Dienstag, Februar 7, 2023
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Lebensmittelpreise: Tausende Bauern protestieren

Nicht nur Pflege- und Sozialberufen reicht’s: Am Mittwochvormittag protestierten tausende Bauern für fairere Lebensmittelpreise. Sie folgten dem Aufruf des Bauernbunds und versammelten sich österreichweit vor Spar-Filialen, um dem Konzern zu einem Umdenken bei Preis- und Einkaufspolitik zu bewegen.

Wien, 26. Jänner 2020 / Rund 3.300 Bauern haben am Mittwochvormittag österreichweit mehrere Spar-Zentrallager blockiert und vor Filialen demonstriert. Der ÖVP-Bauernbund hatte zu den Protesten aufgerufen. “Es geht uns mit dieser Aktion nicht darum, dass Lebensmittel teurer werden, sondern es geht darum, dass Spar seine Margen an die Bauern und Verarbeiter weitergibt”, so Bauernbund-Chef Georg Strasser.

3.300 Bauern mit 1.520 Traktoren vor Spar-Niederlassungen

Strasser fordert ein Umdenken bei der Einkaufs- und Preispolitik der Handelsketten. Die Protestveranstaltungen fanden vor dem Spar-Zentrallager in Maria Saal (Kärnten), vor der Spar-NÖ-Zentrale in St. Pölten (Niederösterreich), vor mehreren Spar-Filialen in Oberösterreich, vor der Spar-Regionalzentrale in Wörgl (Tirol), vor dem Interspar in Leoben (Steiermark) und einem Spar in Oberwart (Burgenland) statt. An Mitarbeiter und Konsumenten wurden vor Ort Informationen verteilt, laut Bauernbund-Angaben haben 3.300 Bauern mit rund 1.520 Traktoren an den Protesten teilgenommen, die zu Mittag enden. Nach Angaben von Spar kam es nicht zu größeren Behinderungen der Warenlieferungen. “Wir sind vorbereitet und es geht ja nur um ein paar Stunden, die können wir überbrücken”, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage.

Die Bauern sind sauer

Ein Grund für die Protestaktionen ist der steigende Druck auf den Agrarmärkten, während gleichzeitig die Standards in der Produktion permanent nach oben geschraubt werden. “Eine positive Entwicklung in Teilen der Landwirtschaft kann zehn Jahre nominell stagnierende Einkommen nicht kompensieren”, gibt Bauernbund-Chef Strasser zu bedenken. Die Bauernfamilien hätten außerdem eine wichtige Bedeutung bei der Bewältigung des Klimawandels: “Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem, das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von der Abnehmerseite dazu. Daher müssen wir jetzt zu offensiveren Maßnahmen greifen”, sagt der Bauernbund-Präsident zu den organisierten Bauernprotesten

Spar-Chef sorgte für Aufreger

Zur Aufregung bei den Bauern haben Aussagen von Spar-Chef Gerhard Drexel zu den Lebensmittelmittelpreisen von vergangener Woche geführt. Drexel kritisierte ein “Handelsbashing” durch Agrar-Funktionäre. Im Vergleich zu den Preisen am Weltmarkt würden österreichische Lebensmittelhändler laut dem Spar-Chef deutlich mehr für Agrarprodukte wie Milch und Fleisch bezahlen.

Bauern fordern Bonus für Lebensmittel aus Österreich

Die lokalen Bauernbundorganisationen haben am Mittwoch eine Forderungsliste bei den Protestveranstaltungen an Spar übergeben. Die Bauernvertreter fordern unter anderem einen Stopp der “chronische Aktionitis” und einen Österreichbonus auf heimische Lebensmittel.

Landwirtschaftskammer auf Seite der Bauern

Auch der Präsident der Landwirtschaftskammer-Österreich, Josef Moosbrugger, äußerte Verständnis für die Bauernproteste. “Wir erzeugen auf vergleichsweise kleinen Höfen beste Qualität zu europaweit höchsten Standards. Dafür brauchen unsere Bäuerinnen und Bauern auch einen gerechten Anteil an der Wertschöpfung”, so Moosbrugger in einer Aussendung.

Spar verweist auf Gespräche mit Molkereien

Spar will mit den Bauern weiter im Gespräch bleiben, die Preisdiskussion aber mit den Erzeugerorganisationen oder Lebensmittelproduzenten führen. “Wir sind mit den Bauernvertretern laufend in Gesprächen. Aber sie sind nicht die richtigen Ansprechpartner für Preisverhandlungen. Wir verhandeln die Preise mit den Molkereien”, so die Spar-Sprecherin. “Auch hier laufen die Gespräche und wir sind sicher, diese zu einem guten Abschluss zu bringen.”

Spar weist Kritik an Preisaktionen zurück

Die Lebensmittelkette weist die Kritik an den Preisaktionen zurück. “Den Spannenverlust bei den Aktionen trägt zum größten Teil Spar. Zudem helfen Aktionen den landwirtschaftlichen Erzeugern, den Absatz ihrer Markenprodukte zu erhöhen und Mehr- und Überproduktionen an die Kunden zu bringen”, heißt es in einer Stellungnahme. Deshalb würden Aktionen “auch oft von den Produzenten selbst gefordert”. Derzeit laufen Preisverhandlungen von Spar mit den heimischen Molkereien. “Wir sind sicher, dass wir diese Verhandlungen mit den Molkereien auch zu einem positiven Abschluss bringen werden.”, schreibt die Supermarktkette in einer Stellungnahme.

Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist

Der Bauernbund fordert in seinem Forderungskatalog weiters auch das Aus für das „unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutaten-Durchführungsverordnung. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung”.

(apa/lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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