Montag, Juni 17, 2024

Teuerung: Steirische Universitäten brauchen Millionen

Teuerung:

Den steirischen Universitäten fehlen aufgrund der Teuerung 100 bis 200 Millionen Euro. Die Rektoren warnen davor, dass Wettbewerbsfähigkeit und Qualität sinken werden, sollte ihnen nicht schnell geholfen werden.

Graz, 30. August 2022 | Mit einem Hilferuf haben sich die Rektorinnen und Rektoren der steirischen Universitäten am Dienstag an die Öffentlichkeit gewandt: 100 bis 200 Mio. Euro fehlen bis zum Ende der laufenden Leistungsvereinbarung mit dem Bund Ende 2024. Einsparungen ohne langfristigen Schaden seien kaum möglich, hieß es bei einer Pressekonferenz in Graz. Als erstes würde es das Personal treffen: Rund 1.000 Stellen seien wohl bei der aktuellen Inflation von über 9 Prozent betroffen.

Bereits vor einigen Monaten hatte sich die Universitätenkonferenz (uniko) mit einem ähnlichen Appell gemeldet. Österreichweit wurde dabei ein Fehlbedarf von rund einer halben Milliarde Euro geortet. Derzeit laufen dazu Verhandlungen zwischen Unis, Bildungs- und Finanzministerium.

Vereinbarte Budgets reichen nicht aus

Harald Kainz, Rektor der TU Graz, sprach zusammen mit Rektor Helmut Samonigg von der Medizinischen Uni Graz, Martha Mühlberger, Vizerektorin der Montanuniversität Leoben, und Georg Schulz, Rektor der Kunstuni Graz, von einer “Kostenexplosion”. Die Finanzierung der Universitäten wird alle drei Jahre in Form von Leistungsvereinbarungen und fixen Budgets zwischen Bund und Hochschulen abgeschlossen. Die aktuelle Periode läuft bis Ende 2024, doch die Planungen stammen noch aus der Zeit vor der massiven Inflation und Teuerung, schilderte Kainz.

Bei der letzten Überprüfung der laufenden Zahlen im Mai hatten bei einer Inflation von “nur” fünf Prozent bereits 105 Millionen Euro bis Ende 2024 gefehlt, um die Jahre ausgeglichen abzuschließen, rechnete Samonigg vor. Mit einer Inflation von mehr als 9 Prozent könnte ein Minus von sogar 200 Millionen Euro drohen, so die Befürchtung der Rektoren.

Bund soll Lücke schließen

Kainz forderte eine raschen Ausgleich der Finanzierungslücke seitens des Bundes, konkret seitens des Finanzministers. “Wir wissen, dass gerade alle an seine Tür klopfen, aber wir sind in einer besonderen Situation”, so Kainz weiter. Im Herbst muss das Budget für 2023 den Uni-Räten vorgelegt werden, Maßnahmen im Herbst seien daher zu spät. Es müsse kurzfristige Zusagen geben.

Bleiben rasche Lösungen aus, könnten schon im kommenden Jahr ausgeschriebene Stellen nicht besetzt werden. Auch Kündigungen müssten wohl folgen.

Qualität und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Samonigg zeichnete die weiteren Folgen auf: “Das bringt einen Knick und wir fürchten eine Abwärtsspirale, der Rückschritt wäre nicht aufholbar und bringe einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.” Unter der dann geringeren Anzahl an Lehrpersonen leide schließlich auch die ohnehin schon von Corona geplagte Studierendengeneration. Es könnte zu Studienverzögerungen kommen, bei Wahlfächern würde als erstes eingespart werden, teure Labore würden reduziert, gutes Material in Bibliotheken würde fehlen und man könnte weniger ausländische Gastforschende an die Unis holen, skizzierte Schulz vor und fasste zusammen: “Die Qualität der Lehre würde sinken.”

(apa/red)

Titelbild: ERWIN SCHERIAU / APA / picturedesk.com

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