Montag, Juli 22, 2024

“Außer Kontrolle”: Entwicklungspause bei künstlicher Intelligenz gefordert

Weil künstliche Intelligenz (KI) selbst für Entwickler nicht mehr kontrollierbar sei, fordern rund 1.000 Experten in einem gemeinsam veröffentlichten Schreiben eine Pause beim Wettrüsten künstlicher Intelligenz.

New York | Elon Musk und viele Expertinnen und Experten aus der KI-Branche haben eine sechsmonatige Pause bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenzen gefordert. Die Zeit solle genutzt werden, um ein Regelwerk für die Technologie zu schaffen, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief der Organisation “Future of Life”. „Leistungsstarke KI-Systeme sollten erst dann entwickelt werden, wenn wir sicher sind, dass ihre Auswirkungen positiv und ihre Risiken überschaubar sind.“

Unkontrollierbare Roboterhirne

Die Verfasser des Briefs wiesen auf die Gefahren sogenannter Generativer KI wie ChatGPT hin. Diese Programme können menschliche Interaktion simulieren und anhand weniger Stichworte Texte oder Bilder erstellen. „KI-Systeme mit menschlich-kompetitiver Intelligenz können tiefgreifende Risiken für die Gesellschaft und die Menschheit mit sich bringen“, heißt es in dem Schreiben.

Diese Technologie sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass selbst die Entwickler ihre Programme nicht mehr verstehen oder wirksam kontrollieren könnten. Dadurch könnten die Informationskanäle mit Propaganda und Unwahrheiten geflutet und massenhaft anspruchsvolle Jobs wegrationalisiert werden. Aus diesem Grund sollten alle Entwickler, die an Künstlicher Intelligenz (KI) der nächsten Generation arbeiten, ihre Arbeit öffentlich nachprüfbar einstellen. Geschehe dies nicht umgehend, müssten die Staaten ein Moratorium verhängen. Einen generellen Stopp von Forschung an KI wollten die Unterzeichner damit nicht in den Raum stellen: „Dies bedeutet nicht, dass die KI-Entwicklung im Allgemeinen pausiert, sondern lediglich, dass der gefährliche Wettlauf zu immer größeren, unvorhersehbaren Black-Box-Modellen mit emergenten Fähigkeiten beendet wird“.

Wettlauf um künstliche Intelligenz

Seit der Vorstellung von ChatGPT im November 2022 liefern sich viele Großkonzerne, allen voran Microsoft und Google, ein Rennen um die technologische Führerschaft bei KI. Quasi im Wochentakt werden neue Anwendungen vorgestellt, weil sich Unternehmen von dieser Technologie sprudelnde Gewinne versprechen. Einige Staaten wie China betrachten KI als strategisch wichtig und wollen Entwicklern große Freiheiten lassen.

Future of Life zufolge hat Sam Altman, Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, den Aufruf nicht unterschrieben. Elon Musk gehört zwar zu den Mitgründern dieser Firma, hat sich aber wiederholt kritisch zu diesem Thema geäußert und staatliche Regulierung gefordert.

Titelbild: STEFANI REYNOLDS / AFP / picturedesk.com

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