Spesenaffäre expolodiert

FPÖ soll Gucci-Einkauf bezahlt haben

Um Heinz-Christian Strache wird es nicht still. Neue Details aus dem Ermittlungsakt lassen aufhorchen: Strache und sein privates Umfeld sollen nicht nur private Käufe, sondern auch Nachhilfestunden für Straches Kinder und Whirlpool-Wartungsarbeiten als Spesen verrechnet haben.

Wien, 28. November 2019 / Während die Entscheidung über einen Parteiausschluss von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache noch auf sich warten lässt, kommen neue Details zur Spesen-Affäre hoch.

Die Vorwürfe: eine Whirlpool-Reparatur sowie das Schulgeld für eines seiner Kinder sollen als Spesen eingereicht worden sein. Das geht zumindestens aus Einvernahmeprotokollen hervor. Einvernommen wurden insbesondere Straches ehemaliger Leibwächter und die frühere Assistentin des Ex-FPÖ-Chefs.

Verdacht der Untreue

Der frühere Bodyguard soll Ersatzbelege für Einkäufe Straches organisiert haben, die von der Partei nicht als Spesen akzeptiert worden wären, so der Verdacht der Ermittler. „Österreich“ berichtete zudem von angeblich seitenweise kopierten Strafzetteln für Falschparken und einem mutmaßlich verrechneten 500-Euro-Einkauf in einem Gucci-Geschäft. Das würde den Tatbestand der Untreue erfüllen. Durch die Verrechnung von Spesen, die eigentlich Privatausgaben waren, soll der FPÖ ein Schaden von zehntausenden Euro entstanden sein. Problematisch ist auch die mutmaßliche Überschreitung der Spesenobergrenze von 10.000 Euro, die das Parteipräsidium Strache zugestanden haben soll.

Hunderte Rechnungen beschlagnahmt

Aufgeflogen sein soll die Affäre durch Telefonabhörmaßnahmen im Rahmen der „Ibiza“- und Causa-Casinos-Ermittlungen. Ein Staatsanwalt oder Ermittler soll sich laut „Ö1“ dabei an eine vier Jahre zurückliegende Anzeige gegen Strache erinnert haben. Anklage sei damals nicht erhoben worden, weil die Vorwürfe nicht konkretisiert werden konnten. Jetzt werde – auch nach einer neuen anonymen Anzeige – intensiv ermittelt. Im Ausland sollen hunderte Rechnungen beschlagnahmt worden sein, die von Straches ehemaligem Leibwächter aufbewahrt worden seien. Die Ermittler wollen sie nun auswerten.

Strache streitet ab

Mittlerweile hat sich auch Heinz-Christian Strache über sein privates Facebook-Profil zu Wort gemeldet. Dort dementiert er die Vorwürfe:

„Fest steht aber schon jetzt, dass die medial kolportierten Kosten für Pool, Schulgeld, Nachhilfestunden und sonstige Privatausgaben nachweislich von mir bezahlt wurden. Auch das wird das Ermittlungsverfahren bestätigen,“ so Strache.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

(fr/APA)

Titelbild: APA Picturedesk

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