Thomas Schmid und der Deal mit »den Russen«

Im Juli 2018 bittet Thomas Schmid um einen Termin mit „den Russen“. Im Fokus steht die Firma eines schillernden Oligarchen, dessen Übernahme einer Raiffeisen-Tochter drei Jahre später zu scheitern droht. Über einen Deal mit vielen Fragezeichen.

 

Benjamin Weiser

Wien, 07. Juni 2021 | Krimi um den Verkauf der Kärntner Posojilnica Bank: Die Raiffeisen Bank International (RBI) schafft es Stand jetzt nicht, ihre krisengeschüttelte Tochter loszuwerden und an die britische Sova Capital Group zu verkaufen. Überraschend will die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Auslösung der „Poso“ aus dem RBI-Verbund nicht gestatten, wie die „Kleine Zeitung“ berichtet.

Treffen mit „den Russen“

ÖBAG-Chef Thomas Schmid, in den vergangenen Wochen immer wieder in die Schlagzeilen geraten („Pöbel“, „Tiere“), dürfte das interessieren. In seinen von den Ermittlern sichergestellten Chats ist ein Terminwunsch zu finden. Er stammt aus Schmids Zeit als Generalsekretär im Finanzministerium (BMF). Am 26. Juli 2018 schreibt Schmid an seine Mitarbeiterin:

„Sova Capital – d Russen / Frank A. Bitte Termin ausmachen. Gabi weiß Bescheid.“

Hinter der Sova Capital steht ein schillernder Oligarch. Roman Avdeev hatte in den wilden Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion die Moskauer Credit Bank gekauft und wurde Milliardär. Jetzt wohnt der Russe mit zypriotischem Pass in London, von wo aus er seinen Geschäften nachgeht. Der Vater von 23 Kindern will sich mit dem „Poso“-Kauf Zugang zum EU-Kapitalmarkt verschaffen. Grund ist der Brexit. Für die Sova Capital wäre der Deal demnach ein wichtiger Schritt.

Sollten Thomas Schmid und Gabi Spiegelfeld (vermutlich mit „Gabi“ gemeint, Red.) den Deal bereits vor Jahren einfädeln? Sowohl Schmid als auch Spiegelfeld wollten auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Spiegelfeld wird allerdings morgen noch einmal Gelegenheit dazu haben: sie ist im U-Ausschuss geladen.

Verbindungen zwischen ÖVP, RBI und FMA

Für den Deal wichtige Personen sind in der ÖVP bestens vernetzt. Im Zentrum steht Michael Höllerer. Der Finanzchef der RBI gilt als Bindeglied zwischen Partei und Bank. So war der Rothensteiner-Vertraute zunächst von der FMA (dort bis 2006 Abteilungsleiter für Aufsichts- und Genehmigungsverfahren) zur RBI als dortiger Vorstands-Chefsekretär gewechselt. Nur zwei Jahre später ging es für Höllerer geradewegs in die Kabinette der ÖVP-Finanzminister Josef Pröll und Maria Fekter (dort zuständig für Finanzmarkt und Banken), ehe er wieder zurück zur RBI wechselte.

Der jetzige RBI-Finanzchef wird gemäß Raiffeisen-Insidern als der Nachfolger von CEO Johann Strobl gehandelt – und das, obwohl Höllerer ausgebildeter Jurist und kein Betriebswirt ist. Pikant: seine Frau ist Abteilungsleiterin in der FMA, wo sie laut Organigramm ausgerechnet für die Aufsicht der „sonstigen Groß- und Regionalbanken“ zuständig ist. Dass darunter die „Poso“ fällt, bestreitet die FMA. Die Höllerer-Connection war Grünen-Chef Werner Kogler schon vor Jahren im Zuge des Hypo-U-Ausschusses aufgefallen. Ein möglicher Interessenkonflikt, den die RBI zu entkräften versucht: Höllerer sei intern nicht mit der Causa betraut und habe auch keine zusätzliche Funktion bei der “Poso”, heißt es auf Anfrage. Die FMA selbst darf zu laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben.

SPÖ-Kaiser und Kärntner Slowenen protestieren

Vertreter der Kärntner Slowenen stehen dem Avdeev-Plan seit Bekanntwerden ablehnend gegenüber. Für die Volksgruppe ist die traditionsreiche Bank identitätsstiftend. Sogar Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sprang bereits im Mai 2020 ein und rief die RBI in einem Brief an CEO Strobl Erhalt des Geldhauses auf. Die “Poso” sei Partner der regionalen Wirtschaft und wichtig für das slowenische Kultur- und Sportleben, was bei Verkaufserwägungen miteinbezogen werden solle, so Kaiser. Die Kärntner Slowenen pochen auf ein solides Management anstelle eines Verkaufs mit ungewissen Folgen.

Der kaufwillige Oligarch Avdeev beteuert der “Kleinen Zeitung” zufolge indes, die „Poso“-Zentrale bei erfolgreichem Erwerb in Klagenfurt zu belassen. Dem Vernehmen nach will er den deutschen Manager Igor Strehl als CEO einsetzen. Strehl ist ehemaliger Top-Banker der russischen Großbanken VTB und Sberbank, die wichtige Standorte in Wien haben. Zum kolportierten Scheitern des Deals äußerte sich die Sova Capital bislang nicht.

Warum man die Bank kaufen möchte, ist unklar. Ist doch die “Poso”, in welche die RBI knapp 73 Millionen Euro gepumpt und dafür mehr als 90 Prozent der Anteile erhalten hatte, arg krisengebeutelt. So heißt es vonseiten der RBI: “Die letzten Jahre mussten massive Wertberichtigungen für nicht einbringliche Kredite aus der Vergangenheit gebildet werden, was kumuliert zu einem Verlustausweis von 36 Millionen Euro seit dem Jahr 2016 führte.”

Update 08.06. um 10:25 Uhr: Die FMA legt wert auf die Feststellung, dass die “Poso” unter die Aufsicht der “dezentralen Banken” fällt.

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

20 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare