Wie ein ZackZack-Artikel half, Thomas Schmid zu stürzen

(und warum das schlecht ist)

Du kannst tun, was du willst – aber lass dich nicht erwischen, wie du etwas Unschickliches sagst! Denn über so etwas stolpern hierzulande Politiker.

 

Thomas Walach

Wien, 09. Juni 2021 | Der Fall Schmid ist typisch für die österreichische Seele. Dieses Land sei „die Brutstätte der Neurose“, sagte Erwin Ringel. Allzeit wären wir zu devotem Dienen, mehr noch, zu vorauseilendem Gehorsam bereit. „Devote Liebe kann auch nett sein,“ schrieb der Philosoph Gernot Blümel, ein intimer Kenner hiesiger Verhältnisse.

Doch so freudig wir auch nach oben buckeln (und nach unten treten) – wichtig ist, dass uns das Joch nicht merklich drückt. Wir Österreicher lieben Führer, aber wir möchten von ihnen höflich behandelt werden. Dass die Herrschaft das Land unter sich aufteilt, die Schaltstellen der Republik nach Gutsherrenart besetzt und ihren Förderern mit unserem Geld vielfach vergilt, was die ihr zuvor Gutes taten – geschenkt! Die da oben haben „das System nicht erfunden“. Insgeheim fragen wir uns, ob wir es nicht genauso halten würden. Aber eines geht nicht: Dass die Herrschenden uns ihre Verachtung spüren lassen.

Die Medien kaufen, die Justiz unterwandern, Flüchtlinge quälen – ja. Uns „Pöbel“ und „Tiere“ heißen – nein, das geht zu weit.

Es ist kein Zufall, dass Thomas Schmid, dem Schatzkammerverwalter des Operettenstaats Österreich, nicht sein Handeln, sondern äußere Formen zum Verhängnis wurden. Am 31. Mai veröffentlichte ZackZack Chats, in denen Schmid seine Mitbürger Pöbel und Tiere nannte. Aus dem ÖBAG-Aufsichtsrat ist zu hören, dass diese Äußerungen den Ausschlag zu seinem Rauswurf gaben. Recherchen von Kurier, Ö1, Presse und anderen ergaben dasselbe.

Unser Weg hat erst begonnen

Seit Monaten recherchieren wir in der Causa Thomas Schmid. Einige unserer Rechercheergebnisse wurden zu geflügelten Worten, in dutzenden Artikeln konnten wir nachzeichnen, wie eine Kamarilla aus Michael Spindeleggers ehemaliger Buberlpartie – Kurz, Blümel, Schmid – das Familiensilber der Republik unter ihren Freunden und Gönnern verteilte. Doch Schmid schien unzerstörbar. Noch als die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelte und längst klar war, wie er an seinen Posten gekommen war, blieb er in Amt und Würden.

Als uns die Pöbel-Chats in die Hände fielen, war klar: „Das wird die Leute so aufregen!“, wie Ben Weiser, Exilbayer in Wien und Experte für österreichisches Seelenleben orakelte. Natürlich, wir sind stolz darauf, dass unsere Geschichte am Ende den Ausschlag gab. Aber ehrlich gesagt hätten wir uns gewünscht, Korruption, Postenschacher und politische Fragen würden Anlass für Rücktritte sein. Es wäre ein Zeichen für politische Reife gewesen.

Pilnacek, Brandstetter, Schmid – sie alle stolperten über Äußerlichkeiten, nicht über ihre himmelschreienden politischen Sünden. Okay, das Ergebnis stimmt. Die Einschläge kommen dem Kanzleramt immer näher. Und wenn es hilft, machen wir Fragen der Höflichkeit gerne zum Politikum. „Kurz scheißt sich“ schon „voll an.“

Titelbild: APA Picturedesk

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