Mittwoch, Juli 24, 2024

Nachdem Impfen zur »Chefsache« wurde: Impfkampagne stark zurückgefahren

Nachdem Impfen zur »Chefsache« wurde:

Bis Juli war das Rote Kreuz für die Kampagne „Österreich impft“ zuständig gewesen. Als Sebastian Kurz das Thema zur „Chefsache“ machte, sanken die Werbeausgaben dramatisch. Die Impfungen stagnierten daraufhin.

 

Wien, 15. November 2021 | Die Ausgaben für “Österreich impft”-Inserate waren im Sommer auffällig niedrig. Das ergab eine parlamentarische Anfrage der SPÖ an das Bundeskanzleramt. Im Juli wanderte die Impfkampagne vom Roten Kreuz in das Bundeskanzleramt, damals noch unter Sebastian Kurz’ Leitung. Er erklärte das Impfen zur Chefsache.

Kanzleramt übernimmt Kampagne – Neuimpfungen gehen runter

Die Bundesregierung hatte im Juni 2021 noch rund zwei Millionen Euro für die Impfschaltungen ausgegeben, nach der Kanzlerübernahme sanken sie plötzlich auf ein Viertel des Vormonats. In der Anfragebeantwortung durch den jetzigen Bundeskanzler Alexander Schallenberg werden für den August dann überhaupt nur mehr 200.000 Euro für die Impfkampagne ausgewiesen.

Gleichzeitig mit der Reduzierung der „Österreich impft“-Kampagne setzte auch die drastische Reduktion von Neuimpfungen im Sommer ein. Am 1. Juli hatten bereits 4.837.522 Menschen in Österreich einen Erststich erhalten. Seitdem kamen gerade einmal rund 1,3 Millionen Menschen in den darauffolgenden vier Monaten hinzu. Stand 14. November haben 6.115.211 Österreicher einen Erststich erhalten.

“Diese Regierung ist gescheitert”

Die Auswirkungen des türkis-grünen Corona-Managements “treffen uns jetzt mit voller Wucht”, kritisierte Herr. “Die aktuelle Corona-Situation und das geringe Budget für die Impfkampagne sind eine Bankrotterklärung. Diese Regierung ist gescheitert”, meinte die SPÖ-Umweltsprecherin. Viele hätten sich aufgrund von Bedenken nicht impfen lassen, da hätte eine gute Info-Kampagne viel geholfen, so Herr.

Schallenberg: Andere Schwerpunktsetzung

Schallenberg spricht in seiner Anfragebeantwortung davon, dass die Impfkampagne nicht gestoppt worden sei, sondern sich die Schwerpunktsetzung verändert habe.

Mit steigendem Impffortschritt in den höheren Altersgruppen sei nämlich – besonders im Sommer 2021 – ein stärkerer Fokus auf jüngere Zielgruppen gelegt worden. Entsprechend deren Medienverhalten habe man sich stärker auf Online und Social Media konzentriert. Und es sei versucht worden, die Informationen rund um die Corona-Schutzimpfung möglichst nah zu den jungen Menschen zu bringen und sie dort abzuholen, wo sie sich häufig aufhalten.

Dazu habe es etwa eine Kooperation mit Influencern oder auch Unternehmen gegeben, die kostenlose Werbeflächen auf digitalen Partnerbörsen zur Verfügung gestellt hätten. Die Zusammenarbeit mit Influencern zu einer eigenen Corona-Modelinie (“Stay negative”) und eine eigene Kampagne für das Club- und Nachtleben stünden aktuell unmittelbar bevor.

(bf/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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