Kein Diplomatenpass mehr für Thomas Schmid

ÖBAG-Chef Schmid konnte es nicht fassen, ohne Diplomatenpass reisen und mit gewöhnlichen Menschen beim Behördengang warten zu müssen. Die nennt er „Pöbel“ und „Tiere“.

 

Wien, 31. Mai 2021 | Die nächste Ladung Schmid-Chats liegt dem Ibiza-U-Ausschuss vor. Sie zeigt, wie weit weg vom Volk der mächtige ÖVP-Mann Thomas Schmid augenscheinlich ist.

In einem Chat mit seiner Mitarbeiterin und ÖVP-Politikerin Melanie Laure äußerte sich Thomas Schmid abfällig über Menschen, mit denen er reisen und in der Schlange bei einem Behördengang warten musste.

Kein Verzicht auf Privilegien

Es ist der 12. März 2019, knapp zwei Wochen vor der Bestellung von Kurz-Intimus Thomas Schmid zum mächtigen ÖBAG-Alleinvorstand. Schmid ist zu diesem Zeitpunkt noch Generalsekretär im Finanzministerium (BMF). Schmid möchte verreisen und braucht ein US-Visum. Eine ESTA-Reisegenehmigung reicht in diesem Fall nicht: „Das bekomme ich nicht mehr. Weil ich im Schurkenstaat (vermutlich Sudan, Red.) war“, sagt Schmid seiner Mitarbeiterin Laure, die deshalb bei der Botschaft anrufen soll. Laure macht Schmid darauf aufmerksam, dass er seinen Diplomatenpass als ÖBAG-Chef nicht mehr haben werde, da dieser an „deiner außenpolitischen Beraterstelle des KCs (Kabinettschefs, Red.)“ hänge. Das will Schmid nicht akzeptieren. Mit dem Dienstpass für Regierungsangehörige gibt er sich nicht zufrieden, er will seinen geschätzten Diplomatenpass vom BMF behalten. Doch es nützt nichts: „Wenn ich weiterhin Diplomatenpass haben will müssen wir das Gesetz ändern.“ Schmid gibt auf: „Da werden wir passen müssen. Das ist einfach vorbei.“

„Reisen wie der Pöbel“

Als Schmid realisiert, dass er wie andere Menschen reisen wird müssen, ist er verzweifelt:

„Oh Gott, reisen wie der Pöbel.“  Laure hat aber noch eine Idee: ÖVP-Großspender Schütz „hat auch einen roten Pass. Müssen mal fragen, wie der sich seinen Pass organisiert hat.“ Laure und Schmid vermuten, dass Schütz Honorarkonsul ist. Dessen Frau Eva soll deshalb konsultiert werden: „Das wäre ja ein Skandal. Der schon und ich nicht“, so Schmid, der nicht glauben kann, warum er leer ausgehen sollte. Laure zieht ihn auf: „Wenn du dann nach Pakistan reist, wird es schwierig am Flughafen beim Fußvolk (Lachsmiley mit Tränen).“ Schmids Antwort: „Oh Gott. Du machst mir gerade Angst.“

Thomas Schmid hatte in seiner Zeit als Kabinettsmitarbeiter von ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger die Aufnahmeprüfung für den diplomatischen Dienst, das sogenannte Préalable abgelegt, war jedoch nie im diplomatischen Dienst tätig. In Diplomatenkreisen heißt es, Schmids Fremdsprachenkenntnisse seien so schlecht, dass er die Prüfung eigentlich nicht hätte bestehen dürfen – außer durch Schiebung.

Muss „zu diesen Tieren“

Wie weit entfernt Schmid von den Menschen, die seine Partei wählen sollen, zu sein scheint, zeigt sich auch in einem weiteren Gespräch nur zwei Tage später. Am 14. März 2019 muss Schmid einen lästigen Behördengang erledigen: er braucht für seine Bestellung zum Alleinvorstand der Beteiligungen der Republik in Höhe von rund 26 Milliarden Euro einen sauberen Strafregisterauszug. Den muss er freilich selbst holen. Als er sich mit Laure wegen Terminen koordiniert, lässt er sich über die anderen Wartenden aus:

„Ich hasse euch dass ich da herkommen muss zu diesen Tieren für Strafregister.“  Laure erklärt ihrem Chef, dass der Auszug nicht ewig gelte und Schmid womöglich irgendwann wieder selbst zur Behörde müsse: „Der gilt nur 6 Monate.“ Schmid: „Ich weiß eh. Ich hasse das hier.“ Wieder zieht ihn Laure auf: „So ist auch reisen ohne Diplomatenpass (Lachsmiley mit Tränen, Affensmiley mit zugehaltenen Augen).“ Ihr Chef findet das weniger amüsant: „Das ist nicht lustig.“

Zwischen all dem Auslassen über Mitmenschen finalisiert Schmid mit Hilfe von Laure die letzten Details für seine Bestellung. Nur zwei Wochen später ist klar: Schmid bekommt den Posten, den er sich laut vorliegender Erkenntnisse selbst mitgebastelt hat. Laure freut sich: „Wir haben das so super gemacht! Bin sehr stolz auf dich!“ Schmid freut sich ebenso und lässt wissen, wie wenig er seinen Noch-Arbeitgeber, das BMF, vermissen wird: „Yes. Endlich raus aus dem Kindergarten. Du hast das alles genial gemanagt. Ohne dich konnte ich gar nix machen.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schmid im Zusammenhang mit der Casinos-Affäre. Im Ibiza-Untersuchungsausschuss soll Schmid falsch ausgesagt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Eine Klage gegen ZackZack zog Schmid unlängst zurück. Es ging um die Frage, ob Schmid sein Handy löschte, weil er mit einer Hausdurchsuchung rechnete. Den Ermittlern der WKStA war es – nach einem Misserfolg der zuständigen SOKO – gelungen, rund 300.000 Nachrichten von Schmids Handy wiederherzustellen.

Witze über Flüchtlinge

“Puls24” veröffentlichte am Montag weitere Chats zwischen Laure und Schmid. Darin scherzen die ÖVP-Politiker über Bootsflüchtlinge. Es geht um eine Äthiopienreise Schmids, die Laure organisiert.

Laure: “Ab Kairo gibts Schlauchboote”

Schmid: “Mit den Flüchtlingen. Eh klar :-)”

(wb/tw)

Update: Der Absatz über die Bootsflüchtlinge wurde um 13:48 ergänzt.

Titelbild: APA Picturedesk

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