Hauptsache inszenieren

“Nehammer-Hilfsgüter” noch immer nicht angekommen

Zwar hat sich Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) vor knapp zwei Wochen ausgiebig mit den Hilfsgütern für das abgebrannte Elendslager Moria inszeniert, auf der Insel Lesbos ist allerdings absolut nichts davon angekommen.

Wien, 29. September 2020 | Auf der Insel Lesbos sind die 55 Tonnen Hilfsgüter, darunter 400 Familienzelte, noch nicht angekommen, berichtete das Ö1-Mittagsjournal am Dienstag. Das Rote Kreuz kritisierte die prekären Zustände in dem neu aufgebauten Lager auf der Ägäis-Insel.

In Athen eingelagert

Als eines der ersten Länder sagte Österreich nach dem verheerenden Brand in Moria, durch den rund 13.000 Menschen temporär obdachlos wurden, Hilfe zu. Medienwirksam wurden die Zelte für 2.000 Personen, rund 2.000 Hygienepakete, 200 Zeltheizungen, 400 Zeltbeleuchtungen, 7.400 Decken sowie 2.700 aufblasbare Matratzen, Polster und Bettwäsche mit einer großen russischen Transportmaschine nach Athen geflogen. Dort seien sie, ebenso wie Hilfslieferungen anderer Staaten, bis dato eingelagert, berichtete die österreichische Botschafterin in Athen, Hermine Poppeller, gegenüber Ö1.

Werden tranchenweise geliefert

Derzeit werde Boden aufbereitet, “damit man dort Zelte aufstellen kann, damit die Zelte auch den nächsten großen Regen überleben und wirklich dort ein winterfestes Quartier bieten”, so Poppeller. Das dauere seine Zeit, dann könne die nächste Tranche geliefert werden. Auch etwa die Decken und Hygienepakete sollen erst “tranchenweise” nach Lesbos geliefert werden.

Lidwina Dox, die derzeit für das Österreichische Rote Kreuz auf Lesbos ist, bezeichnete die Infrastruktur in dem neu aufgebauten Flüchtlingslager Kara Tepe als “sehr, sehr, sehr rudimentär”. Es fehle noch “an fast allem”, so gebe es etwa noch keine einzige Dusche, erzählte Dox in einem Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal.

Dass die griechische Regierung erst gestern rund 700 Asylberechtigte von Lesbos auf das Festland gebracht habe, sei ein “absolut ermutigendes Zeichen”, aus humanitärer Sicht sei es “sehr begrüßenswert, wenn diese Prozesse voranschreiten”, betonte die Rotkreuz-Expertin. Die Lebensbedingungen für die Flüchtlinge auf Lesbos seien “sehr menschenunwürdig” und würden vor allem im Winter noch “extrem schwierig” werden.

NEOS-Abgeordnete nicht erfreut über Regierung

NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter ist über die Vorgehensweise der Regierung erzürnt. Auf Twitter schreibt sie: “Man kann nicht ungefragt irgendetwas liefern, dann sich selbst überlassen.”

Der Brand auf Lesbos sowie die daraufhin wieder aufgeflammte Diskussion um die Verteilung bzw. Aufnahme von geflüchteten Minderjährigen war auch Thema beim außenpolitischen Ausschuss des Nationalrats am Dienstag. SPÖ-Vorsitzende und Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner forderte dabei erneut die Aufnahme von Kindern als “Akt der Menschlichkeit”. Gleichzeitig kritisierte sie Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) für dessen Aussage, das “Geschrei nach Verteilung” könne nicht die Lösung in der Flüchtlingsfrage sein. Das sei “nicht die Sachlichkeit”, die man sich von einem Außenminister erwarten könne, so die SPÖ-Chefin in einer Aussendung.

(APA/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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