Drogenparty:

Ho hat gelogen und informierte Kurz

Mitten im ersten Lockdown steigt bei Martin Ho eine illegale Drogenparty. Der will davon nichts gewusst haben. Doch ZackZack kann beweisen: Ho hat die Party selbst organisiert. Und: Er hat Kanzler Kurz über alles informiert.

Wien, 28. September 2021 | Mitten im ersten Corona-Lockdown: In Martin Hos Lokal „Dots im Brunnerhof“, einem Nobel-Sushi-Laden im 19. Wiener Gemeindebezirk, steigt eine illegale Party. Coronaregeln? Egal. Dafür wird Kokain konsumiert. Die Polizei bekommt einen Tipp und macht eine Drogenrazzia. Und Kanzlerfreund Ho? Behauptet, von nichts gewusst zu haben. Das war gelogen. Ho organisierte die Party selbst und informierte Sebastian Kurz persönlich über die Razzia.

Die Drogenparty

1. Mai, 21:00. Ganz Österreich sitzt im Coronalockdown zuhause. 100.000 Tote hatte Kanzler Kurz angekündigt, mit hartem Vorgehen gegen „Gefährder“ Innenminister Nehammer gedroht. Polizeistreifen fuhren durch die Straßen, aus Lautsprechern erschallten Befehle, sich an die Coronamaßnahmen zu halten, Passanten wurden kontrolliert, die Lokale hatten geschlossen.

Nicht aber das noble „Dots im Brunnerhof“ von „Szenegastronom“ und Kanzlerfreund Martin Ho. Dort steigt eine Geburtstagsparty des jungen Kaufhauserben V. Als die Polizei das Lokal stürmt, findet sie acht Angestellte und 21 Partygäste vor. Die vergnügen sich mit Alkohol und Kokain. „Immer wieder“ wird laut Polizeiprotokoll, das ZackZack vorliegt, bei der Durchsuchung der Gäste Suchtgift gefunden.

Er habe von alldem „nichts gewusst“, behauptet Martin Ho kurz darauf im Interview mit dem „Trend“. Sein Anwalt Nikolaus Rast erklärt öffentlich, Ho sei bei einer Folge der Serie „Haus des Geldes“ eingeschlafen und habe alles verschlafen. Die Feier habe ein Koch des Lokals im Alleingang organisiert. Doch nichts davon ist wahr.

V. sagt bei seiner Einvernahme, er habe die Veranstaltung mit Martin Ho gemeinsam organisiert. Textnachrichten von Martin Ho selbst, die ZackZack vorliegen, bestätigen das. Ho lässt sich noch am Nachmittag die Gästeliste zuschicken, fragt einen Mitarbeiter, wie hoch die vereinbarte Mindestkonsumation sei, fragt nach der geplanten Dauer der Feier (bis 02:00) und legt selbst die Preise für die Veranstaltung fest: „vodka flasche grey goose 200€ plus bg, champus wie in club preise, sushi 150€/platte x5.” Das schreibt Ho zwei Stunden vor Beginn der Feier.

Dass die Polizei seine Veranstaltung sprengt und dort Drogen sicherstellt, lässt Ho kalt. Stunden nach der Razzia, um 01:00, fragt er bei seinen Mitarbeitern nach, ob es „lustig“ gewesen sei.

Der Kanzler

Ho fühlt sich offenbar sehr sicher. Am nächsten Tag, einem Samstag, ruft er einen Freund an: „Shorty“ sei „ur arm“, schreibt Ho und meint Bundeskanzler Sebastian Kurz. Ho berichtet ihm von der Razzia. „Ich hab dann erzählt, wie es war. Gelacht. Mich entschuldigt.“ Er weiß, dass Kurz wegen seiner Freundschaft mit Ho nun unangenehme Fragen zu erwarten hat. Wir erinnern uns: „Jeder wird jemanden kennen…“

Doch für „Shorty“ ist es „absolut kein Problem“, dass sein „Name wieder fällt.“ Im Gegenteil: Im selben Telefonat, in dem der Kanzler von der illegalen Drogenparty bei Ho erfährt, bittet er seinen Freund, „eine Runde von Spezialisten für die Nachtgastronomie zusammenzustellen“ und bei einem Treffen im Bundeskanzleramt über Coronaregeln zu sprechen.

Der Geldbote

Das kleine Vermögen, das bei der illegalen Party umgesetzt wurde, sollte an Martin Ho gehen. Kaufhauserbe V. sagte gegenüber der Polizei aus, dass eine Person namens G. das Bargeld an sich nahm, um es an Martin Ho zu übergeben. G. ist ehemaliges Mitglied von Spezialeinheiten bei Bundesheer und Polizei, darunter dem Einsatzkommando Cobra. Heute ist er Privatdetektiv, tritt als Antiterrorexperte auf, erhält auch staatliche Aufträge – etwa von den ÖBB, für die er Sprayer jagt. Auf der Website des Klimaministeriums wird er dafür gelobt.

Laut einer parlamentarischen Anfrage von Grünen-Sicherheitssprecher David Stögmüller arbeitete G. auch für den flüchtigen Wirecard-Manager Jan Marsalek. In dessen Auftrag habe er Konkurrenten observiert und bedroht, versucht, Börsenkurse zu manipulieren.

Eben jener Cobra-Mann und Marsalek-Agent G. versucht, sich aus dem Staub zu machen, als die Polizei das „Dots“ stürmt. Er wird erwischt. Bei sich trägt G. – wie von V. ausgesagt – eine große Menge Bargeld. Das sei ganz normal, behauptet G., er trage „immer viel Bargeld“ mit sich. Mit der Organisation der Veranstaltung habe er „nichts zu tun“.

Und Kurz? Dass er sich mit Martin Ho über Coronaregeln beriet, bestreitet der Kanzler auf parlamentarische Anfrage von SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher nicht – nur das geplante Treffen im Kanzleramt habe doch nicht stattgefunden. Kurz’ Freund und Berater Ho veranstaltet eine illegale Drogenparty, bei der sich niemand an die damals noch strengen Coronaregeln hält und lügt darüber in der Öffentlichkeit. Für „Shorty“ ist das alles „kein Problem“. Für die „Familie“ gelten eben andere Regeln. Vielleicht wollten deshalb weder Martin Ho noch Sebastian Kurz zu unserer Recherche Stellung nehmen.

(tw/wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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