Sonntag, Mai 19, 2024

»Hebt den Lockdown auf« – Proteste in China gegen Covid-Politik

Das ist eine Unterüberschrift

Eine landesweite Protestwelle hält derzeit China in Atem. Immer mehr Menschen wehren sich gegen die strengen Corona-Maßnahmen. Es kam zu mehreren Festnahmen, auch von Journalisten.

Shanghai, 28. November 2022 | Es sind teils apokalyptische Szenen, die sich in der Nacht auf Montag in China zugetragen haben. Von Shanghai über Peking bis nach Wuhan gingen Menschen auf die Straße, um gegen Lockdowns, Massentests und Zwangsquarantäne zu protestieren. Es ist die größte Protestwelle, die China, das eine strikte Null-Covid-Politik verfolgt, seit Jahrzehnten erlebt hat.

“Nieder mit Xi Jinping”

Schon das ganze Wochenende kommt es auf den Straßen mehrerer Millionenstädte zu Tumulten. Besonders heftig fielen diese in den Metropolen Shanghai und Peking aus, wo die Sicherheitsvorkehrungen nun verschärft wurden. In Shanghai rief eine Gruppe zum Rücktritt von Präsident Xi Jinping auf. “Nieder mit der Kommunistischen Partei Chinas, nieder mit Xi Jinping”, rief sie laut Augenzeugen und wie auch auf Videos zu sehen war. Als Symbol des Widerstands und des Protests gegen die Zensur hielten viele Demonstranten auch unbeschriebene weiße Blätter hoch. Es wurden Parolen wie “Hebt den Lockdown auf” und “Wir wollen keine PCR-Tests, wir wollen Freiheit” gerufen.

Zahlreiche Demonstranten wurde festgenommen. In Shanghai verhaftete die Polizei nach Angaben eines Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Montag zwei Menschen. Auf die Frage, warum eine der Personen abgeführt wurde, antwortete ein Polizist der AFP, “weil er sich nicht an unsere Anweisungen gehalten hat”, und verwies den Reporter an die örtliche Polizei. Polizisten nahmen demnach auch Menschen beiseite und wiesen sie an, Fotos von ihren Handys zu löschen.

Die Protestwelle in China hält an. In zahlreichen Städten, wie hier in Peking, gehen die Menschen auf die Straße (Bild: NOEL CELIS / AFP / picturedesk.com)

Journalisten bedrängt und festgehalten

Aber auch Journalisten wurden zeitweise festgehalten und bedrängt. So hat etwa die BBC mitgeteilt, dass ihr Reporter Ed Lawrence in Shanghai festgenommen und nach eigenen Angaben von Polizisten misshandelt wurde. Lawrence sei bei der Festnahme von Polizisten geschlagen und getreten worden, obwohl er eine Akkreditierung als Journalist habe. Erst Stunden später sei er wieder freigelassen worden, sagte eine Sprecherin des Senders. Ein Sprecher des Pekinger Außenministerium begründete die Festnahme am Montag damit, dass der Reporter sich nicht als Journalist zu erkennen gegeben und seinen Presseausweis nicht freiwillig vorgezeigt habe.

Auch ein Reuters-Reporter wurde am Sonntagabend für etwa 90 Minuten festgehalten. Ein Korrespondent des französischsprachigen Schweizer Senders RTS wurde von Sicherheitskräften angesprochen, während er live berichtete. “Die Spannung hier ist auf dem Höhepunkt”, sagte Michael Peuker am Sonntagabend bei einer Live-Schaltung aus Shanghai während der Abendnachrichten.

Regierung glaubt weiter an Null-Covid-Politik

Die chinesische Regierung will an den strengen Maßnahmen weiter festhalten. Bei einer Pressekonferenz am Montag antwortete ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums auf die Frage nach den Demonstrationen, die Frage entspreche nicht den “Fakten” und erklärte: “Wir glauben, mit der Führung der Kommunistischen Partei Chinas und der Unterstützung des chinesischen Volkes wird unser Kampf gegen Covid-19 erfolgreich sein.”

In der westlichen Region Xinjiang lockerten die Behörden dagegen einige Corona-Maßnahmen. Die Einwohner der Metropole Ürümqi dürfen ab Dienstag wieder Bus fahren, um Besorgungen in ihren Wohnbezirken zu erledigen, erklärten Beamte am Montag auf einer Pressekonferenz. Teilweise waren die Bewohner der Regionalhauptstadt wochenlang in ihren Häusern eingeschlossen.

(mst/apa)

Titelbild: NOEL CELIS / AFP / picturedesk.com

Markus Steurer
Markus Steurer
Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.
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16 Kommentare

  1. Nicht in China:
    Twickenham/London – Die COVID-19-Pandemie könnte unter Ärzten möglicherweise zu einer größeren Be­reit­schaft geführt haben, bei sehr kranken oder gebrechlichen Patienten auf Reanimationsmaßnahmen zu verzichten.

    Zudem verlegten sie Patienten am Lebensende weniger häufig noch auf die Intensivstation, sondern ent­schie­den sich eher für eine frühe Palliativversorgung. Dies zeigt eine Onlineumfrage unter Ärzten in Großbritan­ni­en, deren Ergebnisse jetzt im Journal of Medical Ethics veröffentlicht worden sind

  2. Frank-Walter Steinmeier reagiert mit Verständnis auf die Proteste der chinesischen Bevölkerung gegen die strikte Corona-Politik im Land.

  3. Diese Protestwelle wird halt hier in Europa niemanden zu Sanktionen hinreißen lassen. Sind ja keine Menschenrechtsverletzungen dabei, sondern nur lupenreine Gesundheitstipps zum Schutze der Bevölkerung und daher kann man jetzt und in Zukunft mit Menschen alles machen……

    • Die Situation in China lässt sich wohl kaum mit der in Österreich vergleichen, in Österreich ging es nie um eine Null Covid Strategie sondern um eine Minimierung der Opferzahlen und den Schutz des Gesundheitssystems aber für manche war anscheinend das schon jenseits dessen was sie mit ihrem beschränkten Intellekt begreifen konnten.

      • Da liegen Sie falsch. Vielleicht hätten Sie Ihren Säulenheiligen der 0-Covid-Sekte genauer zuhören sollen. Opferzahlen minimiert man übrigens nicht, indem man die Opfer in Heimen einsperrt und sich unbetreut, alleine überlässt oder die Behandlung tatsächlich Erkrankter verweigert, obwohl dies ganz leicht möglich, aber eben verboten war.
        Man erinnere sich an die Ärztin, die angeblich in den Selbstmord getrieben wurde und über ihre Behandlungserfolge getwittert hat. Das Ergebnis, schwerer Druck aus Richtung Pharma. Die Ärztekammer war auch nicht “glücklich” Das ist alles kein Geheimnis, man muss sich nur informieren, wenn der Intellekt dazu reicht.

        • Aha. Die O-Covid Sekte…..interessant wie man die Dinge verdrehen kann. Plötzlich ist die Ärztin am Druck der Pharmaindustrie zerbrochen und von den Coronaleugnern und militanten Impfgegnern ist natürlich keiner Schuld gewesen….

          • Spannend ist ja, dass jene die sich am liberalsten geben immer am konservativsten im Denken sind und die meisten Vorurteile haben. Sie kennen uns doch gar nicht. Dass jeder von uns seine Meinung vertritt wird ja wohl kein Verbrechen sein, schließlich tun sie das doch auch.

          • Meinungen vertreten ist voll ok, andere Meinungen zulassen, wäre noch besser. Was Ihre Clique aber systematisch macht, ist andere Meinungen mittels Fähnchendrücken auszusperren und zur Zensur aufzurufen und wo das nicht geht zumindest beleidigend diffamieren.. Und wenn das immer die gleichen paar Leute tun, fast schon automatisiert, nenne ich das eine connection. Oder wie vor einiger Zeit schon ein anderer Forist eure Clique nannte “ich lasse keine andere Meinung gelten und beleidige”. Man sah es oben gerade wieder: Sie werden frech (“Sie mit Ihrem beschränkten Intellekt”), wenn dann eine Retourkutsche kommt, drohen Sie gleich wieder mit dem Rausfliegen aus dem Forum. Was halt nur über Vernadern oder Fähnchendrücken geht. Von mir aus drücken Sie solange aufs Fähnchen, bis der Finger schmerzt. Viel Spass.

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