Freitag, Juli 12, 2024

Oma (72) radelte 8.000 Kilometer zur Klimakonferenz

Von Schweden nach Ägypten

Um ein Zeichen für stärkere Maßnahmen gegen den Klimawandel zu setzen, legte eine 72-Jährige eine unglaubliche Strecke mit dem Rad zurück.

Sharm el-Sheikh, 15. November 2022 | Dass man für den Kampf gegen die Erderwärmung die Komfortzone verlassen muss, hat eine 72-Jährige Großmutter eindrucksvoll bewiesen. Sie fuhr nach eigenen Angaben aus Schweden mit dem Fahrrad zur Weltklimakonferenz nach Ägypten. “Ich hatte gehofft, dass ich den hochrangigen Leuten eine Botschaft senden kann”, sagte Dorothee Hildebrandt der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Konferenz in Sharm el-Sheikh. Sie habe auf der Strecke mehr als 8.000 Kilometer zurückgelegt.

Mit “Miss Piggy” nach Ägypten

“Wenn ich so etwas Unbequemes mache, haben die eine Verantwortung, Dinge zu tun, die auch unbequem und nicht leicht sind”, sagte die in Kassel geborene Mutter von vier Kindern und zweifache Großmutter, die am 1. Juli aus Katrineholm südwestlich von Stockholm aufgebrochen war. Mit ihrem rosafarbenen Fahrrad mit Elektromotor, das sie “Miss Piggy” taufte, fuhr sie unter anderem über Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Ungarn, Kroatien, Bulgarien und die Türkei, wie Hildebrandt schildert. Von dort habe sie eine Fähre in den Libanon genommen und sei weiter bis nach Jordanien gefahren, ehe sie das letzte Stück nach Ägypten erneut per Fähre zurückgelegt habe.

Präsident empfing 72-Jährige

Die vier Monate lange Reise beeindruckte offenbar auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der Hildebrandt empfing und ein Stück mit ihr durch Sharm el-Scheikh radelte. Beim Abschied sprach die 72-Jährige den Staatschef nach eigenen Angaben auf die in Ägypten faktisch verbotenen Proteste an. “Ich habe ihn gefragt, warum man hier nicht auf der Straße demonstrieren darf, weil in Glasgow war es ja friedlich.” Al-Sisi habe geantwortet, das dürfe “jedermann” überall im Land. “Da dachte ich, naja, das passt ja nicht zu dem, was ich gelesen habe. Vielleicht weiß er es nicht besser.”

Präsident Abdel Fattah al-Sisi radelt mit Dorothee Hildebrandt

Sogar der ägyptische Präsident radelte ein Stück mit (Bild: AFP PHOTO / HO / EGYPTIAN PRESIDENCY)

Reiche Staaten “müssen Hintern hochkriegen”

Die laufende Klimakonferenz sei ihrem Eindruck nach im Wesentlichen “eine Art Lobbying”, sagte Hildebrandt. “Man will zeigen, wie gut man ist.” Im Streit um die Finanzierung von Klimaschäden in ärmeren Ländern müssten reiche Staaten in Europa sowie die USA aber “endlich mal ihren Hintern hochkriegen”, sagte Hildebrandt. “Wir verschmutzen alles und die armen Leute kriegen die Dürre, die Überschwemmungen. Und dann helfen wir noch nicht mal.”

Nach der Klimakonferenz, zu der die ägyptische Regierung ihr einen Zugangspass verschaffte, will Hildebrandt etwas Urlaub machen – und dann “mindestens 8000 Kilometer zurückfahren”. 2021 war die Schwedin schon rund 2500 Kilometer zur COP26 nach Glasgow gefahren. Bei der Klimakonferenz wollen sich Vertreter von knapp 200 Staaten auf weitere gemeinsame Schritte gegen die Erderwärmung verständigen. Die Konferenz in Sharm el-Sheikh läuft noch bis Ende der Woche.

(mst/apa)

Titelbild: AFP PHOTO / HO / EGYPTIAN PRESIDENCY

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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