Dienstag, Juni 25, 2024

Laudamotion: Lohn wird neu verhandelt – Bessert WKO ihren Anschlag auf Arbeitnehmer aus?

Bessert WKO ihren Anschlag auf Arbeitnehmer aus?

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) akzeptierte den Skandal-Lohnvertrag bei Laudamotion. Damit hätten manche Bordmitarbeiter nur noch 800 Euro netto bekommen. Die WKO hat nun die Chance, diesen Anschlag auf die Arbeitnehmer auszubessern. Es wird nachverhandelt. Ryanair steht aber ohnehin schon vor der Tür von Wien-Schwechat.

Wien, 26. Mai 2020 | Doch noch nicht entschieden: Obwohl es am Wochenende bereits hieß, dass die Ryanair-Tochter „Laudamotion“ ihren Wiener Standort zusperrt, gibt es nun doch wieder eine Chance. Die Gewerkschaft „vida“ spielte gestern den Ball zurück zur WKO. Die WKO hatte zuvor einen Skandalvertrag akzeptiert: Nach diesem neuen Kollektivvertrag würden die Flugbegleiter mit rund 800 Euro netto pro Monat aussteigen.

Demo wurde zur Diskussionsveranstaltung

Aber einige der rund 350 Laudamotion-Mitarbeiter sind auch auf die Gewerkschaft sauer. Sie wollen ihren Job behalten – auch wenn sie einen Lohn weit unter der Armutsgrenze erhalten. Rund 50 Lauda-Mitarbeiter demonstrierten gestern gar vor dem Gewerkschaftsgebäude, später wurde die Demo zur Diskussionsrunde innerhalb des Gewerkschaftshauses. Laut Angaben der Gewerkschaft handelte es sich nicht nur um Piloten, sondern eher um Flugbegleiter.

Deshalb spielte die „vida“ nun den Ball zurück zur WKO. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass unsere Hand für Verhandlungen ausgetreckt ist. Das gilt nach wie vor“, sagt Daniel Liebhart. Der Vorsitzende Vida-Fachbereichs Luftfahrt fordert von der WKO und der Laudamotion-Geschäftsführung, zum Erhalt der Jobs auf der Wiener Lauda-Basis an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das geschieht offenbar – der Dumpinglohn soll nachverhandelt werden.

WKO-Anschlag: Dumping-Vertrag wurde unterschrieben

„Der KV-Vorschlag, der bereits von der WKÖ unterschrieben wurde, hat beispielsweise für FlugbegleiterInnen ein fixes Einstiegsgehalt von 1.000 Euro brutto im Monat (inklusive Überstunden) vorgesehen. Netto hätte das 848 Euro ausgemacht. Das Nettogehalt wäre damit klar unter der Wiener Mindestsicherung (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle (1.259 Euro im Monat für eine Person) angesiedelt gewesen“, sagte die “vida” in einer gestrigen Aussendung.

“Dass die WKO diesen Dumping-Vertrag akzeptiert hat, ist ein Riesenskandal. Sie haben nun die Chance, diesen Anschlag auf die Arbeitnehmerrechte wieder gut zu machen“, sagt Daniel Liebhart, Fachbereichsvorsitzender Luftfahrt der „vida“.

Diverse Belegschaft

Aber warum kritisieren manche Mitarbeiter die Gewerkschaft? Warum wollen Menschen so billig arbeiten? Liebhart gibt zu bedenken, wie divers die Belegschaft von Lauda ist. Ryanair versuche schon seit Jahren junges Bordpersonal aus Südeuropa zu Standorten aus Nordeuropa zu holen. „Das Personal aus Griechenland, Rumänien, Spanien ist eher bereit, für 1000 Euro brutto zu arbeiten.“ Sie hätten nun Sorgen um ihren Job.

Für die „vida“ aber kein Grund auf das Lohn-Dumping einzusteigen. Man würde wohl die „Büchse der Pandora“ öffnen. Sofort würden nächste Airlines, bald auch andere Branchen auf der Matte stehen und billigere Löhne fordern. Deshalb ist es so skandalös, dass die WKO diesen Vertrag unterzeichnet hat.

Wie viel jene WKO-Leute, die den 800-Euro-Netto-Vertrag unterschrieben haben, eigentlich selber verdienen? Man könne nur spekulieren, heißt es aus informierten Kreisen, aber mindestens das Fünffache.

Das Ryanair-System

Was Ryanair hier treibt, hat übrigens System: Ohnehin hat Ryanair schon länger Pläne für eine große Expansion ab Wien. Dafür brauche es nur noch niedrigere Lohnkosten, vermutet Liebhart. Um diese zu drücken, bediene man sich Tochterkonzerne. Haben sie die Kollektivverträge runtergedrückt, übernimmt Ryanair die Tochter. So machte es der Flug-Diskonter mit Malta-Air oder Buzz – und jetzt eben auch mit Laudamotion.

Die Gewerkschaft ist bereit, die Arbeitsplätze zu retten, allerdings nur, wenn das Bordpersonal entsprechend entlohnt wird.“ Das Unternehmen hat mit Abstand den günstigsten Kollektivvertrag in Österreich“, stellt Liebhart klar, „Crewkosten machen nur 10 Prozent von Lauda aus.“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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