Dienstag, Juni 25, 2024

Raubkunst: Naturhistorisches Museum gab Schädel an Hawaii zurück

Koloniales Raubgut

Das Naturhistorische Museum hat zwei, im 19. Jahrhundert geraubte, Schädel an eine hawaiianische Delegation zurückgegeben. Bis 2023 soll eine Expertenkommission Handlungsempfehlungen für die Rückgabe anderer Raubobjekte ausarbeiten.

Wien, 16. Februar 2022 | Das Naturhistorische Museum (NHM) hat Montagnachmittag zwei Schädel aus seiner Sammlung an eine hawaiianische Delegation übergeben. Wie das Ö1 Morgenjournal am Montag berichtete, hatte vor zwei Jahren eine hawaiianische NGO beim NHM nach den Schädeln von zwei Hawaiianern gefragt, einer Frau und einem Mann.

Der britische Kaufmann und Abenteurer William Green hatte sie im 19. Jahrhundert aus einem Höhlengrab geraubt. In einer feierlichen Zeremonie haben Vertreter des Office of Hawaiian Affairs die Schädel entgegengenommen.

Ethisches und moralisches Unrecht anerkennen

In einer Aussendung des NHM heißt es, dass mit der Rückgabe das ethische und moralische Unrecht anerkannt werden soll, dass durch „die rücksichtslose Sammlungspraxis vergangener Jahrhunderte entstanden ist.“ Mit der Rückgabe soll die individuelle Würde der Verstorbenen wiederhergestellt werden.

Unter den Anwesenden bei der Zeremonie war auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der sagte, er wolle den Gästen aus Hawaii sein tiefstes Bedauern ausdrücken über das Unrecht, dass den Ahnen der Gesandten angetan wurde.

Rückgabe von Raubgut europaweit Thema

Die Rückgabe von geraubter Kunst und geraubten anthropologischen Objekten beschäftigt europäische Museen seit Jahren, besonders in jenen Ländern, die Kolonialmächte waren. Auch im Weltmuseum in Wien ist Raubkunst ausgestellt, etwa Bronzefiguren und geschnitzte Elfenbeinzähne aus dem ehemaligen Königreich Benin und eine aztekische Federkrone aus Mexiko.

Die Gegenstände wurden trotz jahrelanger Proteste und Rückgabeforderungen bisher nicht zurückgegeben. Eine Expertenkommission soll bis Anfang 2023 einen Rahmen für den Umgang mit Raubobjekten erarbeiten und Handlungsempfehlungen abgeben. Deutschland gibt im Laufe des Jahres Benin-Bronzen an Nigeria zurück. Vorbereitungen dafür laufen bereits.

(pma)

Naturhistorisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

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