Seuchenschiff:

Schon 174 Infizierte

Das neuartige Coronavirus hält die Welt in Atem. Am Seuchenschiff von Yokohama wurden an nur einem Tag 39 neue Erkrankungen diagnostiziert. Bald werden 200 Passagiere erkrankt sein. Die WHO ist mittlerweile in China vor Ort, die Wiener Spitäler setzten eine neue „Vorsichtsmaßnahme“.

Yokohama/Wien/Peking, 12. Februar 2020 / Das Quarantäne-Schiff „Diamond Princess“ meldet täglich neue Erkrankte. Mittlerweile sind 174 Personen an Bord infiziert, 4 Personen zeigen schwere Symptome. Seit 4. Februar steht das Schiff mit insgesamt 3.600 Passagieren inklusive Besatzung unter Quarantäne.

39 Neuerkrankungen an einem Tag

Sie werden noch mindestens bis zum 19. Februar isoliert bleiben. Es begann langsam: Als das Schiff in Yokohama ankam, war eine Person mit dem Virus infiziert. Seither werden es täglich mehr, allein am Mittwoch wurde bei 39 weiteren Personen die neuartige Lungenkrankheit diagnostiziert. 53 Tests wurden durchgeführt, ließ der japanische Premierminister wissen.

„Du sitzt am Balkon und du hörst die Leute die ganze Zeit husten“, ließ die britische Passagierin Sally Abel via Facebook ausrichten. Doch es scheint aushaltbar zu sein. „Es ist nicht wie ein Urlaub, aber es ist völlig entspannt“, erzählt die Britin.

WHO endlich in China

Die WHO kümmert sich derweil auch um weniger wichtige Dinge: der Virus und die Krankheit bekamen einen neuen Namen. Die Lungenkrankheit heißt jetzt „COVID-19“ (COrono Virus Desease), der Virus „Sars-CoV-2“. Aber seit Montag sind auch WHO-Experten Vorort. Ob in diesem Team auch Amerikaner sind, war bis zuletzt auch politisch umkämpft.

Das WHO-Team werde „den Grundstein für ein größeres, internationales Team legen, das so schnell wie möglich folgen wird“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Für die WHO ist das eine Hilfe, der zunehmende Kritik etwas entgegenzusetzen. Zuletzt wurde die Kritik immer lauter. Ghebreyesus lobte China, obwohl das Land den Ausbruch verschlief und Regimekritiker festnimmt.

So ist auch der Menschenrechtsanwalt und Journalist Chen Qiushi, der exklusiv aus Wuhan berichtete, mittlerweile seit 6 Tagen verschwunden. Auch Human Rights Watch kritisierte China scharf: „Es gibt keinen Platz für Geheimhaltung bei der Bekämpfung einer Epidemie.“ Es sei an der „Zeit für vollständige Transparenz, auch wenn es unangenehm ist“, sagte Kenneth Roth letzte Woche.

Die öffentliche Gesundheit müsse „vor den Erhalt einer bestimmten politischen Macht gestellt“ werden, forderte Roth. „Traurigerweise ist das nicht Pekings Ansatz.“

Wiener Spitäler mit Masken-Pflicht

Wiener Spitäler beginnen seit heute eine weitere „Vorsichtsmaßnahme“. Dort gibt es jetzt eine Masken-Pflicht für alle Patienten, die husten, heiser sind oder Anzeichen von Fieber zeigen. Österreichs Gesundheitsminister Anschober betont währenddessen stets, dass es keinen Grund zur Aufregung gebe. Der Flugverkehr von und zu China und Hong Kong, ist weiterhin aufrecht. Tschechien unterbrach den Flugverkehr von und zu China jedoch seit Sonntag. Wie weit diese Maßnahme die Verbreitung des Virus verhindern kann, ist allerdings ebenfalls fraglich.

Klar ist, dass man Xi Jinping und das mächtige China dadurch verärgert. Peking gab schon vor einigen Wochen die unmissverständliche, diplomatische Linie vor: „Jene Länder, die jetzt zu China halten, werden später belohnt werden und umgekehrt, wird China nicht vergessen, welche Länder sich nun abwenden“, ließ Peking über die Regierungszeitung „Global Times“ ausrichten.

Sebastian Kurz dürfte sich dazu entschieden haben, das chinesische Regime nicht zu verärgern. Er trifft diese Woche den chinesischen Außenminister Wang Yi. Dort soll über „Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus“ gesprochen werden.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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