So endete das Abschiebedrama

“Um 5 machte die Polizei kurzen Prozess”

Die Abschiebung von Tina, Sona und ihren Familien hat in der Nacht auf Donnerstag ein dramatisches Ende genommen. Knapp 200 Personen stellten sich in der Zinnergasse der Polizei in den Weg, um den Vollzug im letzten Moment zu verhindern – ohne Erfolg.

Wien, 28. Jänner 2021 | Am Montag wurden Tina, Sona und ihre Familien von der Polizei in die Zinnergasse in Wien Simmering gebracht. Heute, am Donnerstag, sind sie vermutlich bereits in Georgien und Armenien gelandet. Vier Tage, in denen sich die Mädchen nicht einmal persönlich von ihren Freunden verabschieden konnten.

1 Uhr – die Zinnergasse füllt sich mit Demonstranten

Ein letzter medialer Aufschrei am Mittwoch hat nichts mehr bewirken können. In einer letzten Protestaktion Donnerstagfrüh vor dem Schubhaftgefängnis haben 160 Personen – darunter auch Politiker und Journalisten – ihren Unmut ausgedrückt. Einige haben versucht, mit Sitzblockaden die Polizei an der Abschiebung zu hindern.

ZackZack-Redakteur Martin Pichler war vor Ort, schildert die dramatischen Momente dieser Nacht:

„Man hat die emotionale Stimmung vor Ort gespürt. Anfangs, gegen 1 Uhr früh, hat die Polizei, die mit etwa 2-3 Bussen vor Ort war, noch sehr zurückhaltend gehandelt und abgewartet, wie sich die Situation entwickelt.“

Auch einige Nationalratsabgeordnete und andere bekannte Vertreter aus Politik, Medien und Kultur mischten sich unter die Demonstranten, ließen über Social Media ihrem Ärger freien Lauf.

WEGA marschiert mit Hunden auf

Um 4.45 Uhr dann die Durchsage der Polizei, die mittlerweile durch Verstärkung der WEGA samt Einsatzhunden auch mit etwa 200 Beamten in der Zinnergasse anwesend war:

Die Versammlung werde aufgrund der “Störung der öffentlichen Ordnung” aufgelöst. Eine Viertelstunde später hätten die Polizisten dann kurzen Prozess gemacht:

„Um 5 war dann Schluss. Spätestens als die WEGA aufkreuzte, hat man gewusst, dass geräumt wird. Die Beamten haben sehr gereizt gewirkt, waren sichtlich genervt und wollten einfach ihren Job machen”,

so der ZackZack-Reporter. Ihr Job, das hieß: Den Weg für die Abschiebung frei machen.

Innerhalb von 5 Minuten hätten die Beamten die auf der Straße sitzenden Menschen weggebracht, sogar eine Flex wurde kurz aus einem Auto geholt, um einen vermeintlich angeketteten Demonstranten loszuschneiden.

Die dramatischen Szenen der Nacht. (Alle Bilder: Martin Pichler/ZackZack)

„Es war schnell, kurz und sehr heftig. Ich bin vor dem Konvoi mit anderen Kamerateams gewesen. Meiner Meinung nach war die Gewalt der Polizei zu diesem Zeitpunkt sehr unverhältnismäßig.“

Auf Twitter zeigen Videos, wie die WEGA den Weg für die Busse, in denen sich Tina und die anderen befanden, freimacht:

Schulfreunde starten Spendenaktion

Tinas und Sonas Freunde, die sich am Mittwoch von einem Parkplatz hinter dem Schubhaftgebäude aus, getrennt durch eine Mauer, von den Mädchen verabschieden mussten, haben alles versucht, um die Abschiebung zu verhindern. Schulkollegen der 12-jährigen Tina haben nun sogar ein Spendenkonto für sie eingerichtet.

Nur vier Tage sind vergangen, seitdem die Mädchen von ihren Wohnungen in die Zinnergasse gebracht wurden. Mittlerweile dürften sie sich bereits in den ihnen fremden Ländern Georgien und Armenien befinden. Tinas Freunde haben bis Redaktionsschluss noch nichts von ihr gehört.

(mst, mp)

Titelbild: Martin Pichler/ZackZack

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