Aufstand beim Kurier

Redakteure zeigen Kurz an

Im bürgerlichen „Kurier“ gibt es einen Aufstand gegen Sebastian Kurz. Eine Gruppe von Redakteuren zeigt den Bundeskanzler wegen Falschaussage an. In ihrer Anzeige beschreiben die Journalisten, wie der „Kurier“ auf Linie gebracht worden sein soll.

Wien, 31. März 2021 | Wir sind eine Gruppe von Journalisten und Juristen, die beobachtet haben, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz im Ibiza- Untersuchungsausschuss die Unwahrheit gesagt hat. Das ist der erste Satz einer Anzeige gegen Kurz bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die ZackZack vorliegt. Die Anzeiger möchten anonym bleiben. Sie beschreiben detailliert, wie Interventionen bei der Redaktion des “Kurier” und die Ablöse von Chefredakteur Helmut Brandstätter vonstattengegangen sein sollen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Umfeld unleidliche Journalisten entfernt hat.“ Das sagte Kurz im Ibiza-Ausschuss. Die “Kurier”-Mitarbeiter sind anderer Ansicht:

Die Ablöse von Dr. Brandstätter als Chefredakteur des „Kurier“ hat sich über viele Monate gezogen. Die Redaktion des „Kurier“ hat das immer wieder mitbekommen, auch in anderen Redaktionen in Wien wurde darüber geredet, dass SK den Chefredakteur rauswerfen lassen werde, Raiffeisen (der Mehrheitseigentümer des „Kurier“, Anm.) steht ja der ÖVP nahe.

„Gott sei Dank ist der Kurier jetzt eine ÖVP-Zeitung“

Eine besondere Rolle soll Gabi Spiegelfeld gespielt haben. Sie habe noch vor der Bestellung Martina Salomons als neue Chefredakteurin im September 2018 mehreren Gesprächspartner erzählt, dass Martina Salomon bereits einen Vertrag als Chefredakteurin hat. In der Umgebung von Kanzler Kurz sei das als Erfolg gewertet worden. Spiegelfeld habe mehrfach geäußert: Gott sei Dank ist der “Kurier” jetzt eine ÖVP-Zeitung. Das sei Sebastian Kurz ein persönliches Anliegen gewesen.

Kurz-Intimus Thomas Schmid hatte Kanzler Kurz 2018 im Februar gebeten, wegen einer Recherche über die ÖBAG bei “Kurier”-Chefredakteur Helmut Brandstätter persönlich zu intervenieren. Kurz sagte das zu, rechnete sich aber geringe Erfolgschancen aus: „Na ja, der hasst mich. Ich ruf ihn gern an, bin nur nicht sicher ob das nützt?!“

War Helmut Brandstätter selbst in die Anzeige gegen Kurz involviert? Auf ZackZack-Nachfrage sagt der NEOS-Abgeordnete, er wisse lediglich, dass es eine Anzeige von Personen gebe, „denen der “Kurier” am Herzen liegt.“

Das Image des Sebastian Kurz

Neben den Vorgängen um Brandstätters Ablöse beschreiben die Redakteure auch Interventionen detailliert: In der “Kurier”-Redaktion war schon in der Zeit, als SK Außenminister bekannt, dass er ständig in der Redaktion angerufen hat, dazu auch sein Pressesprecher Gerald Fleischmann, später auch Johannes Frischmann. Es sei bei diesen Anrufen nicht darum gegangen, ob eine Geschichte stimmte oder nicht, sondern um das Image Kurz‘. Das sei auch aus anderen Redaktionen bekannt gewesen, aber beim “Kurier” erlaubte er sich einen besonderen Zugriff, weil (Raiffeisen-Manager, Anm.) Erwin Hameseder sein Vertrauter war und er Raiffeisen als Teil des ÖVP-Reiches betrachtete.

Auch Gabi Spiegelfeld habe Redakteuren gesagt, der “Kurier” müsse sich drei Schritte von Christian Konrad entfernen, und: Der “Kurier” muss auf Linie gebracht werden.

Spiegelfeld wollte zur Darstellung der “Kurier”-Redakteure nicht Stellung nehmen. Die Kanzlersprecher Fleischmann und Frischmann waren nicht für Anfragen erreichbar. Ein Sprecher der WKStA bestätigte am Mittwochabend auf ZackZack-Anfrage, dass die Anzeige eingelangt ist.

(tw)

Update: Die Bestätigung des WKStA-Sprechers wurde um 18:20 ergänzt.

Titelbild: APA Picturedesk

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