Freitag, Juli 19, 2024

Israel: Tage der Zäsur

Das, was sich in Israel in den letzten Tagen abgespielt hat, ist nichts anderes als ein groß angelegter Pogrom. Es ist das schlimmste Massaker an Jüdinnen und Juden, das seit dem Holocaust verbrochen wurde.

Täglich tauchen neue verstörende Videos der Gewalt auf, die ident sind mit jener des Daesh. Geschändete Leichen, die unter Gejohle durch die Straßen gefahren werden. Vergewaltigte junge Frauen, blutend. Gekidnappte Kinder. Entsetzliche Verbrechen, deren Verbreitung den Verbrechern große Freude bereitet. So ist das Gesicht des Terrors, das sich frech grinsend in den Live-Streams zeigt.

Die Abgründe der Hamas-Freunde

Was Menschen im Westen dazu treibt, diese abscheulichen Taten zu verteidigen, ja, sie als Befreiungskampf zu framen und dann zu feiern, ist wieder eine andere Frage. Wie es möglich ist, die Ermordung von unschuldigen Zivilisten und Zivilistinnen mit Verteilung von Süßigkeiten in den Straßen Europas zu feiern, ohne dass es Konsequenzen gibt. In Wien feierte man die Tage der Gewalt auf dem Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz stehend. Weitgehend ungestört. Viele Fragen bleiben offen: wie Europa mit dieser Zäsur umgehen möchte. Zuspruch bekam solcherart zu „Freiheitskampf“ geframte Terror von Linken und von Rechten, ein Gleichgewicht des Schreckens. Als Zuwaage entdeckten aber auch manche Rechte ihre Verbundenheit zum Judentum, solange es in ihre Agenda nützlich einbringbar war. Nein, Juden und Jüdinnen in Europa brauchen keine Unterstützung von Rechtsextremen, nur weil diese glauben, damit politisches Kleingeld wechseln zu können.

Fernab der Menschenrechte

Nein, dieses unselige Massaker ist kein Kampf für Menschenrechte. Das Ermorden und Vergewaltigen von Zivilistinnen und Zivilisten ist nie ein Kampf für mehr Menschenrechte. Sehr schade, dass es sich noch nicht bei allen rumgesprochen hat, auch bei solchen, die sich als Feministinnen definieren und die keinerlei Solidarität mit den misshandelten und ermordeten Frauen in Israel zeigen. Die Abgründe, die sich jetzt im Zwischenmenschlichen hier in der relativen Sicherheit Europas öffnen, verheißen nichts Gutes.

Falsche Rechtfertigungen

Nein, auch die (sehr kritikwürdige) Regierung unter Netanjahu ist kein Grund, ein Massaker zu begehen. Zumal auch jene abgeschlachtet wurden, die dagegen demonstrieren gingen, die für Frieden waren. Ausschlaggebend war nur eines: sie waren jüdisch. Das ist, was Jüdinnen und Juden seit Jahrhunderten begleitet. Das ist, wozu Israel ein Gegengewicht bilden sollte, einen sicheren Hafen.

Titelbild: Miriam Moné / ZackZack

Autor

  • Julya Rabinowich

    Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

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