunderter in die Höhe geworfen, ja, macht der Regierung Spass zuzusehen, wie die Bittsteller wieder die Hände nach ein paar Brosamen ausstrecken müssen.

criticalmind
17. 01. 2023 10:08
Antworte auf 

Das tun wir beim Klimaschutz auch – nur da sagt er es nicht, weil sonst hätten´s nichts um Druck auszuüben.
Der Welt würde es global mehr bringen, die Produktionsstätten bei und wieder anzusiedeln.
Mit Filteranlagen, die es in Asien nicht gibt.. Und der Transport mit den Tanker-Dreckschleudern iele auch weg.. Was man da an CO2 einsparen könnte.. Kein Wort von den Grün*innen.

Friede
16. 01. 2023 16:12

Unfassbar, es fällt nicht nur den Regierenden extrem schwer, sich bereit zu erklären, das Problem in seinem vollen Umfang wahrzunehmen, auch Leuten hier im Forum geht es scheinbar so.

Macht es wichtiger denn je, dass wir ungeschminkt artikulieren, was Sache ist….

*Die Unterstützungen sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Alle. Auch die Neuen. Sowohl NGOs, wie auch Regierung wissen das.
*Es wird mit Zahlen gelogen, dass sich die Balken biegen. Weder Armutsgrenze, noch Inflationsrate entsprechen der Realität.
*Man gibt ein paar Millionen für die tatsächlich verarmende Bevölkerung aus, wobei ca. 2/3 betroffen sind, und der Rest von massivem Wohlstandsverlust betroffen ist (ausgenommen, das eine Prozent, das immer gestopfter wird) . Und den Unternehmen schiebt man 9 Milliarden in den Hintern, im Vorbeigehen und ohne mit der Wimper zu zucken.
*Die Idee, Menschen zuzumuten in eine Zahlungsunfähigkeit zu geraten, um eine dringend notwendige Unterstützung zu erhalten……. Ohne Worte!

Zuletzt bearbeitet 20 Tage zuvor von Friede
baer
16. 01. 2023 15:36

Rauch bemüht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Die Anpassung der Sozialleistungen an die Inflation war gut. Ebenso wie dieser “Wohnschirm” der schnell, unbürokratisch und treffsicher ist. Was ich bei Rauch gut finde ist, dass er mit den NGOs zusammenarbeitet. Während die ÖVP sich redlich bemüht diese für ihre Propaganda entweder zu missbrauchen oder zu bashen. Je nach dem was gerade nützlich ist. Rauch macht sich immer besser als Sozialminister, auch in Sachen Corona, unaufgeregt und mutig. Ich denke ohne die ÖVP im Genick würde der viel weiterbringen.

criticalmind
17. 01. 2023 10:10
Antworte auf  baer

Entschuldigt hat er sich immer noch nicht – So kann es auch kein Verzeihen geben.
Corona muss aufgearbeitet werden.

Sig
16. 01. 2023 15:14

Das ist pure Frotzelei.

Friede
16. 01. 2023 13:51

https://kurier.at/politik/inland/wohnschirm-uebernimmt-kuenftig-auch-energiekosten/402293300
Da steht ein bisschen mehr zum Thema.

Maximal 600 Euro für eine Person. Ca. 1000 Euro für 2 Personen, ect.

Etwas anderes war auch nicht zu erwarten.

Leute, die Strompreis haben sich versechsfacht. Die Kosten für Gas, Fernwärme und Mieten sind explodiert, und die Bundesregierung tut so als würd das nur einige Leute, aus den unteren Einkommensklasse “treffen”!

Von der Inflation ganz zu schweigen, die schätzungsweise bei 80% und nicht bei den kolportierten 10% liegt.

Schaut mal, was die AK im Preismonitor für günstige Lebensmittel online gestellt hat. Nirgends sind da 10% abgebildet. Es ist immer mehr, und zwar um ein Vielfaches!

Dass sich die NGOs nicht genieren! Stellen sich da hin und schauen ernst drein und nicken so etwas ab!!!

Lojzek
16. 01. 2023 13:31

„Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen!“

Gut möglich …
Aber es gfallt den Verantwortlichen dennoch wenn sie sich einmal mehr ggü. Bittstellern herablassend aufpudeln dürfen.

Friede
16. 01. 2023 13:37
Antworte auf  Lojzek

Den Eindruck hab ich auch. Und dann dürfens abwägen: “Bist du auch auch wirklich eines von den armen 500 000 Würstel aus der UNTEREN Einkommensklasse, oder geht’s dir eh zu gut?”

Leute, lasst euch nicht verarschen! Die nehmen einfach abstruse Zahlen her und rühmen sich zu helfen, während sie noch nicht einmal ansatzweise damit begonnen haben das Problem erst einmal zu sehen!

Zuletzt bearbeitet 21 Tage zuvor von Friede
Lojzek
16. 01. 2023 13:45
Antworte auf  Friede

Gut das Problem ist sonnenklar, es wird einem geholfen Schulden zu begleichen, aber die Energiepreise bleiben hoch.
Damit ist die Verschuldung in den folgenden Rechnungsperioden vorprogrammiert – nur ob einem dann bei den nächsten Jahresabrechnungen geholfen wird, ist anzuzweifeln, da enden wollend.

Zuletzt bearbeitet 21 Tage zuvor von Lojzek
Friede
16. 01. 2023 14:06
Antworte auf  Lojzek

Ja, dass man überhaupt auf die Idee kommt Menschen erst zu helfen, wenn sie in der Schuldenfalle sitzen….Sie fast dazu nötigt in eine Zahlungsunfähigkeit zu geraten…. Also das grenzt an Perversion.

Nein grenzt nicht dran, das ist pervers. Besonders, wenn mir dann wieder die 9 Milliarden Euro Unterstützung für die Wirtschaft einfallen, die allesamt nichts zur Preisstabilisierung beitragen.

Lojzek
16. 01. 2023 14:08
Antworte auf  Friede

Die Rezeptur ist bekannt, die Stalltür wird zugmacht nachdem der Gaul ausgebüchst ist.

Friede
16. 01. 2023 13:27

Geht’s noch ein bisschen unklarer?
Was soll der vage PR-Pressetext?

Wer kriegt was zu welchen Bedingungen und wann…. Und vor allem, wo kann man ansuchen?

Zu den vorsätzlich falsch angegebenen Zahlen sag ich lieber nichts….frei nach Rauch “das wär zu spekulativ”…. Ja, das wär zu spekulativ die Augen nicht vor der Armut zu verschließen und sich nicht fest einzureden, dass 500 000 Leut im Land betroffen sind!

Zur Erinnerung: Die Unternehmen im Land bekamen kürzlich 9 Milliarden Euro Unterstützung!

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