Eskalation in den Niederlanden

„So sind wir am Weg in den Bürgerkrieg“

Die neue Ausgangssperre in den Niederlanden führte am Sonntag zu massiven Krawallen. Es kam zu Plünderungen und Steinwürfen auf ein Krankenhaus. Am Samstag kam es zu einer Attacke auf ein Corona-Testzentrum. Die Polizei reagierte mit massiver Härte, brachte die Lage aber lange nicht unter Kontrolle.

 

Wien/Amsterdam, 25. Jänner 2021 | Die neue Ausgangssperre führte am Sonntag in den Niederlanden zu heftigen Ausschreitungen. Kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr am Sonntag kam es nach Angaben der Polizei in etwa zehn Städten zu Ausschreitungen. Unruhen wurden unter anderem aus Tilburg, Enschede, Venlo, Roermond, Breda, Arnheim und Apeldoorn gemeldet.

Unübersichtliche Lage

Bereits am Samstag hatte es in der Kleinstadt Urk nördlich von Amsterdam Krawalle gegeben. Dort hatten Jugendliche ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand gesteckt. Der Aufstand am Sonntag begann in Eindhoven, als die Polizei die Demonstration auflösen wollte. Dort wurde unter anderem der Bahnhof angegriffen.

Die Proteste kamen zunächst von Rechtsextremen. Vereinzelte Berichte meinen aber, dass auch diese von anderen Demonstranten angegriffen wurden. Die Lage wurde im Laufe der Nacht jedenfalls zunehmend unübersichtlich. Die Polizei, die mit Härte antwortete, brachte die Situation kaum unter Kontrolle. Man setzte Wasserwerfer, Hunde und die Militärpolizei ein.

Barrikaden, Wasserwerfer, Plünderungen

In vielen Städten brannten Barrikaden. Es kam zu Plünderungen und heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. In Enschede wurde ein Krankenhaus mit Steinen beworfen.

Plünderungen in Roermond.

Schon am Nachmittag eskalierte die Situation in Eindhoven.

Holländische Barrikaden bestehen aus Fahrrädern…

Die Frau wurde beim Einsatz des Wasserwerfers schwer verletzt.

Auch mit Polizeihunden ging man gegen die Demonstranten vor.

Ein Polizeipferd ergriff die Flucht.

„Am Weg in den Bürgerkrieg“

Mehr als 200 Personen wurden landesweit festgenommen. Erst gegen Mitternacht kehrte nach Mitteilungen der Einsatzkräfte an den meisten Orten Ruhe ein. Der Bürgermeister von Eindhoven zeigte sich fassungslos: „So sind wir am Weg in den Bürgerkrieg“, sagte John Jorritsma im niederländischen TV. “Wenn Sie sehen, was hier getan wurde, sind dies surreale Bilder, die Sie in den Niederlanden nicht erwarten würden. Niemand kam hierher, um zu demonstrieren, sie kamen hierher, für Krawalle“, kritisierte Jorritsma die Eskalation.

In Amsterdam demonstrierte man zunächst friedlich gegen den Lockdown. Foto: AFP

Am Montag meldete sich Premierminister Mark Rutte zu Wort. Der rechtskonservative Politiker verteidigte die nächtliche Ausgangssperre, an der sich die Proteste entzündet hatten, als notwendige Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Die Corona-Zahlen sind aktuell rückläufig, argumentiert wurden die neuen Verschärfungen mit der Virus-Mutation.

“Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt” und als solche werde man sie auch behandeln, drohte Rutte am Montag in Den Haag. Rutte trat vor zehn Tagen von seinem Amt zurück, bleibt aber bis zu den Wahlen im März geschäftsführend im Amt.

(ot/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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