Nach WHO-Prognosen

Immer weniger glauben an normalen Sommer

„Das Ziel, bis zum Sommer zur Normalität zurückzukehren, ist noch immer realistisch“, hielt Bundeskanzler Kurz am Montag in der Pressekonferenz fest. Geht es nach neuesten Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sei ein Ende der Corona-Pandemie im heurigen Jahr aber „unrealistisch“.

Wien/Genf 2. März 2021 | Mit seiner Aussage zum „Licht am Ende des Tunnels“ hat der Kanzler bereits im vorigen Jahr Millionen Österreichern Hoffnung auf einen „normalen Sommer“ 2021 gemacht. Die Impfungen würden als „Gamechanger“ die Wende im Kampf gegen die Pandemie bringen.

Normalität im Sommer?

Jetzt, ein halbes Jahr später, ist die anfängliche Euphorie über eine zurückkehrende Normalität bei vielen Menschen wieder verblasst. Schneckentempo beim Impfen, fehlende Konzepte und Aufsperrpläne für die Gastronomie-, Event- und Kulturbranche tragen zum Unmut in der Bevölkerung bei.

Um die Motivation trotzdem hochzuhalten, musste am Montag der „Ketchup-Effekt“ herhalten – das Versagen beim Impfen überspielten Anschober und Kurz mehrmals damit, dass Österreich „Testweltmeister“ sei. Eine Rückkehr zur Normalität in wenigen Monaten sei nach wie vor „realistisch“, so der Kanzler.

WHO: „Kein Ende der Pandemie 2021“

Neben vieler heimischen Experten, die angesichts der angespannten Lage bei den Infektionszahlen vor weiteren Lockerungen warnen, lassen nun auch neueste Prognosen aus Genf die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität schwinden.

Denn laut WHO sei mit einem Ende der Pandemie im Jahr 2021 nicht zu rechnen. Die Vorstellung, dass mit dem Virus bis zum Jahresende abgeschlossen werden könne, sei “verfrüht und unrealistisch”, so WHO-Notfalldirektor Michael Ryan am Montag.

Aufwärtstrend trotz Impfungen

Auch warnte Ryan die Staaten davor, bei der Bekämpfung nicht allein auf Impfungen zu setzen. Grundsätzliche Hygieneregeln seien weiterhin Fundament der Pandemie-Bekämpfung. Zwar könnte man durch die Impfungen die Zahl der Hospitalisierungen und Todesfälle senken, nach sechs Wochen mit sinkender Tendenz gebe es nun wieder einen Zuwachs, so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Abgesehen von Afrika und der Region im westlichen Pazifik, sei überall ein Aufwärtstrend in den Fallzahlen zu beobachten: “Das ist enttäuschend, aber nicht überraschend.”

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus (Bild: APA Picturedesk)

Ursachen könnten die Corona-Lockerungen und die ansteckenderen Varianten des Virus sein – “und dass die Menschen weniger vorsichtig werden”, sagte Tedros. Erfreulich sei hingegen, dass endlich die Impfung von medizinischem Personal in den ärmeren Ländern begonnen habe, zum Beispiel in Ghana und in Cote d’Ivoire (Elfenbeinküste). Bis Ende Mai erwarte die WHO, dass 237 Millionen Dosen Impfstoff zur Verteilung in 142 ärmeren Ländern bereitstünden. Tedros fügte hinzu: “Es ist bedauerlich, dass dies beinahe drei Monate nach dem Impfstart in manch besonders reichen Ländern passiert.”

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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