Rabensteiner:

Gütesiegel

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner. Heute: Die Wichtigkeit der Außenwirkung. 

Fritz Rabensteiner

Wien, 02. Juli 2022 | Haben Sie das mitbekommen mit dem AMA-Schweinemastbetrieb in Niederösterreich? Angeblich sind da neben verletzten und kranken Tieren auch Kadaver gelegen, teils schon stark verwest. Ja, meine Güte. Die wären doch ohnehin geschlachtet worden. Wenn man will, findet man in jeder Suppe ein Haar.

Also ich vertraue seit Jahren auf das AMA-Gütesiegel. Ich bin froh, dass es das gibt. Da kann ich sicher sein, dass das Fleisch in Österreich verpackt wurde. Außerdem hat doch diese Dings, diese Köstinger dafür gesorgt, dass das mit den Schweinen seine Ordnung hat. Ich habe das Theater um diese Spaltböden ohnehin nie verstanden. Was ist so schlecht an Laminat?

Ernsthaft, in so einem Fall hilft nur Konsumverweigerung in Form eines großen Bogens um die Supermärkte. Herrschaften, kaufen Sie direkt beim Bauern Ihres Vertrauens, wann immer das möglich ist. Außerdem muss nicht jeden Tag ein Kilo Fleisch auf dem Teller liegen. Das gab es nicht mal in der rustikalen Steinzeit. Da wurden Steine gegessen, wie der Name schon sagt, oder das Moos vor der Höhle. Fleisch gab es da nur, wenn sich ein unvorsichtiges Mammut zu nahe an die Siedlung herangewagt hatte oder der Opa seit Tagen regungslos in der Ecke lag.

Was sagt uns das? Erstens: Fleisch ist wertvoll. Zweitens: Mammuts gibt es nur mehr in den Bezirken Gänserndorf und Güssing. Die Jagd ist also für viele Jäger mit weiten Reisen verbunden. Drittens: Die Sache mit Opa ist in unseren Breiten gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert.

Und falls es keinen Bauernmarkt in Ihrer Nähe gibt, dann könnten Sie doch einfach mit Pfeil und Bogen in den Wald gehen, um etwas Essbares zu erlegen. Was meinen Sie, was das für ein Aufsehen gibt, wenn Sie mit einem Wildschwein auf der Schulter über den Dorfplatz spazieren? Da geht ein Ruck durch die Gemeinde.

Der Jagdinstinkt ist dem Mann angeboren. Er nimmt sofort Witterung auf. Danach gehen, bedingt durch die Gruppendynamik, alle wehrfähigen Männer einmal pro Woche gemeinsam auf die Pirsch. Und nicht mit einer roten Warnweste, wie vom Jagdverband empfohlen, sondern gekleidet wie Ötzi. Als Kopfbedeckung eine Mütze aus Bärenfell, eine längsgestreifte Kaninchenjacke sowie zwei Beinlinge, zwischen denen der kleine Ötzi baumelt. Eine Axt aus Bronze, Pfeil und Bogen sowie ein Dolch aus Feuerstein runden die Ausrüstung ab. Bekommt man alles bei Amazon.

Dazu eine kurze Rückblende. Wir schreiben das Jahr 3.200 v. Chr. Ötzi stapft durch den tiefen Schnee. Graupelschauer behindert die Sicht. 20 Meter hinter ihm folgt sein Jagdgefährte. Der ist auf einem Auge blind. Dies sei der Vollständigkeit halber angemerkt und dient zur Entlastung des Schützen. Im dichten Schneegestöber sieht er eine Bergziege, legt an und streckt Ötzi mit einem sehenswerten Schuss nieder. Erste-Hilfe-Kästen sind zu dieser Zeit eher unbekannt. Also lässt er ihn einfach liegen, setzt seine Jagd fort und lässt den Herrgott einen guten Mann sein.

Ötzi ist Junggeselle, denkt er, und kinderlos, nach dem fragt keiner. Ein fataler Irrtum. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass die genetische Linie von Ötzis Vater in der Jungsteinzeit in ganz Europa verbreitet war und sich immer noch dort findet. Bei einer Studie der Innsbrucker Gerichtsmedizin waren 19 noch heute in Tirol lebende Verwandte von Ötzi aufgespürt worden. Einer ist Landeshauptmann, alle anderen arbeiten aufgrund ihrer Abstammung als Lieferfahrer bei Bofrost.

Aus aktuellem Anlass: Wie Sie am Beispiel Gütesiegel sehen, ist die Außenwirkung enorm wichtig. Das niederländische Königspaar war auf Staatsbesuch in Österreich und fuhr gemeinsam mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit der Bahn von Wien nach Graz. Absolut klimafreundlich. Vorbildlich. Bundesminister Martin Kocher war auch dabei. Er hatte die Tickets besorgt.

Jetzt gibt es das böse Gerücht, also ich glaube das keinesfalls, dass gleichzeitig ein Begleittross aus mehreren Autos nach Graz hinterhergebrettert ist. Quasi als Leerfahrt auf der Südautobahn. Das wäre ja klimatechnisch eine totale Verarschung. So etwas würde unser wahlkämpfender Bundespräsident niemals machen. Und falls doch, dann hatte es bestimmt andere Gründe. Ich glaube, in Holland gibt es keine Eisenbahn und man wollte dem Königspaar eine Freude machen. So wird es gewesen sein.

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Titelbild: ZackZack/ow

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5 Kommentare
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Sinclai
2. 07. 2022 9:48

An dieser Stelle sei wieder dem “Schwarzbuch Landwirtschaft” und den “Tierschützer-Prozessen” gedacht, denen man sogar mit dem Terroristen-Paragraph zu Leibe rücken wollte. Glauben Sie also nur dem Gütesiegel, jeder Bauer aus der Praxis erzählt ihnen Fake News wenn er glaubhaft machen will, dass ein Schnitzel mehr als nur einen Euro kosten muss….

Oarscherkoarl
2. 07. 2022 9:38

Einer ist Landeshauptmann, alle anderen arbeiten aufgrund ihrer Abstammung als Lieferfahrer bei Bofrost.

Made my day

Bastelfan
2. 07. 2022 9:29

Diemal werde ich Pogo wählen.

Oarscherkoarl
2. 07. 2022 9:41
Antworte auf  Bastelfan

Ich hab seine Partei ihn Wien gewählt. Ich muss sagen, ich war immer dagegen Pogo als BP zu wählen. Schön langsam gehen mir die Argumente aus, es nicht zu tun

hagerhard
2. 07. 2022 9:20

in holland hätten wohl alle entweder mit dem fahrrad, oder mit dem wohnmobil fahren müssen.