Mittwoch, Juli 24, 2024

»Wenn ihr ihn nicht nehmt, muss ich ihn erschießen« – Immer mehr Tiere im Heim wegen Teuerung

Mehr Tiere im Heim wegen Teuerung:

Es ist Welthundetag, manche österreichischen Tierheime haben allerdings keinen Grund zu feiern. Immer mehr Menschen wollen auch wegen der Teuerung ihre Tiere hergeben, mehr Heimplätze gibt es aber nicht. 

Wien, 10. Oktober 2022 | Am Freitagnachmittag vergangene Woche stand plötzlich ein Mann mit seinem Hund vor dem Tierschutzhof Pfotenhilfe. Entweder die Pfotenhilfe nimmt sein Tier oder er müsse es erschießen, so seine verzweifelte Aussage. Er habe den Maltesermischling namens Benni von einem Bekannten bekommen, seiner krebskranken Mutter geschenkt und nach deren Tod zu sich in die Mietwohnung mitgenommen, wo er ihn aber nicht halten durfte.

Benni ist eines von vielen Opfern unüberlegter Tierhaltung. Er hat keinen Pass, ist weder gechippt noch geimpft, nicht kastriert, nicht stubenrein, ängstlich und verwahrlost. Die hohen Kosten dafür muss jetzt die Pfotenhilfe stemmen, ärgert man sich dort. Und das, obwohl auch Tierheime sparen und zusätzliche Belastungen durch die Teuerung bewältigen müssen.

Menschen geben mehr Tiere ab

Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Teuerung wollen mehr Leute ihre Tiere loswerden als sonst. Momentan gibt es wöchentlich gibt es zumindest einige Versuche, Hunde abzugeben, heißt es von der Pfotenhilfe. Plätze sind aber kaum frei, denn während die Anfragen für Plätze hoch bleiben, nehmen weniger Menschen Tiere auf, so Jürgen Stadler, Sprecher der Pfotenhilfe, gegenüber ZackZack.

Normalerweise geben mehr Leute nach Ostern und Weihnachten sowie von Mitte Juni bis Ende August Tiere ab, weil sie diese nicht mit in den Urlaub nehmen wollen, erklärt er. Zu Schulbeginn steigen wiederum die Chancen, die Tiere an ein neues Zuhause zu vermitteln. Dieses Jahr sei aber nicht so wie sonst, die Leute würden übergangslos Tiere abgeben wollen, es gebe “keine Pause zum Durschnaufen”, so Stadler.

Viele unterschätzen Tierarztkosten

Die Pfotenhilfe erinnert daran, dass Tiere nicht verschenkt werden sollten und man sich eine Haltung gut überlegen müsse: “Ein Tier muss als vollwertiges Familienmitglied betrachtet werden. Nur wenn wirklich alle Bedenken ausgeräumt sind, der Hund nicht während der Arbeit alleine zu Hause bleiben muss und auch auf Urlaub mitfahren darf oder zumindest seine Betreuung gesichert ist, sollte man sich bei Tierschutzvereinen umsehen – und bitte möglichst nur dort”, so Pfotenhilfe-Chefin Johanna Stadler.

Zumeist wollen die Leute die klassischen Heimtiere, wie Hunde, Katzen und Kleinnager abgeben. Am Land bekommt die Pfotenhilfe aber auch Anfragen bezüglich Unterbringung von Schweinen, Ziegen, Schafen, Eseln, Pferden, Hühnern, Enten, Gänsen und Pfauen.

Wegen Beziehungsende

Gerade die Tierarztkosten würden viele nicht bedenken, meint Jürgen Stadler. Auch Dinge wie Katzenstreu seien mittlerweile teurer geworden. Der Nummer eins Grund, warum Tiere abgegeben werden sollen sind Trennungen, so Stadler und erzählt von einem Fall, bei dem sich ein Partner nach der Trennung allein um drei Hunde kümmern musste und komplett überfordert war. “Die Menschen melden sich dann meistens zu spät, wenn die Hunde bereits verwahrlost sind und dann wollen sie die Hunde auf der Stelle loswerden. Es ist sehr wichtig sich vorher zu überlegen, was passiert mit dem Tier, wenn ich mich trenne, wenn ich krank werde, oder auf Urlaub fahre.”

(sm)

Titelbild: ZackZack/Christopher Glanzl (Symbolhund)

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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