Widerruf Benko

Tesla das Coronavirus und das Drama der Automobilindustrie

Kein Stein bleibt auf dem anderen?

Zum 90. Mal hätte heuer der Genfer Autosalon stattfinden sollen. 600.000 Besucher wurden erwartet. Doch die Schweiz Regierung hat alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern verboten. Das Coronavirus wirft seinen langen Schatten auf das öffentliche Leben. Eine weitere Hiobsbotschaft für die mittlerweile arg gebeutelte Automobilindustrie.

Wien, 29. Februar 2020 / Der Automarkt in China ist tot. Seit zwei Jahren geht der Absatz von Automobilen in China zurück. Selbst eine Mehrwertsteuersenkung der chinesischen Führung konnte die Talfahrt nicht stoppen. Nun legt das Coronavirus den Automarkt fast völlig lahm. In der ersten Februarhälfte wurden im Reich der Mitte nur 4.900 Fahrzeuge verkauft. Im selben Zeitraum des Vorjahres sind noch knapp 60.000 Autos abgesetzt worden.

Die Lokomotive China steht

China ist der wichtigste Automarkt der Welt. Die Lokomotive des weltweiten Automobilmarktes fällt nun aus. Schon Ende 2019 hat der deutsche Branchenverband VDA mit einem Rückgang des Automarktes von 2% in Europa und 3% in den USA gerechnet. Für China galt noch das Prinzip Hoffnung. Diese Hoffnung ist nun vermutlich erloschen. In China stehen Autowerke still. 35% ihres Gesamtumsatzes machen deutsche Autobauer in China.

Der deutsche Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit einem Rückgang der weltweiten Autoproduktion von 7,5 Millionen Stück. Erst 2025 soll in China wieder Normalität einkehren, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Coronavirus Epidemie in den nächsten Monaten eingedämmt werden kann.

Auch die Auto China wurde verschoben

Der Genfer Autosalon ist nicht die erste wichtige Automesse, die 2020 dem Coronavirus zum Opfer fällt.  Auch die Auto China (International Automotive Industry Exhibition), die Ende April hätte stattfinden sollen, wurde auf einen unbekannten Termin verschoben. Die Auto China, die alle zwei Jahre in Peking stattfindet, ist seit 1990 eine asiatische Leitmesse bei der sich Hersteller aber auch alle wichtigen Automobilzulieferer präsentieren. 2018 nahmen 810.000 Besucher an diesem Event teil.

Die Finanzschwäche der deutschen Autogiganten am Beispiel Daimler

Das Coronavirus hat auch an den Börsen die Schwäche gerade der deutschen Automobilindustrie für viele Anleger sichtbar gemacht. Ein Blick auf die 5 Jahres Charts zeigt aber schon länger die schlechte Entwicklung der Automobilindustrie am Kapitalmarkt. Das ist auch insofern bemerkenswert, weil zum Beispiel gerade Daimler zum neunten Mal hintereinander eine Rekordjahr in Bezug auf den Autoabsatz verzeichnen konnte. Doch diese Zahlen täuschen. Daimler fährt seit Herbst 2019 ein rigoroses Sparprogramm. Der Gewinn 2019 hat sich mit 5,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr halbiert und darin sind die Rückstellungen für behördliche und gerichtliche Verfahren, die auf die Marke aus Sindelfingen zukommen, noch nicht eingerechnet. Experten rechnen zusätzlich, dass der Investitionsbedarf bei Daimler für technologische Entwicklungen in den nächsten fünf Jahren bei rund 17 Milliarden Euro liegen soll.

Aktienkurse der drei größten deutschen Automobilhersteller in der Fünfjahresbetrachtung

Weitere 830 Millionen Zahlung für VW

Derweilen hat sich der Volkswagenkonzern in Sachen Dieselskandal mit 260.000 klagenden Verbrauchern geeinigt. Das hat der Verbraucherzentralen Bundesverband am Freitag bekanntgegeben. Jeder Geschädigte soll je nach Modell und Alter seines Autos Zahlungen zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten. Doch die Sache ist für VW noch nicht ausgestanden, da sich der deutsche Bundesgerichtshof am 5. Mai erneut mit dem Dieselbetrug befassen will. Unter anderem werde es in Karlsruhe dann voraussichtlich darum gehen, ob Schadensersatzansprüche und eine Nutzungsentschädigung gerechtfertigt seien. Mit der Einigung hat VW das Risiko begrenzt aber noch nicht komplett beseitigt.

Tesla – der Killer der klassischen Autoindustrie?

Doch eine weiter Gefahr von ganz anderer Seite lauert auf die deutsche Autoindustrie. Es war eine wenig beachtete Meldung der Nikkei Asien Review, die zumindest für Insider für Aufregung sorgte. Hardware 3 oder Full Self-driving Computer heißt das kleine Steuergerät von Telsa, das offenbar in der Lange sein könnte die Automotive-Lieferkette, so wie wir sie kennen, zu zerstören.

6 Jahre der Konkurrenz voraus

„Das können wir nicht!“, so wird ein ungenannter leitender Ingenieur einer großen japanischen Automobilmarke zitiert. Das Gerät ist seit Herbst 2019 in dem Modellen Model 3, Model S und Model X zu finden. Inklusive zweier Chips für künstliche Intelligenz. Sowohl Hardware als auch Software wurden von Tesla entwickelt. Dieser Hightech Computer unterstützt sowohl das automatisierte Fahren als auch das Infotainmentsystem der Fahrzeuge. Der ungenannte Experte ist der Meinung, dass die Konkurrenz erst 2025 über eine ähnlich leistungsstarke Technologie verfügen werden.

Zulieferer werden unwichtig

Dieses leistungsfähige Kontrollinstrument reduziert die Anzahl von Steuergeräten im Auto dramatisch. Damit wird das bisherige Modell der Lieferkette, wo unzählige Lieferanten ihre eigenen Steuergeräte mitliefern, hinfällig. Junge Firmen wie Tesla haben damit viel kürzere Lieferketten und machen die Entwicklung im eigenen Haus. Auch besteht die Möglichkeit die Software automatisch von außen über das Internet aufzuspielen. Werkstattbesuche werden hinfällig. Das Beispiel des Model 3 von Tesla zeigt, dass kaum Namen von Zulieferern bei den verbauten Autoteilen auftauchen. Dazu kommt, dass E-Autos deutlich weniger komplex sind als Autos mit Verbrennungsmotoren.

Zulieferindustrie adjeu?

Derzeit baut Tesla gerade 400.000 Autos pro Jahr. Doch sollte seine Art der Fahrzeugherstellung durchsetzen und das wird vermutlich aus Kostengründen geschehen, dann verändert sich die Lieferkette dramatisch.  Das sind keine guten Aussichten für Automobilindustrieländer wie Deutschland oder Österreich, wo jeder siebente bzw. neunte Arbeitsplatz dranhängt. Viele davon in der Zulieferindustrie.

(sm)

Lesen Sie auch

Titelbild: Pixabay

HIER SPENDEN!

Direkt an unser Konto spenden!

Bildungsverein Offene Gesellschaft
Verwendungszweck: ZackZack
AT97 2011 1839 1738 5900

AKTUELLES

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben