Trotz Mutation:

Wochenend-Lockdown?

Schon im März mit Freunden wieder ins Restaurant gehen können? Daran glaubt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Mit einem Vorschlag, unter der Woche Gastronomie und Handel aufzusperren, am Wochenende aber mit einem harten Lockdown in den “Winterschlaf” zu gehen, soll die Pandemie kontrollierbarer machen. Und: ein Miteinander wieder ermöglichen. Ob das so umgesetzt wird, bleibt fraglich.

Wien, 10. Februar 2021 | Im Hinblick auf den weiteren Umgang mit der Coronavirus-Pandemie hat der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) einen sogenannten “Wochenend-Lockdown” vorgeschlagen. Im APA-Gespräch betonte der Ressortchef, dass eine Umsetzung jedoch nur “Hand in Hand” mit dem Bund erfolgen könne. Das Gesundheitsministerium kenne das Modell, es gehöre zu den Varianten, die aktuell geprüft würden.

“Ich bin nicht erpicht darauf, meinen Kopf durchzusetzen. Es geht einfach darum, eine Idee zu bekommen, wie die Perspektive in den nächsten Wochen und Monaten aussehen kann”,

betonte Hacker gegenüber der APA.

“Perspektiven und Möglichkeiten”

Die Idee des WochenendLockdowns habe Hacker schon längere Zeit intern mit seinen beratenden Experten diskutiert. Er glaubt, es sei nun die Zeit, diese Idee intensiver nach außen zu tragen und klarzumachen, “es gibt Perspektiven und Möglichkeiten”.

Der Wiener Vorschlag wäre: Montag bis Donnerstag- oder Freitagabend ist lockdown-frei, an den übrigen Tagen herrscht harter Lockdown. Selbstverständlich würden an den lockdown-freien Tagen die bekannten Spielregeln, wie etwa Abstandhalten oder Beschränkung der Personenanzahl, in den Geschäften gelten, so Hacker. Außerdem betonte er in der “Krone”: “Das ist kein radikales Modell, wir machen nicht alles auf.” Wobei es “Drehknöpfe” für Anpassungen, abhängig von der aktuellen Situation gebe. Dort könnte der Spielraum für eine Öffnung etwa von Nachmittag bis 1 Uhr morgens reichen. An den übrigen Tagen der Woche soll es hingegen einen harten Lockdown geben.

Hackers Wellenbrecher

“Eine Pandemie bewegt sich immer in Wellen, das ist nichts Konstantes. Mit der Idee der WochenendLockdowns können wir dem Geschehen unseren eigenen Rhythmus aufzwingen”,

so Hacker gegenüber der “Krone”.

Es dauere vier Tage, bis Infizierte andere infizieren können. Das neue Modell würde so als “Wellenbrecher fungieren”, ist der Stadtrat überzeugt. Am Wochenende soll intensiv getestet und ein Blick auf die Tage davor geworfen werden. Als Umsetzung wäre – wenn überhaupt – frühestens Ende Februar, Anfang März angedacht. Ziel des Wiener Modells sei, “Schritt für Schritt wieder zu öffnen für den Normalzustand”, so Hacker. Denn: “Lockdown ist kein Normalzustand.”

Zeitpunkt für Öffnungsschritte weiter unklar

Das Gesundheitsministerium kennt das Modell des WochenendLockdowns. Diese Idee sei schon seit längerer Zeit ein Teil der unterschiedlichen Varianten, die geprüft und in die Entscheidungsfindungen einbezogen würden, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Bisher wurde die Idee aus Gründen der Planbarkeit und der unklaren Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen nicht umgesetzt, es wird jedoch weiterhin überprüft.

“Maßnahmen müssen immer sorgsam in Abstimmung mit Expertinnen und Experten, den Bundesländern und der Wirtschaft erarbeitet werden sowie auf ihre Alltagstauglichkeit und Rechtmäßigkeit geprüft werden”, heißt es in der Stellungnahme. Der Zeitpunkt für künftige Öffnungsschritte werde sich anhand der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens entscheiden.

Scharfe Kritik der Wiener Opposition

FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl hält von Hackers Plan nichts, wie er bei einer Pressekonferenz klar machte:

“Ich habe immer gedacht, es ist schon jeder Blödsinn fabriziert worden, aber man lernt nie aus.”

Der Freiheitliche lehnt weiterhin jede Art von Lockdown ab, egal ob durchgehend oder nur “Teilzeit”. Auch bei den Wiener Grünen stößt die Idee auf Kritik. Gemeinderätin Barbara Huemer ortet einen “populistischen” Vorschlag:

“Es wäre völlig unverantwortlich, jetzt alles zu öffnen, es sei denn Stadtrat Hacker will in Wien das Infektionsgeschehen so schnell wie möglich wieder in die roten Zahlen bringen.”

In Anbetracht des erhöhten Ansteckungsrisikos der Virenmutanten wie dem Südafrikavirus sei ein derartiges Ansinnen “völlig fehl am Platz”. Hacker wolle Wien offenbar zum neuen Corona-Hotspot Österreichs machen und wie Tirol negative Schlagzeilen produzieren statt die Pandemie bekämpfen: “Auch wenn wir uns gern wieder einmal in ein Gasthaus setzen möchten, ist es total populistisch mit derartigen Ansagen der Bevölkerung vorzugaukeln, dass die Ansteckungsgefahr gebannt sei.”

Virologe: “Motivationszuckerl”

In einem “Zib 2”-Interview äußerte sich Virologe Andreas Bergthaler allerdings positiv gegenüber dem “Mini-Lockdown”. Seiner Meinung nach wäre dies ein “kreativer Vorschlag” und ein “Motivationszuckerl” für die Gesellschaft, sich öfter testen zu lassen:

Macht das Virus unter der Woche Pause?

Während die eine Virus-Variante aus Südafrika bis jetzt nur in Teilen Tirols und seit kurzem auch in der Steiermark anzufinden ist, ist die britische Mutation B 117 bereits richtig auf dem Vormarsch. Im Osten Österreichs gehen bereits 30 bis 40 Prozent aller Neuinfektionen auf die britische Variante zurück, hinzu kommen die seit Montag durchgeführten Lockerungen. Ob also gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, über ein Aufsperren der Gastronomie nachzudenken, bleibt fragwürdig. Ebenso die Frage nach einer anderen Ansteckungsgefahr am Wochenende. Auf ZackZack-Nachfrage wollte sich Hacker bislang nicht äußern.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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