Widerruf Benko

Samariterbund: Reichere sollen Klimabonus spenden

Mehr Menschen denn je sind auf Sozialmärkte und Sozialberatungen angewiesen. All jene, die es sich leisten können, ruft der Samariterbund Wien dazu auf, den Klimabonus an bedürftige Familien weiterzugeben. 

Wien, 21. September 2022 | Von „Hilferufen von überall“ spricht Oliver Löhlein, Geschäftsführer des Samariterbund Wien gegenüber ZackZack.  Denn in die fünf Sozialmärkte, die die Organisation betreibt, kommen derzeit rund 30 Prozent mehr Menschen als noch im Vorjahr. Auch die Sozialberatungen und Obdachloseneinrichtungen sind enorm gefragt.

„In unserer Arbeit merken wir täglich, wie die Menschen ums Überleben kämpfen. Viele können sich nicht einmal mehr genügend Lebensmittel und Hygieneartikel leisten, weil sie ihr gesamtes Geld für Miete, Strom und Gas aufbrauchen müssen“, so Löhlein. Gleichzeitig werde der Klimabonus an alle ausgezahlt, obwohl längst nicht alle das Geld so dringend bräuchten.

Spendenaufruf für gerechtere Verteilung

Wer das Geld selbst nicht benötigt, kann die 250 Euro oder 500 Euro nun an den Samariterbund spenden, um damit Menschen in Notlagen zu unterstützen. Das sind laut der Organisation vor allem Menschen, die Mindestpension beziehen, Familien mit vielen Kindern und Alleinerziehende.

Wer mit existenziellen Problemen in die Sozialmärkte zur Beratung kommt, kann diese vor Ort mit den Sozialarbeiterinnen besprechen. Diese können dann Einzelfallbezogen im Gespräch herausfinden, wie man das gespendete Geld am besten einsetzen kann. Man werde etwa von den Menschen dringend benötigte Dinge mit den Spenden kaufen und zur Verfügung stellen, oder beim Bezahlen von Mahnungen helfen.

„Je nach Fall ist die Situation für die Menschen, die in unseren Sozialmärkten einkaufen, unterschiedlich und geht von ‚sehr schwierig‘ bis ‚katastrophal‘. Hat die Person eine Gasheizung, dann explodieren zum Beispiel die Kosten schlimmer als bei anderen“, sagt Löhlein.

Kritik am Klimabonus

Der Geschäftsführer kritisiert die Einmalzahlung als nicht nachhaltig. Wer mit dem Rücken zur Wand stehe, der zahle damit das Dringendste. „Aber was ist dann in zwei Monaten? Das ermöglicht den betroffenen Menschen keine Planbarkeit und Perspektive“, so Löhlein. Ihm sei nicht klar, warum es beim Klimabonus etwa keine Einkommensgrenze wie beim Energiekostenbonus gibt. Da seien die Menschen schließlich auch angehalten worden, ihre Einkünfte per Formular zu bestätigen.

Sozialmärkten geht die Ware aus

Die Sozialarbeiterinnen, die in den Sozialmärkten für Beratungen zur Verfügung stehen, würden ihm melden, dass sie auf Wochen ausgebucht seien, der Bedarf sei enorm. „Für uns ist es eine extrem schwierige Situation“, sagt Löhlein, nicht nur, weil der Samariterbund die Energie-Ausgaben und Kosten für Sprit zur Abholung der Lebensmittel aus eigener Tasche zahlt. Die Nachfrage in den Sozialmärkten ist so stark gestiegen, dass die Ware knapp wird.

Normalerweise bekommen diese Waren vom Lebensmittelhandel oder von Landwirtschaften, die diese nicht verkaufen können. Während die Menge dieser Spenden gleich bleibe, steige der Bedarf jedoch enorm. Vor allem Hygieneartikel oder lange haltbare Nahrungsmittel wie Nudeln, Reis oder Mehl seien schwer zu bekommen. Private Warenspenden sind willkommen.

Löhlein: “Selbst beurteilen, ob Spende möglich”

Wie viele Menschen spenden werden, sei schwer einzuschätzen. Moralisieren oder Verpflichten will der Geschäftsführer jedoch niemanden: Die Menschen sollen selbst beurteilen, ob sie es sich leisten können, den Klimabonus an weniger Wohlhabende weiterzugeben. Er ist jedoch zuversichtlich: „Wir hoffen natürlich auf so viele Beiträge wie möglich. Aufgrund der Gespräche, die wir geführt haben, glaube ich, dass einige Menschen den Klimabonus nicht brauchen und ihn Ärmeren zur Verfügung stellen würden. Dass wir als Gesellschaft helfen und wie solidarisch wir sein werden, wird in den nächsten Monaten entscheidend sein.“

Er selbst werde seinen Klimabonus jedenfalls spenden.

(sm)

Titelbild: ZackZack/Christopher Glanzl

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22 Kommentare
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maruh
21. 09. 2022 20:00

BGE wäre halt doch a gute idee

DieHausfrau
23. 09. 2022 7:12
Antworte auf  maruh

das wäre zu einfach und da würden ganz viele jobs dieser leiwanden freunderlpartie wegfallen. welche vereine wären da von nutzen? welche BH-mitarbeiter könnten eingespart werden? viel zu viel tranzparenz und viel zu wenig stress zb für alleinerzieherinnen aus dem EPU-stand, die ein chronisch krankes kind haben und der bestäuber die allimente nicht brennt. man will ja zucht-und-ordnung und redet pseudo-englisch und suggeriert law-and-order….. erbärmlich

nikita
21. 09. 2022 20:40
Antworte auf  maruh

👍

nikita
21. 09. 2022 15:12

Es ist eine unglaubliche Sauerei welch menschenverachtende Handlungen diese Regierung setzt. In Österreich muss um Geld für Bedürftige gebettelt werden, weil diese verkomme schwarz-grüne Bagage will, dass es Menschen schlecht geht.
Was ist mit der Adlerrunde, was mit der Landjugend, was mit den Benkos, den Hos, Tojners und Dosenfabrikanten, die abgecasht und sich die Taschen vollgestopft haben.
Ich platze vor Wut!
Warum muss in Österreich überhaupt jemand betteln?
Danke den Samaritern und allen anderen Organisationen die helfen.
Diese Schweinepriesterregierung muss weg!

maruh
21. 09. 2022 19:52
Antworte auf  nikita

du willst jetzt ernsthaft den scheiss der letzten jahrzehnte den grünen um den hals hängen?

de bagage macht genau des wofürs gewählt wurde
also wenn dir was ned passt dann wende dich an die wähler der letzten jahrzehnte

nikita
21. 09. 2022 20:14
Antworte auf  maruh
Zuletzt bearbeitet 7 Tage zuvor von nikita
maruh
21. 09. 2022 20:31
Antworte auf  nikita

kein plan was i damit nun machen soll

nikita
21. 09. 2022 20:38
Antworte auf  maruh

Ich auch nicht 🤷🏼‍♀️
Steh auf der Leitung, habe die 1. Antwort nicht verstanden?

maruh
21. 09. 2022 20:42
Antworte auf  nikita

was soll i mitn link zum standard machen?
was willst ma damit sagen?

nikita
21. 09. 2022 21:50
Antworte auf  maruh

Wie hast du es gemeint mit, den Grünen umhängen?
War das ernst gemeint oder sarkastisch?
Mit dem Artikel wollte ich nur auf die Einstellung eines sogenannten Grünen verweisen. Sonst nix.
Wenn ich etwas falsch verstanden habe tut’s mir leid.

Zuletzt bearbeitet 6 Tage zuvor von nikita
maruh
22. 09. 2022 17:05
Antworte auf  nikita

ned die scharz grünen wollen das den leut schlecht geht
das wollen die leut selber, weil sonst würdens ned seit 35 jahren durchgehend die schwarzen haben wollen
das können die grünen jetzt nicht ausbessern was der depp sich da seit jahrzehnten zam gewählt hat

und was der rauch gesagt hat stimmt
man sollte halt auch alles lesen und ned nur die fette überschrift. dann würde man das auch verstehen

nikita
22. 09. 2022 17:12
Antworte auf  maruh

Danke für die äußerst freundliche Erwiderung. Gut dass Sie wissen das ich nicht alles gelesen habe. Aber danke, vllt haben Sie ja mein Posting falsch verstanden.
Was soll’s, egal, hat alles seinen Grund.

maruh
22. 09. 2022 18:16
Antworte auf  nikita

und was ist mitn ersten teil meiner antwort?

hr.lehmann
21. 09. 2022 14:41

Eine wirklich gute Idee. Könnte mir vorstellen dass da Einiges zusammenkommt. Es müsste halt noch präsenter vermittelt werden.
(Obwohl ich an sich wenig davon halte dass caritative Kampagnen als Feigenblatt für fehlende -zielgerichtete -Sozialpolitik herhalten sollen).

accurate_pineapple
21. 09. 2022 14:45
Antworte auf  hr.lehmann

👍

Lojzek
21. 09. 2022 13:55

Wenn i nur daran denk wie viele 500er in Verlassenschaften geparkt/arretiert sind, wird ma scho schlecht …

John Wick
21. 09. 2022 13:38

Wird im Regelfall eh gemacht. Es werden auch weit mehr als die 500€ gespendet. Es arbeitet nur nicht jeder Öffentlichkeitswirksam und spielt sich als Gutmensch auf.
Verstehe da die Diskussion überhaupt nicht.

Kritisieren kann man eher den Schachzug, dass hier an alle Ausgezahlt wurde. Man hätte von Haus aus schon zielgerichteter ausschütten können. Aber ja SchwarzGrün…

baer
21. 09. 2022 14:13
Antworte auf  John Wick

Apropos Gutmenschen……sie haben vergessen zu erwähnen, das Spenden steuerlich absetzbar sind…..😉