Die Freiheitlichen kommen einfach nicht zur Ruhe. Nachdem der „Bruderkrieg“ mit HC Strache immer mehr eskaliert, poppt schon der nächste Skandal auf. Und wieder geht es um ein Nazi-Liederbuch: Eine schlagende Verbindung, ausgerechnet aus dem blauen Trauma-Ort Knittelfeld, schlägt hohe Wellen. Enthalten sind dort neonazistische, antisemitische und österreichfeindliche Texte! Nur wenige Wochen vor der Steiermark-Wahl droht Hofer, Kickl & Co. der Laden einmal mehr, um die Ohren zu fliegen.

Knittelfeld/Wien, 31. Oktober 2019 / Die Liederbuch-Affäre um den gefallenen FPÖ-Jungspund aus Niederösterreich, Udo Landbauer, ist gerade mal ein gutes Jahr her. Im Vorfeld der NÖ-Landtagswahlen wurde ein Liederbuch der Burschenschaft von Landbauer, „Germania zu Wiener Neustadt“, publik. Aufgrund der widerlichen Texte musste Landbauer als Spitzenkandidat zurücktreten. Nun trifft die FPÖ der nächste Liederbuch-Skandal!

400 Seiten Schande aus Knittelfeld

Aus dem blauen Trauma-Ort Knittelfeld, auf dem damals der denkwürdige Parteitag der freiheitlichen Spaltung abgehalten wurde, tritt jetzt neues Liederbuch in Erscheinung. Verantwortlich: die schlagende Schülerverbindung „Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“. Zum 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2005 bekam die Verbindung dieses Buch von der Grazer Burschenschaft „Cheruskia“ als Geschenk überreicht. 400 Seiten Nazi-Schande!

Pikant: Mitglied der Skandal-Verbindung ist der steirische FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger! Dieser erlangte zweifelhaften Ruhm durch seinen „Beidl“-Zwischenruf im Nationalrat. Außerdem fiel er, nur acht Tage nach seiner Angelobung in 2006, mit einer dreisten Verharmlosung der Nazizeit auf: Auf die Frage, „ob es denn auch gute Seiten am Nationalsozialismus“ gegeben habe, meinte er: „Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben, nur die hören wir heute alle nicht mehr.“

FPÖ Steiermark unter Druck

Der steirische Blauen-Chef Mario Kunasek tut den Skandal gewohnt lapidar ab. Man lehne die veröffentlichten Inhalte kategorisch ab, so Kunasek. Mehr war vom ehemaligen Verteidigungsminister nicht zu hören. Kein Wunder: Kunasek selbst fiel immer wieder durch seine eigenen Verbindungen in Burschenschafterkreise auf. ZackZack.at berichtete über ein bizarres Ferienlager für Schulkinder, bei dem das Maskottchen „Kunibär“ ins Haus einer deutschnationalen Burschenschaft lockte.

Auch vonseiten des Parteichefs Norbert Hofer war wenig zu hören. Über einen Sprecher ließ er verlautbaren: „Die FPÖ distanziert sich von solchen Texten und lehnt entsprechende Inhalte ab. Außerdem hat die Partei damit nichts zu tun.“

Rufe nach Kunasek-Rücktritt – eskaliert Wahlkampf?

Sofort wurden Rufe nach dem Rücktritt Kunaseks vonseiten der politischen Gegner laut. Mit seinem unglücklichen Umgang in der neuen Liederbuch-Causa hat er seiner Partei wohl einen Bärendienst erwiesen. Und das mitten im Wahlkampf. Aus der SJ kamen die deutlichsten Forderungen: „In der Steiermark gibt es keinen Platz für Nazi-Verherrlicher und all jene, die sie decken“, sagte SJ-Vorsitzende Maja Höggerl.

ÖVP-Landeshauptmann Schützenhöfer verlangte „unmissverständliche Handlungen, bevor die Steiermark in ein schlechtes Licht gerückt wird“. Die Affäre schade dem ganzen Land. Der steirische SPÖ-Klubchef Hannes Schwarz will, dass Kunasek Zanger aus der Partei per sofort ausschließt. Einmal mehr wächst der Druck auf die FPÖ, weil sie eine Affäre aussitzen will. Der Wahlkampf in der Steiermark könnte nun eine neue Stufe der Schande erreichen.

 

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

Aktuell