Montag, Juli 22, 2024

Corona: Was ist unsere Strategie für den Herbst?

Corona:

Nach der jüngsten Corona-Welle rechnen Experten mit einer weiteren im nahenden Herbst. Nach der Pressekonferenz von Gesundheitsminister Johannes Rauch und Infektiologe Herwig Kollaritsch am Mittwoch, können wir nun die wichtigsten Fragen zur neuen Corona-Strategie beantworten.

Wien, 31. August 2022 | Gerade erst ist die Corona-Sommerwelle durch die Omikron-Untervarianten BA.4/BA.5 vorbeigegangen, schon müssen wir uns für die nächste Welle im Herbst rüsten. Am Mittwoch haben Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und Infektiologe Herwig Kollaritsch vom Nationalen Impfgremium im Rahmen einer Pressekonferenz die Impfstrategie für den Herbst vorgestellt.

Der Tenor: Man soll trotz kürzlich durchgemachten Infektionen mit einer der derzeit vorherrschenden Omikron-Subvarianten die empfohlenen Impfabstände einhalten und nicht auf die angepassten Impfstoffe warten. Auch andere wichtige Fragen wurden geklärt.

Bisher galt eine Empfehlung für eine vierte Impfung nur für Über-60-Jährige und Risikogruppen, darunter falle ich aber nicht. Ab wann kann auch ich mir eine vierte Impfung holen?

Die vierte Impfung war bereits auch für Unter-60-Jährige und jene, die keiner Risikogruppe angehören, möglich. Mit Mittwoch gibt es auch eine explizite Empfehlung des Nationalen Impfgremiums für alle über 12 Jahre, sich einen vierten Stich zu holen.

Die EMA empfiehlt bisher nur die Impfung für Über-60-Jährige und Risikopatienten. Wieso geht Österreich einen anderen Weg?
Zwar haben junge Menschen einen gewissen Vorteil bei Impfungen, nämlich dass die Immunantwort des Körpers effektiver ist und sie dadurch besseren Schutz aufbauen. Aber „ewig hält Immunität auch bei jüngeren Menschen nicht“, so Infektiologe Herwig Kollaritsch am Mittwoch.

Es gebe keine Daten, die darauf hinweisen, dass Personen unter 60 Jahren nach einer Grundimmunisierung mit drei Stichen besser gegen neue Varianten geschützt seien als Über-60-Jährige. Daher empfiehlt das Nationale Impfgremium den vierten Stich für alle über 12 Jahren.

Was ist mit Kindern unter 12 Jahren?

Für Kinder im Alter von unter 12 Jahren gibt es weiterhin keine Zulassung, dort wird weiterhin im Off-label-use geimpft.

Wie lang warte ich bis zur nächsten Impfung, wenn ich in der jüngsten BA.4/BA.5-Welle eine Infektion durchgemacht habe?
Die ausdrückliche Empfehlung lautet, eine Infektion nicht als Ersatz für eine Impfung zu sehen. Das sei bei den ersten Varianten legitim gewesen, sich das Virus und die Impfung stark gedeckt haben. Bei den neuen Omikron-Varianten ist es laut Nationalen Impfgremium wichtig, das Impfschema wie gewohnt weiterzuverfolgen, für eine solide Grundimmunität, auch hinsichtlich möglicher neuer Varianten.

Gesundheitsminister Rauch und Infektiologe Kollaritsch haben betont, es sei wichtig, das Impfschema konsequent weiterzuverfolgen. Wer sich bisher nur zwei Impfungen geholt habe, solle die Grundimmunisierung in einem angemessenen Zeitraum mit einer dritten abschließen und dann mit dem entsprechenden Abstand den vierten Stich holen.

Zuerst hieß es, man solle ein halbes Jahr Abstand zwischen den Impfungen lassen, dann waren es vier Monate – woher weiß ich, wann ich mir am besten welche Corona-Impfung hole?

Die Empfehlung lautet grundsätzlich: Ungefähr sechs Monate Abstand zwischen den Corona-Impfungen, damit der Körper seine Immunantwort voll bilden und dann wieder gut auf einen neuen Reiz reagieren kann. Zu lang soll man allerdings nicht warten. Man rechnet damit, dass ab einem Jahr nach der jüngsten Corona-Impfung der Schutz vor einer schweren Erkrankung stark abnimmt beziehungsweise reduziert ist.

Generell betonte Infektiologe Kollaritsch, dass es mit den aktuell kursierenden Omikron-Subvarianten und solange wir den Mutationen hinterherhinken wichtig sei, besonders sorgfältig bei den Impfabständen zu sein, um sicherzugehen, dass man bestmöglich geschützt ist.
Auf der Website des Sozialministeriums kann man das Impfschema zum Ausdrucken herunterladen.

Derzeit befinden sich auf Omikron angepasste Impfstoffe in der Zulassung. Soll ich besser auf einen von denen warten?

Nein, das Nationale Impfgremium betont, dass das gegenüber den bisherigen Impfstoffen keinen Vorteil bringe, da die angepassten Impfstoffe auf den mittlerweile längst vergangenen BA.1/BA.2-Varianten basieren und es nicht gesichert sei, dass es eine ausreichende Kreuzimmunität gegenüber neuen Omikron-Varianten gibt. Zu warten würde also einerseits bedeuten, keinen gesicherten Vorteil beim Immunschutz gegenüber den derzeit verfügbaren Impfstoffen zu haben, die sehr gut gegen schwere Erkrankungen schützen. Andererseits könnte man damit verpassen, sich rechtzeitig für die bevorstehende Herbstwelle zu schützen.

Welchen Impfstoff soll ich mir dann holen?

Grundsätzlich kann man bei dem Impfstoff bleiben, den man bisher bekommen hat. Wenn man subjektiv das Gefühl hatte, einen Impfstoff schlecht vertragen zu haben, kann man sich beim nächsten Impftermin nach einem Wechsel erkundigen. Bei den meisten Impfstoffen ist die Kombination mit einem anderen möglich, bei einigen fehlen aber womöglich noch Daten zu Kreuzimpfungen, sodass eher empfohlen wird, beim gleichen zu bleiben. Darüber können dann die Ärzte an der jeweiligen Impfstelle Auskunft geben.

Laut Kollaritsch hat der mRNA-Impfstoff von Moderna als Booster einen leichten Vorteil gegenüber anderen Impfstoffen, weil kurzfristig nach der Auffrischung der Infektionsschutz stärker ist. Aber mit diesem Vorteil bekommt man auch einen gewissen Nachteil: Die Impfreaktionen sind bei diesem Impfstoff in der Regel stärker als bei anderen.

Wer eine Grundimmunisierung mit einem Totimpfstoff hinter sich hat, soll laut Kollaritsch für den Booster besser auf einen mRNA- oder Vektorimpfstoff setzen. Es gebe noch keine Daten dazu, ob und inwieweit sich die Totimpfstoffe als Booster eignen.

Kann ich die Maske also endgültig zuhause lassen, wenn ich mir die vierte Impfung geholt habe?

Das ist grundsätzlich einem selbst überlassen. “Mit Impfung und FFP2-Maske haben wir eine große Chance, gut durch den Herbst zu kommen“, so Gesundheitsminister Rauch am Mittwoch. Die Maske ist also nach wie vor Teil der Corona-Bekämpfungsstrategie. Rauch betonte, die Maske sei weiterhin ein gutes Mittel, um Infektionen vorzubeugen. Denn eine Impfung schützt langfristig nur gegen schwere Verläufe, nicht gegen die Infektion selbst. Rauch hat am Mittwoch an die Bevölkerung appelliert, eigenverantwortlich in Umgebung von vielen Menschen eine FFP-2-Maske zu tragen.

Kommt im Herbst wieder eine Maskenpflicht?

Rauch schließt nicht aus, dass eine Maskenpflicht wieder kommen könnte, wenn sich die Pandemie entsprechend entwickelt. Corona-Bekämpfungsmaßnahmen würden auch künftig anhand mehrerer Faktoren mit den entsprechenden Gremien zusammen entschieden werden, so Rauch bei am Mittwoch.

Derzeit gilt nur noch in Wien in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht, ansonsten generell nur in bestimmten Bereichen, die besonders sensibel sind, etwa Gesundheitseinrichtungen.

Werden wir wieder mehr Gratis-Tests erhalten?

Gesundheitsminister Rauch hat angekündigt, dass jede Person monatlich weiterhin zehn Gratis-Tests zur Verfügung haben soll, davon wie gehabt fünf Antigen- und fünf PCR-Tests. „Wenn es nach mir geht auch den gesamten Winter durch und bis ins Frühjahr“, so Rauch.

(pma)

Titelbild: ZackZack/ Christopher Glanzl

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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