Moria-Ersatzlager versinkt im Dreck

“Kinder werden von Ratten angeknabbert”

Geflutete Zelte, frierende Kinder, Hoffnungslosigkeit – Kara Tepe versinkt im Dreck, und Europa schaut zu. Das Ersatzlager auf Lesbos, in dem Tausende von Flüchtlingen seit dem Brand in Moria leben müssen, ist für den Winter vollkommen ungeeignet. Und die Lage verschlimmert sich immer weiter.

 

Wien, 15. Dezember 2020 | Seit Monaten leben Flüchtlinge auf Lesbos unter grausamen Bedingungen. Nachdem das Lager in Moria im September abgebrannt ist, sind tausende Menschen, darunter viele Kinder, in Kara Tepe untergebracht worden. Das Lager, das einem Gefängnis aus Zelten gleicht, ist durch tagelange Regenfälle vollständig geflutet worden.

Das Ersatzlager Kara Tepe gleicht einem Gefängnis, seit Monaten geht es für die Menschen auf Lesbos weder vor, noch zurück. (Bild: AFP)

Rattenbisse sind häufigste Verletzung bei Kindern

Am Wochenende ließ die Aktivistin und Schauspielerin Katharina Stemberger in einem ZIB-Beitrag die Zuseher mit einer Aussage geschockt zurück:

„Ärzte ohne Grenzen haben erzählt, dass die Verletzungen, die sie im Moment am häufigsten versorgen müssen, Rattenbisse sind, weil Kinder in der Nacht angeknabbert werden.“

Stemberger engagiert sich als Vorstandsvorsitzende des Integrationshauses und ist Mitbegründerin von „Aktion Courage“. Sie versucht mit ihrer Initiative, den Menschen das unvorstellbare Leid auf Lesbos näherzubringen und die vielen Kinder und Familien in Not nach Österreich zu bringen. Stemberger hat sich im Dezember in Kara Tepe selbst ein Bild der Lage gemacht. „Weltuntergang! Im Camp versinken die Menschen!“, wie sie auf Twitter in einem Video berichtet.

Und was macht die Regierung?

3.000 sichere Plätze und Herbergen hätte die „Courage“ bereits identifizieren können:

„Ich denke mir, dass wir auch im Sinne der Vorweihnachtszeit einige Familien in Österreich aufnehmen könnten und auch sollten“,

so Stemberger.

Dafür benötige die Initiative aber eine Erlaubnis der Regierung. Diese aber, allen voran die ÖVP, weigert sich nach wie vor, in dieser Sache aktiv zu werden. Sie bleibt bei ihrer Linie, keine weiteren Menschen aufzunehmen. So sagte Kanzler Kurz in einem Video-Statement im September, nachdem das Lager in Moria abgebrannt ist:

„Was wir tun wollen und werden, ist vor Ort zu helfen, damit eine menschenwürdige Versorgung und Unterbringung sichergestellt ist.“

Sieht man sich die aktuellen Bilder aus Kara Tepe an, ist von der vielversprochenen „Hilfe vor Ort“ keine Spur. Rattenbisse bei Kindern haben zudem nichts mit einer „menschenwürdigen Versorgung und Unterbringung“ zu tun. In einem aktuellen Interview mit der Plattform “kontrast.at” zeigt auch Stemberger nur wenig Verständnis für das Handeln der Regierung:

„Ich verstehe nicht, wie sich irgendein politisch Verantwortlicher vor dieser Frage wegduckt. Denn damit ist das Problem nicht weg.“

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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