Freitag, Februar 23, 2024

Fake-Hysterie um Staatspleite

Einige Zeitungen übernahmen am Donnerstag eine irreführende Darstellung des ÖVP-nahen Thinktanks „Agenda Austria“, wonach Österreich bald verschuldeter sei als Griechenland. Doch von einer Schuldenkrise kann laut Kritikern nicht die Rede sein.

„Wird Österreich das neue Griechenland?“ Diese Suggestivfrage warf der ÖVP-nahe wirtschaftsliberale Think Tank „Agenda Austria“ am Mittwoch auf X (ehemals Twitter) in den digitalen Raum. Nicht ohne Folgen. Bereits am nächsten Tag verbreiteten einige österreichische Medien die Hysterie-Schlagzeile, Österreich sei verschuldeter als Griechenland. Ökonom Oliver Picek spricht von „Fake News“ Schlagzeilen.

Schulden-Hysterie in „Kurier“ und „Krone“

„Österreich ist mittlerweile höher verschuldet als Griechenland. Experten schlagen Alarm“, schreibt etwa die Kronen Zeitung. Bei den zitierten Experten handelt es sich um die wirtschaftsliberalen Wirtschafts-Aktivisten von „Agenda Austria“, die das Gerücht um die alarmierende Staatsverschuldung selbst in die Welt gesetzt hatten. Ihr Argument: Die Pro-Kopf Verschuldung von rund 40.000 Euro sei in Österreich höher als in Griechenland. Die Agenda Austria kommt in der Krone in Person von Hanno Lorenz auch persönlich zu Wort: Österreich habe „das Maß verloren“.

Quelle: Screenshot krone.at

Ähnliche Pleite-Ängste, wenngleich vorsichtiger formuliert, schürt der Kurier. Dort heißt es schon in der Überschrift: „Österreich hat höhere Pro-Kopf-Verschuldung als Griechenland“. Zum Abschluss gibt der Kurier einen Hinweis auf die Aussagekraft der Statistik: „Die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung weist gemäß dieser Statistik Bulgarien auf.“

Industriellenvereinigung besorgt um höhere Löhne

Der Schuldige ist nicht nur bei der „Agenda Austria“ schnell gefunden. Auch die Industriellenvereinigung (IV) weiß bereits, wer an der angeblich drohenden Staatspleite schuld ist: Die Lohnabschlüsse und Pensionserhöhungen der vergangenen Wochen. Vom Schuldenstand der Republik spannt die Krone den Bogen plötzlich zur Rentabilität der Industrie. Eine kritische Einschätzung der „Agenda Austria“-Behauptung findet man nicht. Stattdessen hat die Industriellenvereinigung in Bezug auf die steigenden Löhne das letzte Wort: „Das beobachten wir mit Sorge“.

Darstellung unseriös

Ökonom Oliver Picek vom Momentum Institut schreibt auf X demgegenüber von „schwindeligen Zahlen, die kein Ökonom verwendet“. Entscheidend sei nicht die Pro-Kopf Verschuldung, sondern die Verschuldung im Vergleich zur Wirtschaftsleistung. Oliver Picek erklärt das so: Die Agenda berechnet die Schulden (pro Einwohner). Das ist völlig bedeutungslos. Denn es zählt: Kann man seine Schulden zurückzahlen? Ob und wie leicht das geht, kommt auf die Höhe des Einkommens an, mit dem man die Schulden abbezahlen kann. Die Griechen erzielen pro Kopf nur gut die Hälfte des Einkommens der Österreicher. Für jeden Euro Schulden tut sich Griechenland also fast doppelt so schwer wie Österreich, das Geld wieder zurückzuzahlen.“

Eine Pleite Österreichs ist demnach nicht in Sicht. Eine Bankrottdemonstration des herkömmlichen Journalismus schon eher.

Titelbild: pixabay, Screenshot krone.at (Logo), Screenshot kurier.at (Logo)

Daniel Pilz
Daniel Pilz
Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.
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13 Kommentare

  1. Sind diese staat schulden, ohne private kredite ?
    Die rechnungshof soll eine zahl nennen vieviel geld die regierung bei Fenster geschmissen hat, von 2020 bis heute.
    Kann dass so schwer sein?
    Lifebird labor AG
    Pfizer AG
    EVN AG
    Wien Holding AG
    Gemeinde Wien AG
    Austria airlines AG
    Cofag AG
    Karl Mahrer AG
    Usw…

  2. Die Schulden meines Vaters sind pro Kopf 150.000 Euro und die Bank würde ihm gerne noch einen Kredit geben.

    Bei diesen Ökonomen der IV sind diese Aussagen auch kein Wunder. Die USA haben sie vorsorglich ausgelassen.

    • Das Thema Staatspleite geistert mit erheblicher Vehemenz durch (a)soziale Meiden, zB YT. ZB Kettner-Edelmetall (die verkaufen Gold-Münzen) schürt diese Angst (“Kaufen sie Gold!”, na was denn. Man darf die Gelegenheit nicht verpassen.) seit längerer Zeit. Mit dabei ist Markus Krall ein bis in die Knochen Markt-Liberaler.
      Auch wenn sie mit vielem in ihrer Kritik an EU, und DE-“Regierung” Recht haben. Sie lassen einen wesentlichen Aspekt der Staatsschulden aus, nämlich wie Flassbeck so schön sagt: Wenn die Privaten ihr Geld sparen (und die Firmen keine Kredite aufnehmen und Geld investieren, so muss der Staat einspringen(sonst geht die nominelle Nachfrage zurück, und die Preise fallen (das wäre Deflation! Das ist schlimmer als moderate Inflation.)

      Bezüglich der IV heißt das, die Burschen investieren zu wenig und zwar seit 2000! Die sind das Problem, und zwar ein ganz ein Großes!

      • Dazu kommt, dass die Gewinnsteuern ab 2000 deutlich gesenkt wurden und damit die Staatseinnahmen. Die zusätzlichen Gewinne wurden mehrheitlich aber nicht in Ö investiert.

  3. Das Ganze ist schon sooo tief, dass man sich gar nicht mehr dazu äussern möchte, aber auch, weil es doch nie etwas nützt oder nützten würde…

    • Das berühmt berüch Meinungsumfrageinstitut SORA hat gerade festgestellt, dass das Vertrauen in die Politiker gegenüber dem letzten Jahr nun von 35 auf 39 Prozent wieder gestiegen sei….??? (Vor allem die Besserverdienenden sollten hier einen großen Anteil dafür haben?)

      – Wahrscheinlich fühlen sich nach dem noch immer nicht abgeklärten Tod (erinnert mich an die damaligen Berichterstattungen zu Fällen wie Kampusch, Alijev, Haider, etc.) vom Sektionschef nun sehr viele mehr wieder sicher?

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