Rätseln über Autopilot bei tödlichem Tesla-Unfall

Musk-Tweet Auslöser für Durchsuchung

Nach einem tödlichen Unfall mit einem Tesla in der Nähe der US-Millionenmetropole Houston ist noch unklar, ob das Auto im Selbstfahrmodus unterwegs war. Ein Tweet von Elon Musk führt zu einer Durchsuchung.

Wien, 20. April 2021 |  Am Dienstag werde ein Durchsuchungsbefehl an Tesla zugestellt, um Daten zum Autopilot des Fahrzeugtyps Model S zu sichern, das in Texas verunglückte, erklärte die Polizeibehörde. Auslöser der Durchsuchung ist ein Tweet von Firmenchef Elon Musk.

“Die bisher sichergestellten Datenprotokolle zeigen, dass der Autopilot nicht aktiviert war”, schrieb der Elektroauto-Pionier. Das Auto habe gar nicht über die Funktion verfügt. Diese könne nur bei Straßen mit Seitenmarkierung aktiviert werden, die habe es an der Strecke aber nicht gegeben.

Zwei Männer waren am Wochenende in einem Tesla gegen einen Baum gefahren und im Wrack verbrannt. Die Polizei erklärte, auch mit Verweis auf Zeugenaussagen, es sei niemand am Steuer gesessen. Laut Polizei war das Tesla-Model S, Baujahr 2019, mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, als es aus der Kurve flog. Die beiden Todesopfer seien auf dem Beifahrersitz und auf dem Rücksitz gefunden worden. Zeugen erklärten demnach, es habe sich um eine Testfahrt gehandelt, um vorzuführen, wie das Auto ohne Mensch am Steuer fahren kann.

Teslas Assistenzsystem für automatisiertes Fahren ermöglicht, zeitweise die Hände vom Steuer zu lassen. Der Hersteller weist aber darauf hin, dass ein Fahrer stets die Kontrolle behalten muss und es sich nicht um ein völlig autonom fahrendes Auto handelt.

28. Unfall

Die Funktion “Full Self-Driving” sei in dem Unglücksfahrzeug nicht installiert gewesen, twitterte Musk. Der Autobauer sammelt in regelmäßigen Abständen über seine Server Betriebs- und Überwachungsdaten aller verkauften Fahrzeuge. Es war vorerst unklar, ob die Unfallermittler Daten in dem fast völlig verbrannten Wrack bergen können. Wenige Stunden vor dem Crash hatte Musk noch über Twitter geworben: “Tesla mit Autopilot nähert sich einer zehnfach niedrigeren Unfallwahrscheinlichkeit als ein durchschnittliches Fahrzeug.”

Es ist der 28. Unfall mit Tesla-Wagen, den die US-Verkehrssicherheitsbehörden mit Blick auf die Rolle der Autopilot-Funktion untersuchen. In den vergangenen fünf Jahren gab es drei Tesla-Unfälle mit Todesopfern in Zusammenhang mit automatisiertem Fahren. Für die Autoindustrie ist das ein kritisches Thema. Denn sie steckt Milliarden in die Entwicklung des autonomen Fahrens, das sich aber nur bei großem Vertrauen der Konsumenten in eine absolute Sicherheit verkaufen lässt.

Vier Stunden für Löschung gebraucht

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde untersucht jetzt in Texas außerdem die Brandgefahr des Elektroautos. Denn die Feuerwehr brauchte wegen der Lithium-Ionen-Batterie vier Stunden, um das Feuer zu löschen.

Vorwürfe über angebliche Sicherheitsprobleme bei Tesla sorgten unterdessen auf der Automesse in Shanghai für Aufsehen. Eine Frau war am Montag auf ein Ausstellungsauto am Messestand gesprungen und hatte gerufen, die Bremsen bei Tesla-Autos funktionierten nicht. Videos von dem Vorfall zogen weite Kreise in sozialen Medien. Tesla erklärte, mit der Frau ergebnislos über eine Rückgabe ihres Wagens verhandelt zu haben, nachdem diese Anfang des Jahres einen Unfall mit zu hoher Geschwindigkeit gebaut habe. Die protestierende Tesla-Kundin wird wegen Störung der öffentlichen Ordnung fünf Tage lang ins Gefängnis gesteckt, wie die Polizei in Shanghai bekannt gab.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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2 Kommentare
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Unbekannt
20. 04. 2021 13:08

Diese Lithium-Ionen-Bomben sind ein echter Segen. Für Lithium wird die Umwelt zerstört, für Kobalt dürfen Kinderhände arbeiten, der Strom kommt aus den Kohlekraftwerken, weil man in Deutschland funktionierende Atomkraftwerke sprengt und Wind eben nicht immer weht und der sowieso bei weitem nicht reicht. Wie ein betrunkener in den Abgrund.

Sosindwirdoch
20. 04. 2021 11:25

Das steigert ja das Vertrauen in Tesla, wenn Kritik äussern direkt ins Gefängnis führt!

Mein Hausverstand hält mich davon ab, jemals solch ein Fahrzeug zu besteigen.

Allerdings sorge ich mich um meine Zukunft als Radfahrerin, wenn ich mich nicht mehr via Blickkontakt vergewissern kann, ob der starke Verkehrsteilnehmer in seiner Blechschüssel mich wahrnimmt.

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