Julian Reichelt zu Gast bei Kurt Krömer

»Nehmen Sie Drogen?«

Reichelt bei Krömer

Eine Woche nach Heinz-Christian Strache war nun Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt bei Kurt Krömer zu Gast.

Berlin, 15. November 2022 | Drei Monate sei ihm das Team von diesem “Tschess Krömer” nachgelaufen, bis er schlussendlich doch zugesagt hätte, echauffierte sich Heinz-Christian Strache vergangene Woche auf “oe24”, nachdem er vom deutschen Comedian in der rbb-Sendung “Chez Krömer” vorgeführt wurde. Jetzt schnappte sich Krömer, der eigentlich Kurt im Vornamen heißt, sein nächstes Opfer: Julian Reichelt.

Krömer verhört Ex-“Bild”-Chefredakteur

Der ehemalige “Bild”-Chefredakteur wirkte zwar deutlich besser vorbereitet als Strache. Das lag aber vor allem daran, dass aus Reichelt zu den 2021 bekannt gewordenen Vorwürfen rund um Drogenkonsum und Machtmissbrauch in seiner Zeit als Chefredakteur bei Deutschlands größter Zeitung nicht viel herauszubekommen war. Auch die Opferrolle spielte Reichelt besser als Strache aus. Das Verhör war jedoch ähnlich unangenehm.

Krömer konfrontierte Reichelt zuerst mit einer Reihe von fragwürdigen “Bild”-Beiträgen, die unter seiner Führung in die Öffentlichkeit gelangten. Nachdem die ehemalige “Bild”-Tier-Kolumne “Reichelt streichelt” abgehandelt wurde, leitete Krömer das Gespräch über zu den zahlreichen Vorwürfen, die schließlich das Ende für Reichelt als Chefredakteur bedeuten sollten.

Die ganze Sendung:

“Nehmen Sie Koks?”

“Nehmen Sie Drogen?” “Nein” “Koks?” “Nein” – Reichelt blockte jegliche Fragen, die “in seine Privats- und Intimspähre einbrechen” ab. Er würde darüber nicht mehr öffentlich sprechen. Alle Vorwürfe, auch über Liebesbeziehungen und Machtmissbrauch im Zusammenhang mit “Bild”-Mitarbeiterinnen, seien falsch. Auch von einem von Krömer vorgespielten Video einer anonymisierten Ex-Mitarbeiterin der Zeitung, die darin meint, dass Reichelt damals Kokain konsumiert habe, ließ sich Reichelt nicht beeindrucken. “Alles erfunden.”

Auch die Vorwürfe jener Ex-Mitarbeiterin, die nun gegen den gesamten Springer-Verlag Anklage erhebt, weist Reichelt als gelogen zurück.

Was macht Reichelt eigentlich jetzt? Er startete ein eigenes Youtube-Format “Achtung Reichelt”, das sich derzeit im Reichweiten-Aufbau befinde. Wer das Projekt bis zur Monetarisierung finanziert, wollte er nicht verraten.

(mst)

Titelbild: Screenshot: youtube.com/rbb

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2 Kommentare
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Unbekannt
15. 11. 2022 15:36

Das Benehmen Krömers war absolut unterirdisch. Egal was man von Reichelt halten will, aber der hat definitiv mehr Ahnung von Journalismus als dieser von Zwangsgebühren finanzierte Narzisst.

contradiagonal_denker
16. 11. 2022 8:58
Antworte auf  Unbekannt

Krömer ist soviel Journalist wie Dirk Stermann oder Alfred Dorfer. Reichelt ist das sehr wohl bewusst, er hat sich auch entsprechend für die Opferrolle vorbereitet. Viele Zuschauer sind offensichtlich von diesem Sachverhalt übefordert.
Ob man Krömer jetzt lustig findet oder nicht, er ist kein Journalist und ihn als solchen zu bezeichnen ist faktisch falsch