Pilz am Sonntag:

COVID-Impfung für ORF: Schutz für die unkritische Infrastruktur

Die EU hat auf den falschen Impfstoff gesetzt. Das lässt sich jetzt nicht mehr verheimlichen. Aber eines lässt sich nach wie vor vertuschen: die zentrale Rolle, die Österreich dabei gespielt hat.

 

Wien, 03. Jänner 2021 | Der COVID-Sonderbeauftragte des Gesundheitsministers war auch stellvertretender Vorsitzender des Steering Boards, das in Brüssel über die Bestellung der Impfstoffe entschieden hat. Der Sonderbeauftragte hat dort die „österreichische Strategie“ durchgesetzt: alles auf den billigen und leicht kühlbaren Impfstoff Astra Zeneca zu setzen. Schon am 14. August wurden 400 Millionen Astra-Dosen bestellt. Im November wurde klar, dass bei Astra Zeneca so viel schiefgegangen war, dass der Konzern nicht einmal einen Antrag bei der EU-Arzneimittelbehörde stellen konnte.

Im November begann das Steering Board dann mit Bestellungen bei BioNTech/Pfizer und Moderna. Aber von den 500 Millionen Dosen, die BioNTech anbot, wurde auf 200 Millionen verzichtet. Damit wurden die europäischen Weichen auf Impfstoffknappheit gestellt.

Das haben wir in ZackZack berichtet. Im ORF war nichts davon zu sehen und zu hören.

Der österreichische Beauftragte setzt mit seinen Kollegen bis heute auf Astra Zeneca. Sein Minister erklärte, dass der Impfstoff im Februar in Österreich sein werde, in ausreichenden Mengen. Seit wenigen Tagen wissen wir: Weil die neue Virusmutation UK B.1.1.7 viel ansteckender als das gängige Virus ist, muss weit schneller und mehr geimpft werden. Und genau da wird der Impfstoff in der EU und in Österreich knapp. Trotz einer späten Nachbestellung bei BioNTech zeichnet sich ab, dass sogar für Altersheime und medizinisches Personal zu wenig da sein wird.

Unkritische Infrastruktur

Alle anderen müssen sich hinten anstellen – mit einer Ausnahme: Der ORF wird geimpft. Über die Begründung berichtet oe24: „kritische Infrastruktur“.

Wenn Tarek Leitner demnächst seinen Oberarm freimacht und ihm der Kanzler aufmunternd zulächelt, wissen beide: Jetzt wird die unkritische Infrastruktur geimpft. Das Signal der Regierung ist unmissverständlich: Wer uns schützt, wird geschützt.

In nur einem Jahr ist aus der Zeit im Bild eine Kurz im Bild geworden. Wenn der Kanzler oder einer seiner Minister nichts zu sagen hat, berichtet die KiB1. Wenn es auf die nächsten zwei Wochen ankommt, meldet sich die KiB1 live. Wenn in einer Pressekonferenz die nächste Pressekonferenz angekündigt wird, erklärt ein KiB-Kommentator, warum WIR am richtigen Weg sind. In der Nachrichtensendung ZiB2 wirkt Armin Wolf plötzlich seltsam verloren, wenn er ganz einfach Fragen stellt.

Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung der Massentests; kein Impfplan und kaum Impfstoff; das Astra Zeneca-Chaos; Kurz, Roche und die Massentests; der große Schihotelsperren-Schwindel; warum Nehammer in Wien, aber nicht in den Schigebieten überwachen lässt; und jetzt das mutierte Virus, das Österreich völlig unvorbereitet treffen wird – das war nicht berichtenswert.

„Auch ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin.“ Das hat nicht Alexander Wrabetz gesagt, sondern Angela Merkel. Die Verlässlichkeit, die die deutsche Kanzlerin ausstrahlt, ist ein Signal an die Bevölkerung: Es geht, wenn wir zusammenhalten und uns an die Regeln halten.

Vom Arlberg bis zum Küniglberg wird ein anderes Signal ausgestrahlt: Die Regeln gelten für die anderen. Ich weiß, dass sich jetzt viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF für ihren Chef schämen. Aber sie haben ihn ja nicht installiert und dafür gesorgt, dass die Chefetage des ORF eine Kurzparkzone wird.

So wird das Vertrauen, das die Voraussetzung für das gemeinsame Handeln in der Krise ist, zerstört. Nur wer den Maßnahmen vertraut, wird sie mittragen. Das gilt für Masken, Tests und jetzt fürs Impfen. Kurz, Anschober und Wrabetz sorgen gerade dafür, dass neben dem Impfstoff demnächst auch der Vertrauensstoff fehlt.

Peter Pilz

Titelbild: APA Picturedesk

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