Skandalkalender – Türchen 1

Erwin Pröll Privatstiftung

Nicht nur die ÖVP kann Adventkalender. ZackZack bringt den ersten Skandalkalender. Bis zum Heiligen Abend werden wir jeden Tag einen österreichischen Polit-Skandal beleuchten. Hinter Türchen Nummer Eins stehen ein ehemaliger Landesfürst, sein 60. Geburtstag und ein denkwürdiges ZIB 2 Interview.

Wien, 1. Dezember 2019/ Sie werden es vielleicht schon erraten haben, hinter Türchen Nummer Eins lauert Erwin Pröll mit seiner geheimen Privatstiftung. Im Jahr 2017 wurde bekannt, dass die Stiftung 1,35 Millionen Euro an Steuergeld als Subventionen zugesprochen bekommen haben soll. 300.000 Euro wurden damals tatsächlich ausbezahlt. Die Förderungen wurden von der damaligen Landesregierung beschlossen – ohne Wissen der Opposition oder des Landesrechnungshofes. Anfragen darüber, wer diese Subventionen erhalten habe, blieben aus „Datenschutzgründen“ unbeantwortet.

Pröll geht zum Chef

Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 2008 nachdem Pröll zu seinem 60. Geburtstag laut eigener Aussage 150.000 Euro an anonymen Spenden „zugeordnet“ bekommen hatte. In starke Erklärungsnot kam Ex-Landeshauptmann Pröll, als er zu Gast in der ZIB 2 bei Armin Wolf war. Pröll zeigte sich so erbost über das Interview, dass er Wolf drohte, Meldung beim Generaldirektor des ORF zu erstatten: „Na, na, na. Das kommt ohnehin noch zum Chef.“ Bereits im Vorfeld schlug Prölls Landesgeschäftsführer mit harten Worten um sich. Die Berichterstattung gegen die Stiftung sei „Fake News“, eine „Sudelkampagne“ und „Rufmord“. Die angesprochenen Medien klagten daraufhin. Die Berichte sollten sich als wahr herausstellen.

Stiftung aufgelöst

Im Mai des Jahres wurde der Druck auf Pröll zu groß. Er ließ die Stiftung auflösen und zahlte die 300.000 Euro zurück. Der offizielle Grund: Sie sei „mittelfristig nicht realisierbar“.

(bf)

Titelbild: Pavol Frešo – wikicommons / ZackZack-Grafik OW

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