Frau in Klagenfurt wegen Mordversuchs vor Gericht

Auch Beziehungsgewalt ein Thema

Am Landesgericht Klagenfurt hat am Dienstag ein Prozess wegen Mordversuchs und Brandstiftung gegen eine 31-Jährige begonnen. Laut Anklage hatte sie in einem Villacher Mehrparteienhaus mit Benzin ein Feuer gelegt, das ihren Mann töten sollte. Sie gibt an, ihr Gatte sei gewalttätig gewesen.

Klagenfurt, 21. Juni 2022 | Am Landesgericht Klagenfurt hat am Dienstag ein Prozess wegen Mordversuchs und Brandstiftung gegen eine 31 Jahre alte Frau begonnen. Laut Anklage hatte sie vergangenen August in einem Villacher Mehrparteienhaus mit Benzin ein Feuer gelegt, das ihren Mann töten sollte. Die gebürtige Russin war teilweise geständig. Ein Urteil war für den zweiten Verhandlungstag am Mittwoch geplant.

Staatsanwaltschaft wirft verschwenderischen Lebensstil vor

Staatsanwältin Daniela Zupanc charakterisierte die Angeklagte als “eiskalte Frau”, die sich und ihre Familie durch verschwenderische Ausgaben für sich selbst in finanzielle Schwierigkeiten brachte und sich der Angehörigen dann entledigen wollte. Für Gewalttätigkeiten durch den Ehemann, wie von der Angeklagten behauptet, gebe es keine Hinweise. Die 31-Jährige habe das Geld, für das er jeden Tag arbeiten ging, verwaltet. Die sich anhäufenden Schulden wollte sie vor ihrem Mann verheimlichen.

Überwies Geld an einen “Zauberer”

Als Exekutionen eingingen und der Gerichtsvollzieher Druck machte, überwies sie einem “Zauberer”, der angeblich dafür sorgen konnte, dass Menschen sterben, rund 8.000 Euro. Nachdem nichts passierte, kaufte sie Benzin, das sie über Wochen im Kinderzimmer bzw. im Keller verstaute.

Die Angeklagte habe am 8. August ihren Koffer gepackt, sagte die Staatsanwältin. In der Nacht schlief sie bei ihren Kindern, das Jüngste noch keine zwei Jahre alt. Um fünf Uhr früh am 9. August stand sie auf, verstaute das Gepäck im Hinterhof, holte das Benzin, verschüttete es in der Wohnung und im Stiegenhaus – auch bei der Nachbarwohnung – und entzündete es.

Nachbarsmädchen soll Schlimmeres verhindert haben

Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass das zehnjährige Nachbarsmädchen wach gewesen sei und den Knall gehört habe. Es bemerkte das Feuer, weckte seine Eltern und die Hausbewohner begannen, das Feuer zu bekämpfen, wodurch größeres Unglück verhindert wurde. Die Staatsanwältin appellierte an die Geschworenen, sich nicht von der Angeklagten täuschen zu lassen.

Verteidigung: Ehemann war gewalttätig

Der Verteidiger erklärte, die Grundursache für die Tat sei Gewalt gewesen. Die 31-Jährige habe keine schöne Kindheit und keine schönen Ehen gehabt. Sie sei depressiv gewesen, ihr Mann habe ihr keine Medikamente erlaubt. Finanzielle und psychische Probleme machten ihr zu schaffen, dazu die Gewalt durch den Ehemann. Sie habe keinen Ausweg gesehen, die Frage der Zurechnungsfähigkeit sei zu klären.

Angeklagte beruft sich auf nächtliche Vergewaltigung

Die Angeklagte selbst gab zu, das Benzin verschüttet und angezündet zu haben. Ihren Ausführungen zufolge wollte sie wohl eine Art Selbstmord inszenieren, aber auch von Unfall sprach sie. Jedenfalls hätte sie nur ein “kleines, kurzes Feuer” gewollt. Sie erzählte, sie sei in der Nacht erneut von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt worden. In der Befragung durch Richterin Michaela Sanin, die voller widersprüchlicher Aussagen der 31-Jährigen war, gab die Angeklagte dann zu, dass sie es für möglich gehalten habe, dass ihr Mann stirbt. Der Prozess ist im Gange.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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1 Kommentar
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John Wick
22. 06. 2022 11:57

Wieso unternimmt die Regierung nichts gegen Androzide?
Hier fehlt eindeutig politische Iniative.
Die Tötungsraten schnellen schleichend in die Höhe und von der Politik wird dieses Problem ignoriert und weiterhin tot geschwiegen.