Register gegen »Impfapartheid«

Viele Betriebe pfeifen auf Corona-Nachweise

Ein Verzeichnis im Internet listet Betriebe, die für den Zutritt in ihre Lokale keinen Corona-Nachweis verlangen. Die verantwortliche Website will sich damit gegen die “Diskriminierung von nicht geimpften Personen” wehren.

Wien, 20. Mai 2021 | Seit Mittwoch darf man getestet, geimpft oder genesen wieder Gastronomie, Sport- oder Kulturstätten besuchen. Doch nicht alle Betriebe machen bei der neuen Regelung mit. Viele lassen sich sogar öffentlich in einem Verzeichnis auflisten, um zu zeigen, dass man auf jegliches Kontrollieren von Corona-Nachweisen verzichtet.

“Drohende Impfapartheid”

Das Branchenverzeichnis, das laut eigenen Angaben mittlerweile 982 Anbieter aus den unterschiedlichsten Branchen zählt, wird von der Website “animap.at” geführt. Die Seite, die ihren Ursprung in der Schweiz hat und auch dort aktiv ist, gibt es seit zwei Monaten und ist bereits in fünf Ländern vertreten. Die angemeldeten Betriebe sind quer über das Land verteilt. Allein im Raum Wien sind über 200 Unternehmen als “Nachweis-frei” gelistet.

Aber worum geht es den Betreibern? Auf der Startseite heißt es, dass man sich mit “Animap” gegen die “Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen” wehren möchte. In Zukunft würden alle, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen “benachteiligt” werden. Sogar von einer “drohenden Impfapartheid” ist die Rede.

Das Verzeichnis solle daher jenen Betrieben dienen, die “allen Menschen freien Zugang zu ihren Produkten und Dienstleistungen gewähren” möchten.

“Tests nur für Geimpfte”

Die Unternehmen, die ihren Widerstand gegen die Einlass-Kontrollen auf der Seite öffentlich zur Schau stellen, kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Auffallend viele (laut Website sind es 240) kommen jedoch aus der Gesundheitsbranche. Eine gelistete Praxis für Chiropraktik betont auf ihrer eigenen Website sogar, Tests nur von geimpften Personen zu verlangen.

Der Rest der Liste setzt sich aus Praxen verschiedenster medizinischer Bereiche zusammen. Physio- und Psychotherapie sind dabei genau so vertreten wie Energetik, Lebensberatung und Naturheilkunde. Auch Massage- und Yogastudios sind gelistet.

Neben anderen körpernahen Dienstleistern zeigen auch Betriebe aus Handel, Gastronomie, KFZ-Technik, Kunst und Kultur, dass sie bei der Verordnung der Bundesregierung nicht mitmachen.

Website auch auf Telegram aktiv

Aktiv sind die Betreiber von “Animap” auch auf der Plattform Telegram. Mithilfe eines eigenen Kanals wird eine knapp 2.000 Abonennten zählende Community bedient. Geteilt werden vor allem Artikel, die in ihren Texten den “Grünen Pass” behandeln, dem man mehr als kritisch gegenübersteht. Auch auf Quellen, die vor allem in der Szene der Maßnahmen- und Impfkritiker beliebt sind, wird zurückgegriffen. Hin und wieder erscheint auch der eine oder andere Text aus rechtsextremen Medien im Verlauf des Kanals.

Ankündigung reicht nicht für Strafe

Drohen den regsitrierten Unternehmen Strafen? Wie der “Standard” recherchiert hat, würde das Büro für Sofortmaßnahmen diese Betriebe “im Auge haben”. Das alleinige Aufscheinen im Verzeichnis würde nicht automatisch bedeuten, dass das Unternehmen auch wirklich so handelt.

“Grundsätzlich sehen die Strafbestimmungen des Covid-19-Maßnahmengesetzes Verwaltungsstrafen bei Verstößen vor. Das Ankündigen, sich nicht an das Gesetz und die darauf basierende Verordnung halten zu wollen, kann nicht geahndet werden.”,

beantwortete auch die WKO eine “Standard”-Anfrage.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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