Freitag, Juli 12, 2024

Terror in Kabul: Mehr als 70 Tote, Biden will Vergeltung

Der blutige Doppelanschlag in Kabul bringt den USA die schwersten Verluste beim Afghanistan-Einsatz seit einem Jahrzehnt. US-Präsident Biden kündigt Vergeltung an.

Washington/Kabul, 27. August 2021 | Bei dem Doppelanschlag auf den Kabuler Flughafen sind nach jüngsten Angaben mehr als 70 Menschen getötet worden. Die Meldungen weichen je nach Informationsquelle voneinander ab: Es gebe mindestens 72 Todesopfer, sagten zwei Ex-Mitarbeiter des afghanischen Gesundheitsministeriums am Freitag. Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder. Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban seien 13 bis 20 Zivilisten getötet worden. Das gehe aus Berichten von Krankenhäusern hervor, sagte ein Sprecher der Steinzeit-Islamisten am Freitag.

Biden: „Wir werden euch jagen!“

US-Präsident Joe Biden hat unterdessen Vergeltung angekündigt: “Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen”, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz IS reklamierte die Tat für sich. Biden erklärte mit Blick auf die Gruppe, die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhalten – und würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen, “wo auch immer sie sind”. Seine eindringlichen Worte an die Terroristen: “Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen.”

Gleichzeitig wolle man die Evakuierungsmission aus Afghanistan fortsetzen. Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre “Mission” zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. “Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen.”

Schwerste US-Verluste seit einem Jahrzehnt

Unter den Toten sind Medienberichten zufolge mindestens 13 US-Soldaten. Das US-Verteidigungsministerium erklärte zudem, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es. Für die US-Streitkräfte waren es die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen – und die schwersten Verluste dort seit einem Jahrzehnt. Biden ordnete an, die US-Flaggen über dem Weißen Haus und an allen öffentlichen Gebäuden bis Montagabend auf halbmast zu setzen, um der Opfer zu gedenken.

Nach US-Angaben hatten sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine der Detonationen ereignete sich demnach an einem Tor zum Flughafengelände, an dem US-Soldaten im Einsatz waren. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie. Er warnte, es müsse mit weiteren Anschlägen gerechnet werden. “Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein”, sagte er. Es handle sich um eine “extrem aktive Bedrohungssituation”.

Evakuierungsmission bis Dienstag

Der Evakuierungseinsatz der gut 5.000 US-Soldaten in Kabul soll trotz der jüngsten Ereignisse wie geplant am Dienstag kommender Woche enden, wie Biden betonte. Damit können auch die Verbündeten ihre Staatsbürger und frühere örtliche Mitarbeiter ab diesem Zeitpunkt nicht mehr evakuieren. Damit wird auch eine Evakuierung der verbliebenen Österreicher aus Afghanistan immer schwieriger. Es gebe keine Hinweise, dass bei dem Anschlag am Donnerstag Österreicher zu Schaden gekommen seien, teilte das Außenministerium mit.

(red/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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