ÖBAG-Aufsichtsratchef Kern im U-Ausschuss

Schmid-Bestellung im Zentrum

Zugeknöpft und mit wenig Wahrnehmungen präsentierte sich der Chef des ÖBAG-Aufsichtsrats Helmut Kern im Ibiza-U-Ausschuss. Er sieht rund um die Bestellung von Thomas Schmid keine Probleme.

 

Wien, 04. Mai 2021 | Als „Golfer mit steiler Karriere“ porträtierte das „Industriemagazin“ den Manager Helmut Kern als dieser zum Chef des ÖBAG-Aufsichtsrats bestellt wurde. ÖBAG-Chef Thomas Schmid lernte er im Februar 2019 kennen. Mit Sebastian Kurz verbinde ihn ein „freundschaftliches Verhältnis“, so Kern im Ibiza-U-Ausschuss am Dienstag.

Kein Interesse an Schmid-Kontroverse

ZackZack deckte bereits vor Monaten auf: Rund um die Bestellung des Aufsichtsrat-Chefs hatte ÖVP-Chef Kurz den Manager Siegfried Wolf im Sinn („Kurz scheißt sich voll an“). Dass Wolf eigentlich Kerns Job machen hätte sollen, davon wusste er nichts. Kurz-Intimus Bonelli habe ihm Anfang 2019 die Rutsche gelegt, wenig später rief der damalige Finanzminister Hartwig Löger an und habe ihm den Job angeboten.

Wann hat Kern erfahren, dass Schmid an der Ausschreibung des ÖBAG-Chefpostens selbst mitgearbeitet hat? „Keine Wahrnehmungen.“ Zur Erinnerung: Schmid, seine Mitarbeiterin Melanie Laure und der jetzige COFAG-Chef Bernhard Perner schnitzten die Ausschreibung zusammen. SPÖ-Krainer zeigte sich äußerst verwundert, dass Kern als Aufsichtsratschef der umfangreichen Medienberichterstattung zum Thema nicht nachgegangen sei. Kern habe Schmid und seine beiden Mitautoren nicht darauf angesprochen.

Er habe die Ausschreibung als „professionell“ klassifiziert. Wer sie verfasst hat, damit habe man sich nicht befasst. dem Aufsichtsrat sei gesagt worden, dass Personalberater daran gearbeitet hätten.

Abendessen

Bei einem Abendessen mit Schmid wenige Tage vor dessen Bewerbungsgespräch „könnte es sein“, dass es damals auch schon um Schmids Bestellung ging, sagte Kern. Den genauen Inhalt des Treffens in einem Lokal im ersten Wiener Gemeindebezirk wisse er aber nicht mehr. Es war jedoch das einzige Abendessen mit einem Bewerber kurz vor dessen Hearing. Ob so etwas „internationaler Standard“ sei, fragte Krainer? „Keine Wahrnehmungen.“ Später, als Nina Tomaselli (Grüne) nachhakte, betonte Kern: Er habe mit Schmid „in seiner Funktion als Generalsekretär“ getroffen, „nicht als Bewerber.“

Dass die ÖBAG, die Blümel im Chat „Schmid AG“ nannte, auf den jetzigen Chef zugeschnitten war, wusste Kern ebensowenig. Er habe auch keine Wahrnehmungen, dass sich Schmid die Aufsichtsräte selbst ausgesucht habe. Auch nicht dazu, wie Schmid zu seinen Posten als Aufsichtsratschef unter anderem beim Verbund und der OMV gekommen ist. Jan Krainer wies im Verlauf der Befragung auf ein E-Mail an Wolfgang Sobotka (ÖVP) hin. Darin plante man die Aufsichtsräte der ÖBAG-Beteiligungen. Sobotka sollte über die Personalien informiert werden.

Besonders erhellend war die Befragung von Kern nicht. Der gute Bekannte von Sebastian Kurz verteidigte die Vorgänge rund um die ÖBAG vehement. Über veröffentlichte Chats von Schmid, die laut SPÖ-Kern „klar beweisen, dass seine Bestellung und der Aufsichtsrat schon lange vor dessen Bestellung abgemacht war“, habe der Aufsichtsrat nicht gesprochen. Etwa die Nachricht von Schmid an Blümel: „Gib mir einen guten Aufsichtsrat-Chef.“ Man habe im Aufsichtsrat „besseres zu tun.“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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