Steigende Coronazahlen: Arbeitsfreie Woche in Russland

Die Corona-Infektionszahlen in Russland schießen in die Höhe. Derweil ist die Impfbereitschaft niedrig, eine neue Variante im Umlauf. Putin möchte dem mit einer eigenwilligen Idee entgegenwirken.

Wien, 21. Oktober 2021 | In den vergangenen Wochen haben die Corona-Infektionszahlen in Russland einen Höchststand erreicht. Eine neue Variante könnte zudem zu einem weiteren Anstieg führen. Trotz Putins Impf-Appelle ist laut offiziellen Angaben nur knapp ein Drittel der 146 Millionen Einwohner geimpft. Grund dafür soll mangelndes Vertrauen in die Regierung sein. Aufgrund dieser Umstände hat Putin nun einen einwöchigen, bezahlten Zwangsurlaub angeordnet.

Bezahlter Zwangsurlaub

Tagtäglich verzeichnet Russland einen neuen Höchstwert an Todesfällen im Zusammenhang mit Corona. Nachdem am Mittwoch die Marke von 1.000 Toten binnen 24 Stunden überschritten wurde, hat Putin eine Verordnung unterzeichnet, die alle Arbeitgeber im öffentlichen Sektor zu einer Beurlaubung ihrer Angestellten vom 30. Oktober bis zum 7. November „unter Beibehaltung der Gehälter der Beschäftigten“ verpflichtet. In besonders betroffenen Regionen sollen die arbeitsfreien Tage verlängert werden. Putin verspricht auch finanzielle Zuschüsse für Klein-und Mittelunternehmen und gemeinnützige Organisationen, die im Wirtschaftssektor tätig sind – und die von der Ausbreitung von Corona am meisten betroffen sind. Diese hatten sich bereits zu Beginn der Pandemie beschwert.

Der Vorschlag der arbeitsfreien Tage kam von Vize-Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa. Sie empfahl auch die Einstellung von Veranstaltungen und dem Nachtleben sowie Maskenpflicht und regelmäßige Desinfektion in öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn in Russland geht das Leben trotz der alarmierenden Zahlen wie gewohnt weiter. Maskenvorschriften werden nicht eingehalten und das Nachtleben brummt.

Ausgangssperre für ungeimpfte Hochrisikopatienten

Golikowa fordert auch eine „Selbstausschlussregelung von nicht geimpften Bürgern aus Risikogruppen“. Dem ist jedoch der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin in seiner Stadt bereits zuvorgekommen. Am Dienstag verkündete dieser in seinem Blog eine viermonatige Ausgangssperre für ungeimpfte Ü-60-Personen mit chronischen Erkrankungen. Zudem sollen 30 Prozent der Mitarbeiter in Betrieben ins Home-Office wechseln.

„Die Impfrate ist nach wie vor niedrig”, sagte Putin. Seiner Meinung nach reiche diese Quote nicht aus, um die Ausbreitung des Coronavirus in Russland einzudämmen. Der Präsident sagte, man solle das Bild nicht “beschönigen”. Die Situation sei ernst und die Statistiken würden alles zeigen.

Neue Variante AY.4.2

Indes ist eine Unterart der Delta-Variante – laut dem Direktor der „University College London Genetics Institute“ 10 bis 15 Prozent ansteckender als die herkömmliche Delta-Variante – aufgetaucht. Epidemiologen in Russland befürchten einen weiteren Anstieg und infolgedessen eine stärkere Auslastung der Krankenhäuser. Aktuell sind 86 Prozent der Betten in ganz Russland belegt. In sieben Regionen sollen laut Golikowa sogar 95 Prozent der Betten belegt sein. Einem Bericht der Tageszeitung “Kommersant” zufolge sind mancherorts sogar alle für Corona-Patienten vorgesehenen Betten belegt.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

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