Putin: Weiß, dass Impfstoff wirksam ist!

Experten warnen

Kommt jetzt der Kalte Krieg um den Impfstoff? Nachdem Putins Tochter aufgrund einer Test-Impfung erhöhte Temperatur entwickelt hat, gibt es immer mehr Kritik, einige Experten sind fassungslos. Doch Putin ist siegessicher: „Sputnik V“ soll bald zugelassen werden. Trump will derweil selbst auf die Tube drücken.

Moskau, 12. August 2020 | Der Chef des russischen Investmentfonds, Kirill Dmitrijew, verkündete: “Wir sind offen für eine internationale Zusammenarbeit.” Russischen Angaben zufolge wollen jetzt mehrere Länder beginnen, den Impfstoff selbst zu produzieren.

Darunter befindet sich auch Brasilien, das mit seinem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro einen Corona-Skeptiker an der Spitze des Staates hat. Auch Interessenten für eine Zulassung des Impfstoffes gebe es, so Dmitrijew.

Siegessicherer Papa Putin

Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Zulassung des Impfstoffs zur breiten Verwendung in der Bevölkerung bekanntgegeben. Sie erfolgte damit vor dem Vorliegen großer Studienergebnisse, was dem international üblichen Vorgehen widerspricht. Weder die kolportierte Wirksamkeit, noch etwaige Nebenwirkungen lassen sich derzeit faktisch beurteilen, sagen Experten. Doch Präsident Putin ist sich sicher:

„Ich weiß, dass er sehr wirksam ist und eine hohe Immunität erzeugt, und ich wiederhole, er hat alle erforderlichen Prüfungen bestanden.“

Bei seiner Tochter beschwichtigte er. Sie hatte sich mit dem Impfstoff testen lassen. Immunität? Fehlanzeige. Dafür gab es leichte Nebenwirkungen. Laut Papa Putin alles nicht so schlimm, seine Tochter habe eine leicht erhöhte Temperatur entwickelt, „das war alles“.

Liebesgrüße aus Moskau gefallen nicht jedem

US-Präsident Donald Trump sah sich unterdessen gezwungen, auf die Tube zu drücken: “Wir sind auf dem besten Weg, schnell 100 Millionen Dosen zu produzieren, sobald der Impfstoff zugelassen ist, und kurz danach bis zu 500 Millionen”, sagte er im Weißen Haus. Mehrere Stoffe stünden kurz vor der Zulassung.

Der Name für den russischen Impfstoff “Sputnik V” soll an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion im Jahre 1957 noch vor den USA gestartet hatte – für die Amerikaner eine schmerzhafte Erfahrung. Wissenschaft und Forschung waren jahrzehntelang Felder der Konfliktaustragung zwischen Ost und West.

Ursula Wiedermann-Schmidt, Expertin an der MedUni Wien erklärte gegenüber der „APA“:

“Zulassung nach einer Phase 2? Das ist offenbar wirklich nur in Russland möglich. Zum Glück und richtigerweise undenkbar ohne Phase 3 für unsere Breiten!”

Wissenschaftlich sei zum Stoff nichts publiziert worden, es fehlen laut Wiedermann-Schmidt noch einige Details.

Klaus Reinhardt, Präsident der deutschen Bundesärztekammer, zeigte sich fassungslos und sprach von einem “hochriskanten Experiment am Menschen“. Es sei unverantwortlich, ganze Bevölkerungsgruppen bereits in diesem Stadium der Entwicklung zu impfen, sagte er der “Rheinischen Post” am Mittwoch.

Auch Wissenschaftler aus den USA sowie die Weltgesundheitsorganisation warnen vor Schnellschüssen mit dem Impfstoff.

(wb/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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